Eigentlich ist es ganz einfach, richtig zu treiben.

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Trotzdem ist es eines der Dinge, die viel falsch gemacht und gar nicht – oder falsch – erklärt werden. Ein paar häufige Fehler sind:

  • Mit den Fersen treiben (und dabei die Fersen hochziehen)
  • Dauertreiben
  • mit beiden Beinen gleichzeitig treiben
  • zum falschen Zeitpunkt treiben

Wie es besser und einfacher geht, erfährst Du in diesem Artikel!

 

Richtig treiben

Grundsätzliches

Es sollte niemals permanent getrieben werden. Das ist der sicherste Weg um Dein Pferd völlig abzustumpfen. Sobald das Pferd auf die treibenden Hilfen reagiert müssen diese ausgesetzt werden! Wenn Dich jemand permanent antippt, egal ob Du reagierst oder nicht, wirst Du ihn früher oder später einfach ignorieren. Genauso geht es Deinem Pferd auch. Reagiert es nicht auf Deine Schenkelhilfen, dann tippe es lieber zur Verstärkung mit der Gerte an. Bei vielen Pferden wirkt es auch gut, wenn man die Gerte anlegt und mit der Hand “vibrieren” lässt.

Außerdem solltest Du nicht mit beiden Beinen gleichzeitig treiben sondern immer abwechselnd. Mit dem Treiben möchtest Du Dein Pferd dazu animieren, größere Schritte zu machen und mit der Hinterhand weiter unterzutreten. Weil immer nur ein Hinterbein nach vorne schwingt, kannst Du auch nur diesem Hinterbein “sagen”, dass es weiter nach vorne greifen soll.

Mit dem Treiben aktiviert man den seitlichen Bauchmuskel. Dieser “zieht” das entsprechende Hinterbein weiter nach vorne. Damit der Bauchmuskel das tun kann, muss das Hinterbein in der Luft sein. Wenn Du aber mit beiden Beinen gleichzeitig treibst ist immer ein Hinterbein auf dem Boden. Deinem Pferd bleibt also nichts anderes übrig, als immer eine Deiner Hilfen zu ignorieren, wenn Du auf beiden Seiten gleichzeitig treibst. Damit stumpfst Du Dein Pferd mit der Zeit immer mehr ab.

Zusammengefasst:

  • Nicht dauerhaft treiben, sondern nur wenn wirklich nötig. Reagiert das Pferd – auch wenn es nur minimal ist – sofort aufhören
  • Nie mit beiden Beinen gleichzeitig treiben sondern immer abwechselnd, abgestimmt auf das Abfußen der Hinterbeine des Pferdes

 

Die Körperhaltung

Getrieben wird immer mit dem oberen Teil der Wade. Federt die Ferse korrekt beim Reiten nach unten, so ist dieser Teil der Wade automatisch leicht gespannt. Zum Treiben drückt man aber nicht – wie man oft denkt – die Wade ans Pferd, sondern man spannt die hintere Oberschenkelmuskulatur an. Dadurch kommt die Wade automatisch ans Pferd. Wenn Du das nicht schaffst wird es Zeit für ein bisschen Muskelaufbautraining – nicht nur Dein Pferd muss fit sein ;-)

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass die Knie nicht klammern – also kein Knieschluss (Knieschluss braucht man nur, wenn das Pferd einen Satz macht, zum korrekten Reiten ist er dagegen nur hinderlich). Sind die Knie fest kann die Wade nicht locker ans Pferd schwingen, sondern die Unterschenkel sind meist vom Pferd abgespreizt. Außerdem führt das zu einem steifen, festgehaltenen Reitersitz, mit dem das Pferd nicht locker laufen kann.

Die Fußspitzen zeigen nach außen vorne. Auf einer Uhr wären das in etwa 11 und 13 Uhr. Versuche nicht verkrampft Deine Fußspitzen gerade nach vorne zu bringen, wichtiger ist, dass Du locker sitzt. Die Fersen sollten locker mit der Bewegung nach unten federn. Dazu braucht man lockere Fußgelenke, hier gibt es eine tolle Übung dazu.

