Bild eines gezeichneten Pferdes mit Reiter mit Überschrift:

Eine einfühlsame Hand: sanfte Kommunikation mit dem Pferdemaul, mal folgend, mal führend – das ist das, wonach alle Reiter streben sollten und ein Aspekt, der den guten vom schlechten Reiter unterscheidet.

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Natürlich lässt sich die Hand nicht losgelöst vom restlichen Körper des Reiters betrachten. Gerade der Sitz beeinflusst die Hand stark: ist dieser nicht ausbalanciert, so kann auch die Hand nicht ideal einwirken. Es müssen also – wie immer beim Reiten – viele Faktoren zusammenspielen und wer seine Zügelführung und Zügelhilfen nachhaltig verbessern will, kommt um Unterricht und Sitzschulung nicht herum.

Weil mich aber so viele Leser nach einem Beitrag zur Zügelführung und den Zügelhilfen gefragt haben, versuche ich hier trotzdem einen Überblick, eine Einführung und Tipps zu geben. Wie immer gilt: am besten lernt man so etwas mit einem Reitlehrer oder einer Reitlehrerin, die individuelle Hilfestellung geben kann.

Noch eine letzte Anmerkung: ich komme aus der englischen Reiterei und beschreibe auch die Zügelführung und -hilfen dafür. Vom Westernreiten und seiner Zügelführung habe ich wenig Ahnung, deshalb gehe ich in diesem Beitrag nicht darauf ein. Außerdem geht es hierbei um die Zügelführung auf Trense. Die Führung mit Kandare sieht noch einmal etwas anders aus.

 

Die Haltung der Zügel

Die Grundhaltung der Zügel ist mit eines der ersten Dinge, die man als Reiter lernt:

  • Der Zügel verläuft zwischen kleinem und Ringfinger durch die Faust nach oben und zwischen Zeigefinger und Daumen hinaus. Der Daumen bildet dabei ein spitzes “Dach” auf dem Zügel und liegt locker auf.
  • Die Hände sind locker zu Fäusten geschlossen.
  • Die Hände stehen aufrecht und sind ganz leicht nach innen eingedreht, so dass sie mit den Unterarmen eine gerade Linie bilden. Dabei befinden sie sich etwa eine Handbreit auseinander.
  • Die Ellenbogen werden so weit gebeugt, dass die Unterame mit den Zügeln eine gerade Linie zum Pferdemaul bilden.
  • Die Oberarme hängen locker herab, die Ellenbogen sind am Körper und werden weder angepresst, noch weggestreckt.
  • Mir hilft das Bild: “Der Reiter trägt seine Hand vor sich her”

Und schon hier fangen bei vielen Reitern die ersten Probleme an: die Hände sind verdreht, die Handgelenke oder Ellebogen steif oder die Arme werden vom Körper weggestreckt. Die auftretenden Haltungsprobleme sind vielfältig und weit verbreitet (auch bei mir: ich schließe meine Fäuste nicht richtig).

Ich bin kein Freund von starren Haltungsvorgaben, jeder Mensch (und jedes Pferd) ist etwas anders gebaut und braucht vielleicht eine leicht andere Haltung um funktional zu sein. Aber gerade bei der Arm- und Handhaltung ist es wichtig, dass die Gelenke passend ausgerichtet sind. Hakt es irgendwo in dieser “Kette”, wird man steif und unnachgiebig und es ist keine weiche Verbindung zum Pferdemaul mehr möglich. Ein Anzeichen dafür ist zum Beispiel ein “springender Zügel”: der Zügel hängt kurzzeitig durch und gerät dann wieder ruckartig unter Spannung, er “springt”.

Die Hand soll das Pferd nicht in eine Haltung zwingen, sondern es begleiten und – wenn nötig – einrahmen und Führung bieten. Das ist beim Reiten eine sehr dynamische Sache, für mich persönlich ist es also in Ordnung, wenn die Hand sich situationsbezogen auch einmal aus ihrer “Lehrbuchform” löst. Sie sollte allerdings dann auch wieder dorthin zurückfinden. Ich merke bei mir selbst, dass ich mit einer korrekt getragenen Hand automatisch besser im Gleichgewicht sitze und koordiniertere Hilfen geben kann.

 

Tipps und Lösungsvorschläge bei Haltungsproblemen

Die Handhaltung: “hängende Hasenpfötchen”, “Einkaufswagen schiebe Hände” (verdeckte Hand), nach außen gedrehte Hände, u.ä.

