Christina sitzt auf einem schwarzen Pferd. Neben ihr steht ihre Reitlehrerin Hlín und lächelt zu ihr hinauf.

Ein guter Reitlehrer oder eine gute Reitlehrerin ist mehr als Gold wert und unersetzlich wenn Du ein guter Reiter werden willst. Du kannst so viel theoretisches Wissen ansammeln wie Du möchtest – einen Reitlehrer vor Ort ersetzt das trotzdem nicht. Kein Buch, kein Video und kein Blog (auch nicht dieser hier) kann die individuelle Hilfe durch einen Fachmann oder eine Fachfrau ersetzen.

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Leider ist es gar nicht so einfach einen guten Reitlehrer zu finden. Vor allem wenn Du selbst noch wenig Reit- und Pferdeerfahrung hast ist es schwer, einzuschätzen ob der Reitlehrer gut oder schlecht ist.

Weil mich immer wieder Leser danach fragen, woran man denn einen guten Reitlehrer oder eine gute Reitlehrerin erkennt, fasse ich hier einmal meine – ganz persönliche – Checkliste zusammen. Es ist natürlich eine Wunschliste, wenn man bei dem einen oder anderen Punkt Abstriche machen muss ist das auch kein Weltuntergang. Jeder mmuss seine Prioritäten selbst festlegen.

(Ich benutze im folgenden Text nur die männliche Variante von Reitlehrer, einfach weil es mich beim Schreiben und Lesen nervt immer beide Gechlechterformen angeben zu müssen. Liebe Mädels, ich will euch also nicht diskriminieren, es ist einfach nur Bequemlichkeit!)

 

Checkliste für einen guten Reitlehrer

Der Reitlehrer nimmt sich Zeit alles zu erklären und lässt auch Nachfragen zu

Ein guter Reitlehrer lässt Dich niemals mit Deinen Fragen allein. Er nimmt sich die Zeit sicherzugehen, dass Du alles verstanden hast und erklärt das „Warum“ hinter dem, was Du tun sollst.

Es gibt regelmäßige Sitzschulungen

Der Sitz ist die wichtigste Hilfe des Reiters. Deshalb sollte ein guter Reitlehrer regelmäßige Sitzstunden anbieten.

Es gibt regelmäßige Theorieeinheiten

Beim Reiten müssen Theorie und Praxis Hand in Hand gehen. Um verstehen zu können, was Du auf dem Pferd tust ist es essentiell die Theorie dahinter zu kennen und zu verstehen. Ein guter Reitlehrer gibt nicht nur Unterricht auf dem Pferd, sondern legt Wert auf regelmäßige Theoriestunden.

Der Reitlehrer ist geduldig und einfühlsam

Die Zeiten, in denen man vom Reitlehrer angeschrien wird sollten endgültig vorbei sein. Wir sind nicht mehr beim Militär und jeder sollte wissen, dass man unter Stress schlechter lernt. Ein guter Reitlehrer bleibt ruhig und geduldig.

Wenn etwas nicht funktioniert hat der Reitlehrer eine alternative Herangehensweise parat

Jeder Reiter und jedes Pferd hat seine eigenen individuellen Probleme. Eine Methode, die bei den Einen funktioniert ist bei den Anderen möglicherweise genau falsch. Deshalb sollte ein guter Reitlehrer unbedingt mehrere „Wege zum Ziel“ kennen und den passenden auswählen. Auf einer Methode zu beharren, die offensichtlich nicht funktioniert, ist in meinen Augen eines der schlechtesten Dinge, die ein Reitlehrer tun kann. Das führt nur zu Frust bei allen Beteiligten (ich spreche da aus Erfahrung).

Die Aufmerksamkeit des Reitlehrers liegt immer bei dem/den Schüler/n

Wenn der Reitlehrer Unterricht gibt sollte er nur in Notfällen unterbrechen. Telefonieren, Gespräche an der Bande oder nebenher Rauchen sind für mich Tabu.

Der Reitlehrer geht gut und gewaltfrei mit den Pferden um

Jemand, der Gewalt einsetzt hat in meinen Augen in diesem Job nichts verloren. Ein guter Reitlehrer setzt nicht nur selbst keine Gewalt ein, er unterrichtet auch seine Schüler im sanften und fairen Umgang mit den Pferden.

Die Pferde werden artgerecht gehalten

Das bedeutet mindestens eine helle, luftige Paddockbox mit regelmäßigem Weidegang und Kontakt zu anderen Pferden. Man kann nun argumentieren, dass ein angestellter Reitlehrer wenig Einfluss auf die Haltung der Pferde hat. Ein Reitlehrer, dem das Wohl der Pferde am Herzen liegt, wird aber in der Regel nicht lange an einem Stall arbeiten, in dem es ihnen offensichtlich schlecht geht.