Zum Treiben gehören aber nicht nur die Beine. Auch mit der Hüfte kann man treiben. Dazu kippt man das Becken mit der Bewegung des Pferdes rhythmisch nach hinten ab. Über diese sogenannten Kreuzhilfen habe ich hier schonmal geschrieben. Aber diese Bewegung sollte niemals übertrieben und mit Kraft eingesetzt werden, einfach von der Bewegung des Pferdes mitnehmen lassen.

Insgesamt sollte man sich beim Treiben nicht anstrengen – muss man sich anstrengen macht man in der Regel etwas falsch und verkrampft sich. Die Bewegung des Pferdes gibt den Zeipunkt des Treibens und die Bewegung des Beins vor – wenn man denn locker genug sitzt um das zuzulassen. Darauf gehe ich in den Teilen zu Schritt, Trab und Galopp noch genauer ein.

Zusammengefasst:

  • Treiben mit dem oberen Teil der Wade, ausgelöst durch ein Anspannen der hinteren Oberschenkelmuskulatur
  • Knie offen und locker
  • Fußgelenke locker, Fersen schwingen mit der Bewegung nach unten
  • Die Bewegung des Pferdes bestimmt den Zeitpunkt des Treibens
  • Nicht anstrengen und zu viel tun

 

Treiben im Schritt

Wie bereits erwähnt ist es sehr wichtig, zum richtigen Zeitpunkt zu treiben – nur dann kann der aktivierte Bauchmuskel das Hinterbein weiter nach vorne schwingen lassen. Um diesen richtigen Zeitpunkt zu finden, sollte man wissen wie sich das Pferd bewegt und wie es sich anfühlt, wenn das Hinterbein abfußt.

Im Schritt ist das so: Die Seite des Rückens, auf der das Hinterbein nach vorne schwingt senkt sich gefühlt etwas ab, der Pferdebauch beginnt seinen Schwung nach innen und das Bein des Reiters auf dieser Seite schwingt leicht nach innen an den Pferdebauch. Um richtig zu treiben musst Du genau dann ansetzen, wenn der Bauch anfängt nach innen zu schwingen.

Sagen wir du willst das linke Hinterbein weiter vor treiben: wenn sich das Pferd gerade mit diesem Bein abdrückt ist der Rücken links etwas höher und der Bauch schwingt nach links. Wenn das linke Hinterbein abfußt und anfängt nach vorne zu schwingen fängt der Bauch an nach rechts zu schwingen. Dann treibst Du – natürlich so früh wie möglich.

Wenn Dein Bein locker anliegt, schwingt es ja sowieso schon an den Pferdebauch. Diesen Impuls musst Du dann nur noch verstärken um zu treiben. Mehr ist es nicht!

Übe zu erspühren wann die Hinterbeine abfußen. Dazu nimmst Du Dir am besten jemanden mit auf den Platz – Du sagst welches Hinterbein nach vorne schwingt und er oder sie schaut ob Du recht hast.

 

Treiben im Trab

Auch hier bestimmt die Bewegung des Pferdes den richtigen Zeitpunkt zum Treiben:

Im Trab schwingt immer abwechselnd eine Seite des Pferderückens höher als die andere. Stößt sich das Pferd gerade mit dem linken Hinterbein ab ist auch die linke Seite des Rückens höher. Das rechte Hinterbein schwingt währenddessen nach vorne, die rechte Seite des Rückens ist etwas tiefer, Dein Bein schwingt leicht nach innen an den Pferdebauch.

Wie im Schritt musst Du nur noch den Impuls des Beins verstärken, das sowieso schon an den Pferdebauch schwingt.

Das war die Erklärung für das Treiben beim Aussitzen im Trab. Beim Leichttraben treibe ich so: wenn ich möchte, dass das innere Hinterbein weiter nach vorne greift, treibe ich immer beim Aufstehen.

 

Treiben im Galopp

Im Galopp springt immer ein Vorderbein des Pferdes weiter nach vorne. Das ist die „Art“ das Galopps (Rechtes Bein -> Rechtsgalopp). Auf dieser Seite schwingt der Rücken etwas weiter vor als auf der anderen Seite – das heißt hier muss auch Deine Hüfte minimal weiter vor schwingen. So kannst Du erfühlen, auf welcher Hand Dein Pferd galoppiert, ganz ohne hinzusehen. Galoppiert es auf der linken Hand fühlt es sich an, als würde Dein linker Hüftknochen weiter nach vorne geschoben als der Rechte.

