Gemälde von einem Pferdeauge mit dem darüber liegenden Text: Angst beim Reiten

Vor einigen Monaten habe ich einen Artikel über die Angst beim Reiten geschrieben.

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Noch heute bekomme ich wöchentlich Emails von Lesern zu diesem Thema – es scheint also Vielen wirklich auf der Seele zu brennen. Grund genug für mich, mich noch einmal mit der Angst beim Reiten zu befassen.

Dieser Artikel versteht sich als Ergänzung zu meinem ersten Artikel – wenn Du den noch nicht gelesen hast solltest Du das unbedingt nachholen. Ich möchte hier eine Art des inneren Umgangs mit Angst (egal in welcher Situation) vorstellen, die mir immer sehr gut hilft.

Ich bin natürlich kein Psychologe, deshalb ist das eine ganz persönliche Zusammenfassung und muss nicht bei jedem funktionieren. Wenn Deine Angst extrem ist und Du regelrechte Panikattacken hast, solltest Du vielleicht professionelle Hilfe suchen.

 

Die Angst beim Reiten akzeptieren

Wir Menschen neigen dazu, Dinge und Gefühle in “gut” und “schlecht” zu sortieren. Angst gehört dabei für die Meisten eindeutig zu den schlechten Gefühlen. Wir wollen sie nicht, sie ist unangenehm und wird bekämpft.

Aber je stärker wir die Angst bekämpfen, desto mehr konzentrieren wir uns auf sie und desto stärker wird sie. Wir kämpfen gegen uns selbst.

Die meisten Leser schreiben mir, dass sie “vom Kopf her” sehr wohl wissen, dass ihre Angst (größtenteils) irrational ist. Aber – und hier kommt die Krux – man kann die Angst nicht “wegdenken”. Auch endlos darüber reden bringt in der Regel nur bedingt etwas. Im schlimmsten Fall steigert man sich sogar noch mehr in die Angst hinein. Man denkt nur noch über die Angst nach und gibt ihr somit immer mehr Raum im eigenen Leben. Das sollte man unbedingt vermeiden.

Was also tun?

Für mich ist der erste Schritt, einfach mal zu akzeptieren, dass die Angst da ist, ohne sie zu bewerten oder wegdrücken zu wollen. Lass die Angst zu, spüre sie und sieh sie Dir an.

Im zweiten Schritt kannst Du laut beschreiben wie Du Dich fühlst, oder es aufschreiben. Das schafft innere Distanz. Wenn man Angst hat, hat man meist nur noch einen “Tunnelblick” und nimmt außer dem, was einem Angst macht, nur noch wenig wahr. Durch das Reden und sich innerlich distanzieren, kann man diesen Tunnelblick oft etwas erweitern. Stell Dir vor Du bist ein Wissenschaftler und erforschst Deine Angst ganz neutral.

Im dritten Schritt ist es dann an der Zeit, das zu tun, wovor Du Angst hast. Die Angst wird immer noch da sein! Du hast Dich aber hoffentlich ein bisschen distanziert und weißt, dass Du trotz Deiner Angst handeln kannst. Und das solltest Du dann auch tun – die Angst kann nur verschwinden, wenn Du Dich ihr stellst und das tust, was diese Angst auslöst.

Durch Vermeidung der Situation wird die Angst in der Regel nur noch größer! Sie kann nur verschwinden, wenn Du die Situation wieder und wieder durchlebst und spürst, dass Dir nichts geschieht. Das ist unangenehm – aber nicht so unangenehm, wie es ist, ständig mit der Angst zu leben.

Du musst da nicht alleine durch. Wie im ersten Artikel über die Angst beim Reiten beschrieben, kannst und solltest Du Dir Unterstützung suchen.

 

Mache Dir einen “Trainingsplan”

Dinge, vor denen man Angst hat, schiebt man nur allzu gerne vor sich her. Mach dir deshalb einen verbindlichen Plan, wann Du Dich Deinen Ängsten stellst.

Es ist auch wahnsinnig motivierend, wenn man nach ein paar Wochen im Notizbuch zurückblättert und sieht, wie weit man schon gekommen ist.

Setze Dir mehrere kleine Ziele und belohne Dich, wenn Du sie erreicht hast (zum Beispiel mit einer schicken neuen Reithose oder einem hübschen Halfter für’s Pferd). Die ersten Ziele sollten dabei leicht zu erreichen sein, damit Du auch ein Erfolgserlebnis hast.

 

Ersetze Horrorvostellungen durch Positives

Jeder, der schon einmal Angst vor etwas hatte kennt ihn: den Film im Kopf. Man malt sich plötzlich die größten Horrorszenarien aus – je länger man Zeit hat, desto schlimmer wird es.

Versuche diese Horrorszenarien ganz bewusst in positive Bilder umzuwandeln. Stelle Dir also nicht vor, wie Dein Pferd unter Dir buckelnd wegläuft und Du hinfällst und Dich verletzt, sondern stelle Dir in so viel Detail wie Du nur kannst vor, wie Du Dich auf Dein Pferd setzt, eine Runde durch die Halle reitest und wieder absteigst (zum Beispiel). Wichtig ist, dass Du Dich richtig darauf konzentrierst und Dir das gute Gefühl vorstellst.

 

Vergiss nicht zu atmen

Ich mache schon länger regelmäßig Yoga. Dort lernt man ganz bewusst zu atmen und seinen Körper zu entspannen.

Der Atem kontrolliert den Körper und auch den Kopf.

Für jemanden, der ruhig und bewusst atmet, ist es ziemlich schwer Angst zu haben. Wenn ich aufgeregt bin oder Angst habe, versuche ich mich für ein paar Minuten zurückzuziehen und atme einfach ganz bewusst tief ein und aus. Du kannst dabei auch zählen, wie viele Sekunden Du ein- und wie viele Du ausatmest – manchmal braucht das Gehirn eine Aufgabe um sich abzulenken.

Bei den Pferdefreunden gibt es hier einen schönen Artikel darüber, wie man Anspannung wegatmet.

 

Fazit

Wie bei jeder anderen Angst ist es auch bei der Angst beim Reiten wichtig sich ihr zu stellen. Das muss man nicht alleine tun, aber man sollte es auch nicht zu lange vor sich her schieben. Je länger man wartet und je mehr man darüber nachdenkt, desto höher ist die Gefahr, dass man sich in die Angst hineinsteigert und sie immer mehr wächst.

Um nochmal “meine” drei Schitte der Angstüberwindung zusammenzufassen:

  • Die Angst akzeptieren
  • Sich von der Angst distanzieren
  • Sich der Angst auslösenden Situation stellen

Lesetipp: Auf Pferdespiegel.com gibt es einen tollen Artikel darüber, wie man mit Hypnose Ängste bekämpfen kann. Unbedingt lesen!

 

Wie gehst Du mit Angst um (es muss gar nicht die Angst vorm Reiten sein)? Schreibe Deine Tipps in die Kommentare!

 

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2 KOMMENTARE

    • Da bin ich ganz bei dir, ein geduldiger und einfühlsamer Reitlehrer ist Gold wert (und nicht nur wenn man Angst hat)!

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