Der Unterricht kommt ohne Hilfszügel aus

Leider sieht man immer noch viele Hilfszügel – gerade auch Schlaufzügel – im Anfängerunterricht. Mit solchen Hilfsmitteln in unerfahrenen Händen kann man den Pferden sehr viel Schaden zufügen. Ein guter Reitlehrer kann seinen Schülern feines und faires Reiten ohne solche Hilfsmittel beibringen. (Einzige Ausnahme: bei einer Sitzschule für Anfänger können Ausbinder Sinn machen – aber dann bitte korrekt und nicht zu eng verschnallt und nur für kurze Zeit)

Der Unterricht ist vielseitig

Es gibt rund ums Pferd und Reiten sehr viel zu lernen – das sollte sich auch im Unterricht wiederspiegeln. Nicht nur Dressur, sondern auch Springen, Signalreiten, Handpferdereiten, Bodenarbeit, Trailreiten, etc. sollte auf dem Plan stehen.

Der Reitlehrer fordert ohne zu überfordern

Du und Dein Pferd sollt euch weiterentwickeln, dazu nehmt ihr schließlich Unterricht. Ein guter Reitlehrer schafft es, euch in eurer Entwicklung zu unterstützen und den nötigen “Schubs” zu geben ohne euch dabei zu überfordern und zu viel zu verlangen.

Das Wohl des Pferdes steht immer im Vordergrund

Ein guter Reitlehrer handelt immer zu 100% im Sinne des Pferdes. Keine schnelle Lösung, keine Turnierschleife und keine “Abkürzung” ist es wert, bei diesem Punkt Kompromisse einzugehen.

 

Einen guten Reitlehrer finden – so geht’s

Leider ist das oft gar nicht so einfach, besonders weil man für regelmäßigen Unterricht an einen bestimmten Ort und seinen Umkreis gebunden ist.

Empfehlung von Freunden und Bekannten

Wie ich finde eine der besten Methoden. Du kennst jemanden, der regelmäßig Unterricht nimmt? Dann frag ihn, ob er seinen Reitlehrer weiterempfehlen würde und warum. Vielleicht kannst Du ja sogar mal als Zuschauer zu einer Reitstunde mitkommen.

Empfehlungen über soziale Netzwerke wie Facebook

Hier kannst Du besonders viele Leute erreichen und mehr Tipps bekommen als nur im Bekanntenkreis. Der Nachteil: Du weißt nicht, ob alle Aussagen über Reitlehrer so stimmen. Es macht also durchaus Sinn, ein bisschen über die empfohlenen Reitlehrer zu recherchieren und natürlich auch mal eine Probestunde zu nehmen, falls möglich.

Recherche im Internet auf Trainerwebsites

Viele bekanntere Trainer haben mittlerweile ihre eigene Website mit ihrer Unterrichts- oder Trainingsphilosophie. Manche schreiben Blogs oder veröffentlichen Videos. Hier kannst Du schon im Vorfeld überprüfen, ob Dir die Herangehensweise des Trainers gefällt oder nicht.

Es gibt aber auch viele gute Reitlehrer, die keinen „großen Namen“ haben, die sollte man nicht ausschließen!

Wenn Du niemanden in Deiner Umgebung findest: besuche Kurse

Ich kenne das Problem, dass es im näheren Umkreis niemanden gibt, bei dem man regelmäßig Unterricht nehmen könnte oder möchte. Deshalb besuche ich übers Jahr verteilt mehrere Kurse. Es ist natürlich nicht das selbe, wie regelmäßiger Unterricht, aber definitiv besser als gar nichts. Für Anfänger ist es jedoch eher nicht zu empfehlen, da hier oft die Erfahrung fehlt um zwischen den Kursen alleine weiterzuarbeiten.

Meine Empfehlung (und oben auf dem Bild) ist übrigens Hlín von Lynghorse, sie gibt regelmäßig Kurse in Deutschland.

 

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11 KOMMENTARE

  1. Hallo ihr Lieben,

    weil es hier immer wieder Diskussionen über den/die ein/e oder andere/n Reitlehrer/in gibt und ob er/sie denn nun gut ist oder nicht, habe ich mich dazu entschlossen alle Kommentare mit Empfehlungen zu löschen und die Kommentare zu schließen. Ich kann nicht nachprüfen wie die Reitlehrer wirklich sind und ich möchte hier keine Plattform dafür bieten, schlecht über jemanden zu schreiben, der dazu keine Stellung nehmen kann – und ich möchte natürlich auch keine Werbung für möglicherweise schlechte Reitlehrer/innen hier stehen haben ;-)

    Liebe Grüße,
    Christina

  2. War sehr interessant! Ich wusste gar nicht, was einben guten Reitlehrer ausmacht :-) Aber ich glaube, “mehrere WEge zum Ziel” fällt schön normalen Lehrern schwer! Die Idee mit den Kursen finde ich auch gut!