Der Pferderücken an sich schwingt erst vorne mit der Vorhand nach oben, dann hinten mit der Hinterhand, ganz ähnlich wie bei einer Wippe. Du musst also die Bewegung: „vorne hoch und nach vorne -> vorne runter -> hinten hoch und nach vorne“ mitmachen. Du kannst Dir das auch wie eine Art Wellenbewegung vorstellen.

Treibe immer dann, wenn Dein Pferd in der Phase “hinten hoch und nach vorne” ist und nur auf der Seite, auf der das Hinterbein weiter nach vorne schwingt (Rechtsgalopp -> rechts).

Hier kannst du übrigens nachlesen, wie man den Galopp am besten aussitzt.

 

Fazit

Um korrekt und zum richtigen Zeitpunkt zu treiben kommt es wie so oft beim Reiten auf das Fühlen an. Du musst erspühren können, wann die Hinterbeine abfußen um ihre Bewegung beeinflussen zu können. Dazu muss Dein Sitz locker und unverkrampft sein und Deine Beine mit der Bewegung des Pferdes mitschwingen können.

Viele (wenn nicht fast alle) Reiter haben gerade mit diesem lockeren Sitz Probleme – mir geht es da ab und an auch nicht anders. Um richtig zu treiben und auch zu reiten empfehle ich Dir regelmäßige Sitzschulen und ein auf Dich abgestimmtes Aufbausport- und Gymnastikprogramm. Es wirkt außerdem Wunder wenn man sich vor dem Reiten aufwärmt und ein kurzes Stretchingprogramm durchführt.

Zum Weiterlesen gibt es bei Fühlend Reiten noch weitere Artikel zum Thema “Schritt reiten und fühlen” und “Trab reiten und fühlen“.

Wie klappt es bei Dir mit dem Treiben? Kannst Du spüren, wann Dein Pferd abfußt?

 

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29 KOMMENTARE

  1. Hallo,
    Ich kann mich meinen Vorrednern nur anschliessen ….tolle Seite ! Und Danke ,denn deine Erklärungen helfen mir sehr! Ich bin 50 und hab grade mit dem reiten angefangen. Hatte meine 5. Reitstunde. Es ist nur schwierig das alles umzusetzen wenn die Pferde so abgestumpft sind. Ich lerne auf verschiedenen Pferden und es klappt alles prima mit einem Pferd was auch entsprechen auf die richtigen Hilfen reagiert. Nun hatte ich aber seit der 4. Reitstunde eins was sich nur schwer bis garnicht bewegen lies …an richtiges Treiben wie du es hier beschreibst ist bei ihr garnicht zu denken. Ich bekomme als Anfaenger aber erstmal kein anderes mehr mit der Begruendung, das man keine lust hat es hinterher korrekturzureiten. Hab ich in den ersten 3 Stunden erstaunliche Fortschritte gemacht und mein reitlehrer meinte er haette nicht gedacht das wir in der stunde soweit kommen , mach ich nun keine Fortschritte mehr….leider:( . Ich habe nur eine Stunde in der woche und bin sicher nicht der einzigste Schueler auf dem Pferd. Wie soll ich sowas wieder gradebiegen? Ich hab meinem Reitlehrer auch gesagt wie richtig getrieben wird … Er hat das bestaetigt…er weis es also! Trotzdem soll ich die hacken schoen rein in den bauch weil sonst nichts passiert! Mach ich das nicht heisst es ich kann mich nicht durchsetzten …..das stimmt nicht ! Ich sehe nur nicht denn sinn wsrum ich es falsch lernen soll (weil die Pferde abgestumpft sind) .Insofern ist reiten lernen fuer manche erwachsene tatsaechlich schwieriger …zumindest wenn man sich informiert und mitdenkt….fuer alle anderwn ob jung oder alt ist es oberflaechlich betrachtet einfacher …aber trotzdem nicht pferdegerecht .