An allen diesen Haltungsfehlern lässt sich mit dem gleichen Trick arbeiten: halte zusammen mit den Zügeln in jeder Hand eine Kaffeetasse mit ein bisschen Wasser drin (Liebe Männer: Bierkrüge gehen auch). Sobald Deine Hände nicht mehr gerade sind, schüttest Du Dir Wasser über die Hose. Das ist ziemlich ätzend, deshalb wirkt es auch so gut.

Klar, die Tassen in den Händen nerven und so wirklich angenehm reitet es sich damit nicht. Aber glaube mir: mach das ein paar Tage hintereinander und Du wirst schon einen Unterschied merken. Dann reicht es auch keine Tassen mehr dabei zu haben und einfach zwischendurch mal dran zu denken.

Wenn Dir die Tassenvariante nicht gefällt, kannst Du auch einfach mal versuchen zeitweise die Zügel anders zu halten – auch das kann helfen. Alternativen zur üblichen Zügelhaltung beschreibe ich am Ende des Artikels.

Durch- oder weggestreckte Ellenbogen

Steck dir einen Tennisball (oder einen der orangenen Franklinbälle) jeweils unter den Oberarm. Das verhindert automatisch, dass Du den Ellenbogen durchstreckst. Wenn Du es doch tust, fallen die Bälle herunter und machen Dich sofort darauf aufmerksam.

Ein toller Tipp von Sitzexpertin Sibylle Wiemer: steck die Bälle in eine Strumpfhose – jeweils einen Ball in einen Fuß – und hänge sie dir um. So fallen die Bälle nicht bis auf den Boden und Du musst nicht jedes Mal absteigen um sie wieder aufzunehmen.

Offene Fäuste

Auch dieser Haltungsfehler lässt sich mit einem einfachen Trick verbessern: steck Dir je einen etwa golfballgroßen Schwamm zu den Zügeln in die Hand. Öffnest Du die Faust zu weit, fällt der Schwamm herunter. Aufgrund seiner Flexibilität stört er Dich aber nicht bei der sonstigen Hilfengebung – er kann Dir sogar helfen (siehe Abschnitt Zügelhilfen).

 

Die Zügellänge

Hingegebener Zügel

Am hingegebenen Zügel besteht keine Verbindung zwischen Hand und Pferdemaul, die Zügel hängen durch. Ich reite vor allem beim Aufwärmen und zum Trockenreiten am hingegebenen Zügel, außerdem zur Entspannung nach einer schweren Lektion oder beim Ausreiten.

Langer Zügel

Beim langen Zügel besteht eine leichte Verbindung zwischen Reiterhand und Pferdemaul, der Zügel hängt nicht durch. Man nimmt den hingegebenen Zügel quasi so weit auf bis man das Maul spürt, aber nicht mehr. Auch den langen Zügel setze ich zum Aufwärmen ein und besonders in den Entspannungsphasen zwischen Lektionen.

Kurzer Zügel

Beim kurzen Zügel besteht weiterhin eine weiche Verbindung zwischen Pferdemaul und Hand. Der kurze Zügel ergibt sich dadurch, dass ich das Pferd vermehrt versammelt habe und es sich in Folge dessen aufrichtet und im Hals verkürzt. Ich passe also die Zügellänge im Laufe der Arbeit nach und nach dem Pferd an – und versuche nicht, das Pferd mit dem kurzen Zügel in eine Position zu ziehen!

 

Die Hand in den einzelnen Gangarten

Zügelführung im Schritt

Im Schritt bewegt sich der Pferdekopf besonders deutlich nickend. Dementsprechend deutlich muss auch die Hand in der Bewegung mitgehen. Mir hat da eine Aussage von Reitmeister Egon von Neindorff sehr weitergeholfen: “Die Hand steht still und sie bewegt sich doch: still zum Maul hin und bewegt für das Auge!”. Bewegt sich das Maul, muss sich also auch die Hand bewegen um zu ihm still zu stehen.

Das ist beim “einfachen” Geradeausreiten mit ein bisschen Übung kein Problem. Die Hand muss sich aber auch in allen Lektionen mit dem Kopf mitbewegen WÄHREND sie die Hilfen dazu gibt. Reitest Du also einen Zirkel (mehr zu den Hilfen im Abschnitt Biegungen), musst Du auch mit Deiner verwahrenden äußeren Hand weiter der Bewegung folgen. Verwahren heißt nicht fest werden!

Lesetipp: hier gibt es eine wunderbare Übung zur weichen Zügelführung – unbedingt machen!