    • Dankeschön =)
      Ja klar, mehrere Wege zum Ziel zu kennen ist schon ein etwas höherer Anspruch ;-) Ich bin da von meiner Reitlehrerin verwöhnt…

  3. Hallo Christina,
    ich habe gleich zwei fantastische Reitlehrerinnen – jede unterrichtet ein bisschen anders, aber für mich passt das Zusammenspiel perfekt. Katrin (PLZ-Bereich 91) geht mehr auf meine Ängste ein – und ich bin ja eine sehr schissige erwachsene Anfängerin… :) – und ist einfühlsamer, versteht es aber dabei, mich zu motiveren und wenn bei mir mal wieder vor lauter Stress irgendwas aushakt, kann sie besser als ich einen Ausweg erkennen. Gabi dagegen (PLZ 90) “erzieht” mich wiederum zu mehr Selbstständigkeit (bei Katrin reite ich momentan auch noch im Wesentlichen an der Longe, bei Gabi hab ich noch nie eine gesehen) und stellt mir mehr Herausforderungen (das ist bei mir nicht schwer, für mich Schissi ist ja fast alles eine :D ).

    Zufällig hat eine von den beiden sogar Deine Facebookseite geliked, vermutlich weil sies bei mir gesehen hat ;)

    Auch die Haltung ist bei beiden ganz unterschiedlich (Box vs. Offenstall), und obendrein die Reitweise – klassisch Englisch vs. Western. Bevor ich das kombiniert habe, dachte ich, das klappt zusammen nie. Aber ich muss sagen, es klappt ganz hervorragend und ergänzt sich – für mich! – super.

    Ich kann also nur sagen, wie ein Reitlehrer für mich persönlich sein sollte – zum Zusammenspiel mit dem Pferd kann ich nach einem Dreivierteljahr Reiten nichts beitragen.. :) Für mich als Angsthase ist jedenfalls beides, was ich oben schrieb, sehr wichtig – dass mich mein RL vor allem mit meinen Ängsten ernst nimmt, denn sie sind für mich nunmal ziemlich real. Dass er mir Herausforderungen stellt und Ziele setzt, die ich bewältigen und erreichen kann (momentan sind das natürlich kleine Schritte). Und Vertrauen ist natürlich das A und O.

    vG,
    Nora :)

    • Hallo Nora,

      das klingt ja nach einer idealen Kombination, wirklich toll!
      Vielen Dank für deine Empfehlung =)

      Liebe Grüße,
      Christina

  4. Hallo, ich finde den beitrag super. Leider ist es wirklich schwer als Anfänger zu erkennen, ob ein Lehrer gut oder schlecht ist. Ich habe es leider erst nach einem Wechsel zu einem besseren gemerkt.

    Ich finde es auch nich wichtig, dass der Reitlehrer selber reitet. Mein alter ist nicht mehr geritten. Man merkt schon deutlich den Unterschied. Man kann die Sachen besser erklären, wenn man sie selber regelmäßig anwendet.

    • Hallo Hannah,

      das stimmt natürlich. Deshalb habe ich absichtlich in die Liste gar nicht so viele Dinge aufgenommen, für die man schon viel Ahnung vom Reiten haben muss. Ich hoffe auch Anfänger bekommen somit etwas Hilfe bei der Auswahl =)

      Ich kenne auch (alte) Reitlehrer, die nicht mehr reiten und trotzdem sehr sehr gut unterrichten. Ich glaube das ist eher eine persönliche Sache ;-)

      Liebe Grüße,
      Christina

  5. Liebe Christina,

    wieder mal ein schöner und hilfreicher Beitrag! :)

    Was ich persönlich bei der Suche nach dem richtigen Reitlehrer schwierig finde, ist die fachliche Beurteilung. Häufig braucht es eine ganze Weile, bis man erkennt, dass der Weg, den der Reitlehrer für mich und mein Pferd vorsieht, doch nicht so richtig passt und dass man vielleicht doch nicht ganz die selbe Sprache spricht.

    Sowas zeigt sich oft erst nach einer Weile. Am Anfang müssen sich Reitlehrer, Reitschüler und Pferd kennenlernen – und das geht ja nicht von heute auf morgen. Und erst nach einer Weile kennt der Reitlehrer Pferd und Reiter so gut, dass er ganz individuelle Lösungsvorschläge unterbreiten kann. Denn irgendwann steht ja nicht mehr allein der Reiter im Fokus, sondern der Reitunterricht zielt darauf ab, dass man gemeinsam mit dem Pferd Fortschritte macht.

    Und wenn man dann nach einem halben Jahr merkt, dass es vielleicht doch nicht so passt, dann sollte man auch den Mut das offen auszusprechen und sich einen neuen Trainer zu suchen.

    Ich persönlich finde es außerdem sehr wichtig, immer mal wieder bei unterschiedlichen Trainern zu reiten, die vielleicht auch thematisch einen anderen Fokus setzen.

    Viele Grüße
    Karo

    • Hallo liebe Karo,

      vielen Dank für dein Lob =)

      Das stimmt, ein bisschen Zeit zum Beschnuppern braucht man immer. Wobei ich sagen muss, dass es bei meinen “Lieblingsreitlehrern” irgendwie sofort klick gemacht hat. Aber ganz klar, wenn es nicht passt muss man sich nach etwas Neuem umsehen!

      Ich finde es auch toll und hilfreich von verschiedenen Trainern zu lernen und auch mal in andere Reit- und Herangehensweisen hineinzuschnuppern. Leider gibt es dazu oft zu wenig Gelegenheit…

      Liebe Grüße,
      Christina

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