    Liebe Gruesse

    • Hallo liebe Anja,

      vielen Dank für die netten Worte, da freue ich mich immer drüber! =)

      Ja, das ist das ewige Thema: wie soll man es richtig lernen, wenn die Schulpferde völlig stumpf sind?
      Ich habe da leider keine gute Lösung – die Reitschulen müssten einfach ihre Pferde mehr korrekturreiten. Dafür fehlt aber häufig das Geld, da die meisten Leute möglichst wenig für Stunden bezahlen wollen. Ich kann die Betriebe da schon verstehen. Blöd ist es aber trotzdem für alle Beteiligten, von den Schülern bis zu den Schulpferden.
      Für mich gibt es in solchen Situationen eigentlich nur zwei Alternativen: Such nach einem Stall, der besser gerittene Schulpferde hat (die gibt es ja auch, man muss sie nur finden). Oder nimm so lange Unterricht mit den leider stumpfen Schulpferden, bis du sattelfest und etwas erfahrener im Umgang mit Pferden bist und such dir dann eine Reitbeteiligung. Mit der Reitbeteiligung hast du dann in der Regel ein Pferd, das nicht von vielen wechselnden Personen geritten wird und feiner reagiert (und du bist dann auch auf einem reiterlichen Stand, dass du das Pferd nicht mehr so sehr beeinträchtigst, wie man es als Anfänger nunmal zwangsläufig tut). Dann kannst du mit diesem Pferd Unterricht nehmen und wirst dich deutlich schneller und einfacher verbessern, als auf schlecht gerittenen Schulpferden.
      Es ist einfach eine richtig blöde Situation in vielen Schulställen, die ist nicht schönzureden. Wenn man als Anfänger pferdegerecht reiten lernen will, muss man unter Umständen lange suchen…

      Liebe Grüße,
      Christina

  2. Hallo Christina,

    ich schließe mich dem vielen Lob über deinen Blog an, gefällt mir sehr!
    Ich bin Wiedereinsteiger nach der Reiterferien-Karriere als Kind. Ich reite jetzt nach Longenstunden erst seit ein paar Wochen in der Abteilung mit.
    Und wie viele andere auch macht mir das Treiben Probleme. Ich meine, viele Dinge machen mir naturgemäß noch Probleme, aber bei denen verstehe ich zumindest theoretisch, wie es gehen soll – nur die Praxis klappt eben noch nicht. Aber das Treiben im Trab ist mir momentan ein Buch mit sieben Siegeln! Ich mein, Schritt versteh’ ich ja noch und meist ganz am Ende der Stunde bin ich anscheinend dann so gelockert, dass mein Bein im Schritt wie von selbst voll tief an den Pferdebauch ranschwingt, wo ich vorher nie hingekommen wär. Und von der Bewegung her, macht mir das alles auch Sinn. Aber dann kommt Trab. Also bei mir in der Abteilung wird gesagt, “wenn du dich hinsetzt, Beine ran”. Du sagst es nach deiner Fasson, die mir auch Sinn macht, aber bei allen bleibt eigentlich die grundlegende Frage: Wo soll ich mich denn beim Trab abstützen?! Ich hab das Gefühl, die Leute sagen mir, “klemm dich nicht mit den Knien fest”, “klemm dich nicht mit den Oberschenkeln fest”, “du sollst nicht einfach in den Bügeln stehen”. Wenn das so ist, fällt mir nur leider physikalisch nichts mehr ein, wo ich mich beim Aufstehen abdrücken soll? Es ist mir grad ein Rätsel, es kommt mir vor, als solle ich eigentlich über dem Pferd selbstständig schweben oder so… Und dann das Treiben. Ich hab jetzt gelesen, dass man ja möglichst sich eben nicht verkrampfen soll auf dem Pferd. Und dann frag ich mich aber wieder, in welcher Welt ist es denn möglich, ein Bein / oder zwei Beine je nach Gusto irgendwie an das Pferd zu drücken, ohne dass sich in meinem Unterschenkel/Oberschenkel und vielleicht sogar Hintern die Muskeln anspannen und ich dann eben nicht mehr wie ein Sofakissen auf dem Pferd sitze? Ich meine, das geht doch gar nicht?! Letztens sah ich ein Video in dem gesagt wurde, es gebe einen ominösen kleinen Muskel hinten am Oberschenkel, den müsse man anspannen, dann bleibt der Rest des Beines trotzdem entspannt. Ist das so? Wie kann man denn diesen Muskel finden? Ach ja und im Trab wird bei uns dann eben gesagt, immer wenn man sich hinsetzt Beine ran. Hm, also bei mir führt das dazu, dass ich mich setze und dann beide Beine leicht nach oben innen drücke (weil ansonsten der Bauch des Pferdes über meinem Fuß die dickste Stelle hat), das fühlt sich an, als würde ich mich jedes Mal etwas zusammenrollen oder wie ein Krebs aussehen und der Hintern spannt sich auch an…
    Kannst du oder andere von hier mir da irgendwas Einleuchtendes zu sagen?
    Ich weiß, ich bin grad Feuer und Flamme und deshalb auch ungeduldig und vielleicht kommt das alles mit der Zeit… aber dieser Punkt, dass ich nicht mal theoretisch versteh, nach welchem Prinzip das anatomisch und physikalisch überhaupt gehen kann, treibt mich ein bisschen um…
    Entschuldigt bitte, wenn es etwas holperig geschrieben ist, irgendwie ist da grad viel Energie bei mir drin in dem Thema… ^^” Vielen Dank für euer Ohr und eventuelle Erklärungen!