Zügelführung im Trab

Im Trab bewegt sich der Pferdekopf weniger stark als im Schritt. Hier kommt jedoch für viele Reiter ein Sitzproblem hinzu: das Aussitzen funktioniert nicht (Tipps, wie Du das verbessern kannst gibt es hier) und auch das Leichttraben hat so seine Tücken. Dann noch eine weiche Verbindung zum Pferdemaul aufrecht zu erhalten ist schwierig. Hier hilft wirklich nur Sitzschulung – und zwar so lange, bis man sich über sein Gleichgewicht im Sattel keine Gedanken mehr machen muss.

Beim Aussitzen gilt die oben beschriebene Grundhaltung der Hände. Beim Leichttraben musst Du zusätzlich darauf achten, dass Deine Hände auf der gleichen Höhe bleiben, egal ob Du gerade aufstehst oder einsitzt. Du musst also Deine Ellenbogen im Rhythmus Deines Aufstehens beugen und strecken. Tust Du das nicht, “stehen” Deine Hände mit Dir auf und gehen nach oben, was die Verbindung zum Pferdemaul unruhig werden lässt.

Zügelführung im Galopp

Auch im Galopp gilt es zunächst sicherzustellen, dass Du ausbalanciert sitzt. Ist das der Fall, müssen die Hände wieder der nickenden Kopfbewegung des Pferdes folgen. Hier spielt auch die schaukelnde Bewegung des Pferdekörpers eine Rolle, der Deinen Körper mitbewegt. Wie beim Leichttraben musst Du Deine Arme im Rhythmus beugen und strecken.

Zügel aus der Hand kauen lassen

Das Zügel aus der Hand kauen lassen ist eine wichtige Übung zur Entspannung zwischen den Lektionen oder zum Abschluss der Einheit. Viele Reiter werfen einfach nur den Zügel weg, das ist aber nicht Sinn der Sache und verfehlt die gewünschte Wirkung. Beim Zügel aus der Hand kauen lassen geht es darum, dass das Pferd sich an das Gebiss herandehnt und die Reiterhand daraufhin leicht nachgibt. Das Pferd kann – wenn nötig über mehrere Runden – so nach und nach den Zügel aus der Reiterhand ziehen und sich immer weiter strecken. Tut das Pferd das nicht, kann es ein Zeichen für mangelnde Losgelassenheit und Fehler im Training sein.

Um die Zügel aus der Hand kauen zu lassen öffnest Du deine Faust leicht, so dass die Zügel durchrutschen können, wenn sich das Pferd an das Gebiss herandehnt.

 

Die Zügelhilfen

Grundlagen

Grundsätzlich werden die Zügelhilfen vorwiegend aus dem Handgelenk heraus gegeben. Das heißt, zum Annehmen wird die Hand leicht eingedreht, zum nachgeben wird sie wieder leicht ausgedreht. Deshalb ist es auch so wichtig, die Hand in der korrekten Position zu halten: tust Du das nicht, bist Du in Deinen Handgelenken nicht beweglich genug!

Mit der Bewegung aus dem Handgelenk sind sehr feine Impulse zum Pferdemaul möglich. Oft sieht man Reiter mit dem ganzen Arm nach vorne nachgeben – das kann in einzelnen Situationen, in denen man dem Pferd z.B. zu Lehrzwecken sehr deutlich nachgeben will, Sinn machen, ist aber für feine Reiterei zu grob. Bewegungen aus dem Ellenbogen oder dem ganzen Arm heraus sind zu grobmotorisch und sollten (bis auf Ausnahmefälle) vermieden werden.

Eine weitere Möglichkeit ist den Ringfinger zur Impulsgebung einzusetzen. Auch hier geht es nur um kleine, feine Bewegungen. Du kannst Dir vorstellen Du hättest einen Schwamm in der Hand: zum Aufnehmen drückst Du den Schwamm mit der Faust leicht zusammen, zum Nachgeben lässt Du ihn sich wieder ausbreiten.

Die ruhige Hand

Den Ausruf “Hand ruhig” kennt wohl jeder Reitschüler. Leider führt er meist genau zum Gegenteil: man verkrampft sich und die Hand wird noch unruhiger oder völlig fest. Stattdessen sollte man immer an die Aussage von Egon von Neindorff denken: “Die Hand steht still und sie bewegt sich doch: still zum Maul hin und bewegt für das Auge!”. Die Hand soll also still zum Pferdemaul sein, nicht still zum Reiterkörper. Da sich das Pferdemaul mit dem Kopfnicken des Pferdes rhythmisch bewegt, muss sich auch die Hand mitbewegen!