    Liebe Grüße,
    Sarah

    • Hallo liebe Sarah,

      entschuldige, dass es so lange gedauert hat mit dem Antworten, ich habe die letzten Wochen rund um die Uhr die Pfernetzt 2017 organisiert und hatte keine ruhige Minute ;-)

      Das mit dem Traben ist wirklich nicht so ganz einfach – ich persönlich sitze genau deshalb auch lieber aus, da kann ich koordinierter treiben, ohne mich noch auf’s Aufstehen konzentrieren zu müssen. Treiben tut man generell immer mit der oberen Wade: dadurch, dass die Fersen nach unten federn, ist dieser Teil der Wade immer etwas angespannt und liegt am Pferdebauch (das sollte dann auch dein “Krebs”-Problem lösen: nicht mit dem Fuß ans Pferd, sondern mit der oberen Wade). Und ja, hier ist ein Muskel angespannt und man spannt auch mal die Oberschenkelmuskulatur zum Treiben an (ich nehme an mit dem Muskel, von dem du gehört hast, ist die Oberschenkelrückseite gemeint: spannt man die an, schwingt der Unterschenkel ans Pferd – da braucht man aber auch die entsprechende Muskelkontrolle). Es gibt einen Unterschied zwischen rhythmisch an- und entspannen und verkrampfter Muskulatur ;-) Das ist ja beim Reiten immer die Kunst: Körperspannung und Stabilität zu erreichen und gleichzeitig flexibel und beweglich zu sein. Das kommt aber mit der Zeit und der Erfahrung. Und an manchen Aspekten muss man auch sein Leben lang arbeiten (ich bin z.B. sehr flexibel, dafür fehlt mir manchmal die Stabilität).
      Zum Leichttraben: für mich ist das so eine Mischung aus allem: die Knie sind schon am Pferd, aber nicht festgeklemmt, die Füße federn in den Bügeln und stützen sich dort auch ab, aber nicht ausschließlich (weil ja auch die Knie noch ein bisschen dran sind). Beim Aufstehen lässt man sich von der Bewegung des Pferdes etwas nach oben tragen (man muss gar nicht so extrem hoch aufstehen, wie viele das am Anfang tun – da kommt man dann auch schnell hinter die Bewegung) und zum Einsitzen spannt man dann kurz die Oberschenkel an, damit man nicht zurück plumpst. Man muss also gar nicht mit Kraft aufstehen, die einzige “bewusste” Bewegung die man beim Leichttraben machen sollte ist die Anspannung der Oberschenkel um sich sanft wieder in den Sattel zu setzen (zumindest habe ich es so gelernt). Ich hoffe das ist jetzt alles nicht zu konfus, schriftlich ist das schwer zu erklären…
      Ich würde mich da an deiner Stelle aber nicht allzu sehr verrückt machen, der richtige Sitz und die Koordination der Hilfen braucht auch einfach Zeit und Übung, das klappt nicht alles von heute auf morgen ;-)

      Ganz liebe Grüße,
      Christina

  3. Sehr lehrreicher Artikel mit sehr vielen verschiedenen Aspekten! Ich finde es echt interessant, wie sich bei manchen Themen die Meinungen unterscheiden. So hat meiner ehemalige Reitlehrerin genau das Gegenteil gesagt. “Jeder Schritt und jeder Sprung muss neu getrieben werden.” Das habe ich in jeder Reitstunde gehört, die ich in meinen 6 Jahren Reiterfahrung hatte.
    Dabei klingt die Theorie, dass man das Pferd so abstumpft, unabstreitbar Logisch, Vorallem wenn ich bedenke, wie abgestumpft viele der Schulpferde sind. Wie kommt es, dass sich die Meinungen da so stark unterscheiden und wem soll ich eher glauben, meiner “unprofessionellen” Meinung, diesem Artikel oder meiner ehemaligen Lehrerin?

    • Hallo liebe Lucia,

      das hat man früher tatsächlich in vielen Ställen gehört (und heute wohl auch noch in einigen). Für mich (und viele, viele Profis) ist das allerdings ein No-Go und keine Art, in der ich mein Pferd reiten möchte. In solchen Fragen schaue ich mir immer an, was Leute dazu sagen, die ich bewundere oder deren Art zu reiten ich sehr mag. In meinem Fall wären das z.B. Philippe Karl, Bent Branderup, Anja Beran, Claus Penquitt, Buck Brannaman, Mark Rashid, etc… Jeder von denen ist genau der gleichen Meinung, was die Ablehnung des “Dauertreibens” angeht.
      Woher das kommt, dass manche Reitlehrer es noch so lehren, kann ich dir gar nicht sagen. Soweit ich weiß steht davon auch nichts in den FN-Richtlinien, auf die sich ja so oft berufen wird. Ich glaube einfach manche Reitlehrer wissen sich nicht anders zu helfen, weil die Schulpferde ohne Dauertreiben nicht mehr vorwärts gehen und keine Zeit da ist das korrekturzureiten…
      In der Reiterwelt gibt es ja viele unterschiedliche Ansätze – ich denke man tut gut daran, sich ein paar Leute rauszusuchen, deren Art des Reitens und des Umgangs mit Pferden einem gefällt und diese dann als eine Art “Kompass” zu nutzen =)

      Liebe Grüße,
      Christina

  4. Ich finde drinen Beitrag sehr hilfreich da du so geschrieben hast das sogar ich das verstehe (und das heißt was 😇) ich. Versuche es gleich in die Tat umzusetzen

    Lg Hannah

    • Hallo liebe Hannah,

      vielen Dank für das Lob, das freut mich sehr =)

      Liebe Grüße,
      Christina

  5. Wow, endlich mal verstanden wie das treiben überhaupt funktioniert…
    Hatte immer nur Abteilungsreiten während meinen Reiterferien (permanente Reitstunden konnten wir uns nicht leisten) und ich hab es einfach nie verstanden weil nie wirklich was erklärt wurde… Und wenn das Pferd ordentlich angetrieben war und ich das Treiben gelassen hab, weil es ja eben so lief wie’s gefordert war – kam immer nur ein schroffes: Weiter treiben, nicht nachlassen… Das hat mich immer sowas von verwirrt.. Jetzt hats mir wenigstens endlich mal jemand erklärt! :D Dankeschön, das ich nach 10 Jahren eines der größten Mysterien für mich endlich klären konnte ohne das es für mich peinlich wurde :D

    • Hallo liebe Jana,

      es freut mich, dass ich dir weiterhelfen konnte ;-)
      Leider ist dieses “Dauertreiben” immer noch ziemlich weit verbreitet und führt eben irgendwann zu abgestumpften Pferden, die dann wirklich auf nichts anderes mehr reagieren. Mit schöner, feiner Reiterei hat das dann nicht mehr viel zu tun…

      Liebe Grüße,
      Christina

  6. Hallo Christina, bin zufällig auf Deine Seite gestoßen, ich muss sagen, sehr lehrreich und total gute, praxisnahe Tipps. Ich bin jetzt 40 Jahre alt, einige Jahre nicht am Pferd gesessen und fange jetzt wieder an ;-)) Da kann ich perfekt die Tipps gleich ausprobieren und umsetzen ;-)) Danke vielmals dafür und liebe Grüße aus Graz, Österreich :-)

    • Hallo liebe Matti,

      vielen Dank für deine netten Worte, das freut mich sehr =)
      Ich wünsche dir ganz viel Spaß beim Wiedereinstieg, wenn du Fragen hast melde dich!

      Liebe Grüße,
      Christina

  7. Hallo Christina,
    ich hab das so gelernt bekommen, dass das äußere Bein leicht hinter dem Sattelgurt liegt und begrenzend wirkt, das innere Bein treibt. Mit Wade und nicht ständig treiben ist klar…
    Ich bin verwirrt… ?!?

    Hoffe auf Antwort :))

    • Hallo Susanne,

      das ist schon richtig (außer beim Geradeausreiten), mit dem verwahrenden Bein gibst du ja aber auch nicht ständig Impulse, sondern nur, wenn es nötig ist. Ansonsten liegt es ja nur leicht an =)
      Ich hoffe das war das, was du wissen wolltest, ansonsten gerne weiterfragen ;-)

      Liebe Grüße,
      Christina

  8. hallo christina……..ich habe es so gelernt das beim Leichttraben wenn man einsitzt Wade angelegt wird und nicht beim aufstehen……was stimmt denn nun :-)

    • Hallo Mimi,

      da scheiden sich mal wieder die Geister zwischen FN-Reitweise und klassischer Reitweise ;-)
      Ich gehe mit den Klassikern und treibe beim Aufstehen um das Hinterbein zu aktivieren – das ist für mich aufgrund der Fußfolge logischer.

      Liebe Grüße,
      Christina

  9. Dieser Kommentar ist jetzt nicht nur auf diesen Artikel bezogen. Also erstmal danke für deine Tipps ich finde deine Seite Mega cool und hilfreich☺️????????. Du formulierst deine Artikel immer gut und verständlich. Du hast mir auch schon in manchen Situationen richtig gut geholfen :D.
    Weiter so????????

  10. Hallo, gute Beschreibung,bin gerade in der 10. ten Reitstunde und habe l3tzt3 Woche meine ersten Erfahrung im Antraben gesammelt. Seither war alles an der Longe und seit ich freihändig im Trab sicher bin darf ich auch ohne .Die Beschreibung hier hilft mir sehr da es mir endlich klar wird was ich konkret zu tun habe…am Donnerstag wird es gleich ausprobiert….bin übrigens nun 55 Jahre und absoluter Beginner.Das ich immer ein wenig sportlich war /bin hilft bestens…habe auch wenig/kaum Muskelkater oder andere Probleme nach dem Unterricht.Ich habe die Möglichkeit auf einem Deutschen Reitpferd ,ein ehemaliges Vollblut Springpferd, zu üben der nun 17 Jahre alt ist, aber immer noch nicht ohne Temperament.Habe eine sehr gute Reitlehrerin und es macht mir richtig Spass. Mein Ziel ist es Ostern ins Gelände reiten zu dürfen.Ich werde diese Seite nun öfters lesen…hilft mir weiter.

    • Hallo Armin,

      vielen Dank, es freut mich, dass ich weiterhelfen konnte =)
      Ich drücke die Daumen, dass es klappt mit dem Ausreiten zu Ostern!

      Liebe Grüße,
      Christina

  11. Liebe Christina, erstmal vielen Dank für Deine immer tollen Tips! Zum Treiben beim Leichttraben: wenn ich “auf dem falschen Fuß” leichttrabe (Horst Becker macht das bewusst und nennt es “englisch Traben”), muss ich im Umkehrschluss doch beim Einsitzen treiben, was meinst Du? Treiben beim Aufstehen bringt mich und damit auch mein Pferd immer leicht aus der Balance, hab es ausprobiert. Danke schonmal für Deine Einschätzung. Anja

    • Hallo Anja,

      der Zeitpunkt des Treibens wird ja nicht vom Aufstehen bestimmt (es ist nur so für die Meisten einfacher zu verstehen), sondern von der Fußfolge des Pferdes. Ich stehe auf, wenn das innere Hinterbein nach vorne schwingt – und dann treibe ich auch auf dieser Seite. Wenn du es anders machst und einsitzt, wenn das innere Hinterbein nach vorne schwingt, dann musst du entsprechend im Sitzen treiben =)
      Ich hoffe so ist es etwas klarer!

      Viele Grüße,
      Christina

  12. Mir gefällt die Erklärung, weil sie nicht von oben herab geschrieben ist, dennoch gewissermaßen belehrend ist, weil grundsätzlich…

    Treiben und/oder Hilfegebung vergleiche ich mit der Betätigung eines (Licht-)Schalters. Die Hilfe wurde angenommen = Hilfe zurücknehmen. Der Schalter ist betätigt = Licht ist an. Warum sollte ich jetzt noch weiter versuchen, das Licht anzuschalten???

    • Hallo Marco,

      vielen Dank, freut mich, dass es nicht “von oben herab” wirkt, das versuche ich immer zu vermeiden ;-)
      Dein Lichtschalterbeispiel ist toll -sehr logisch!

      Viele Grüße,
      Christina

  13. Wow, wieder was gelernt! Vor allem den Hinweis mit dem Anspannen der hinteren Oberschenkelmuskulatur ist total wichtig/hilfreich. Das werde ich sofort versuchen, wenn ich wieder drauf sitze :) Ich finde es auch sehr interessant, dass du ansprichst, was ich mir auch immer gedacht habe: Wie soll gleichzeitiges Treiben im Trab beim Pferd funktionieren, wenn ich mit den Hilfen die Hinterbeine einzeln ansprechen will? Und statt mit dem Einsetzen mit dem Aufstehen zu treiben, macht von der Fußfolge her total Sinn (daran entspann sich vor einiger Zeit mal eine Riesendiskussion bei uns im Stall. Eine Freundin war nämlich genau auf die gleiche Idee gekommen, sprach drüber und wurde für bekloppt erklärt. Mit der Argumentation, dass man ja schon immer beim Einsitzen treiben würde. Da kann man das natürlich nicht anders machen, ne?) :D
    Auch dein Tipp für den richtigen Zeitpunkt im Galopp hilft total :D

    Was ich nicht ganz verstehe, ist deine Erklärung zum Schritt. Ich hatte immer den Eindruck, dass wenn ich treibe, sich also die entsprechende Seite senkt, der Brustkorb nach außen rotiert und nicht nach innen kommt?

    VG!
    Nadja

    • Huhu Nadja,

      vielen Dank für das Lob, da freue ich mich sehr :-D

      Hach ja, das Argument “das haben wir schon immer so gemacht” – wie ich es liebe… Da braucht man auch gar nicht mehr zu diskutieren :’D

      Mit dem “nach innen” meine ich, dass er von dem Bein weg rotiert (in Richtung Pferdemittelpunkt), mit dem ich treibe. Also das bezieht sich nicht auf innere und äußere Hand, falls du das meinst (Puh, dieses innen/außen führt bei mir immer sehr schnell zu Knoten im Hirn…). Sagen wir du willst das linke Hinterbein weiter vor treiben: wenn sich das Pferd gerade mit diesem Bein abdrückt ist der Rücken links etwas höher, der Brustkorb rotiert nach links. Wenn das linke Hinterbein abfußt und anfängt nach vorne zu schwingen fängt der Brustkorb an nach rechts zu rotieren, dann treibst du – natürlich so früh wie möglich. Dann ist der Brustkorb noch mehr links, du hast recht! Ich denke nur immer Schwung nach innen, weil das der Anfang von diesem Schwung ist, das kommt mir jetzt erst beim Schreiben! Werde das gleich mal im Artikel etwas klarer schreiben, vielen Dank für die Korrektur!

      Liebe Grüße,
      Christina

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