Man muss als Reiter lernen, die Hand mit den Bewegungen des Pferdekopfes mitgehen zu lassen um eine stetige, feine und leichte Verbindung aufrechterhalten zu können.

Hand ohne Beine – Beine ohne Hand

Der berühmte Spruch “Hand ohne Beine, Beine ohne Hand” kommt von Reitmeister François Baucher und sagt aus, dass man nicht gleichzeitig Zügel- und Schenkelhilfen geben sollte. Ich vergleiche das gerne mit einem Auto: gleichzeitig auf Gas und Bremse treten ist ziemlich schlecht. Im Zusammenspiel der Hilfen sollten Hand und Bein also immer getrennt sein – auch wenn es nur Sekundenbruchteile sind.

Die Handposition: Vorwärts – Rückwärts – Seitwärts – Oben – Unten

Wie bei der Beschreibung der Grundposition erwähnt, trägt der Reiter die Hände so vor sich, dass Unterame und Zügel eine gerade Linie zum Pferdemaul bilden. Zu Korrekturzwecken kann es Sinn machen, beide Hände oder eine Hand kurz anzuheben und auf den Maulwinkel des Pferdes einzuwirken (besonders Reitmeister Philippe Karl* setzt Korrekturen nach oben, sog. “demi arrêtes“, ein). Claus Penquitt* rät dazu, bei sich auf dem Zirkel im Genick verwerfenden Pferden die innere Hand gerade nach oben anzuheben. Das Anheben der Hand muss jedoch immer situationsbezogen und individuell passend geschehen. Eine dauerhaft zu hohe Hand sollte vermieden werden.

Bei manchen Reitern sieht man eine nach unten zum Oberschenkel hin durchgedrückte Hand. Damit versuchen sie den Kopf des Pferdes nach unten zu korrigieren. Diese Handhaltung führt nicht nur zu einer festen, unnachgiebigen Hand und Verspannungen beim Reiter, sondern in der Regel auch zu Verspannungen und Gegenhalten beim Pferd und sollte deshalb nicht eingesetzt werden.

Genauso sieht man leider noch häufig das “Riegeln”, bei dem der Reiter die Hände abwechselnd nach hinten zieht um so den Pferdekopf nach unten zu riegeln. Im extremen Fall entwickelt sich das dann zur Rollkur weiter. Liegt einem etwas an seinem Pferd, sollte man das niemals tun.

Ganz allgemein sollte man die Hand nicht nach hinten ziehen. Solch eine rückwärts wirkende Hand ist für das Pferd sehr unangenehm und führt bei Dauereinsatz schnell zu einem abgestumpften, harten Maul.

Im Gegensatz dazu gehen manche Reiter zum Nachgeben ruckartig mit der Hand nach vorne. Auch das ist nicht ideal, da das Pferd so plötzlich die Verbindung zur Hand völlig verliert und der Reiter in der Regel mit steifen, durchgestreckten Ellenbogen dasitzt. Das darauf folgende Wiederaufnehmen des Zügels kann oft nicht schnell genung passieren und ist entsprechend hart. Wer eine feine annehmende Zügelhilfe gegeben hat, kann auch genauso fein aus dem Handgelenk oder den Fingern wieder nachgeben. Ist ein deutlicheres Nachgeben erwünscht, kann man die Zügel aus der Hand kauen lassen. Die Hand bleibt jedoch wo sie ist und geht nicht nach vorne, nur die Zügel werden durchrutschen gelassen.

Eine seitwärts weisende Hand wird vor allem bei jungen Pferden eingesetzt, die noch mehr Führung brauchen und denen man damit die Richtung weist. In einer Biegung nach rechts würde sich die rechte Hand nach rechts bewegen und so dem Pferd in diese Richtung “das Tor öffnen”. Bei weiter ausgebildeten Pferden ist dies immer seltener nötig.

 

Anlehnung

Zum Thema Anlehnung habe ich hier schon einmal etwas geschrieben. Zusätzlich kann ich den Kultreiter-Artikel mit Expertentipps zum Thema sehr empfehlen!

Ich möchte hier nur noch einmal betonen, dass die Anlehnung nichts ist, das man mit Krafteinwirkung über die Hand erhält. Vielmehr ist sie das Ergebnis guter Gymnastizierung und einer weichen, zum rechten Zeitpunkt nachgebenden Hand. Zu diesem Thema allgemeingültige Tipps zu geben ist schwierig, muss man doch sekundengenau auf die Bewegungen des Pferdes reagieren. Ich kann jedem nur empfehlen regelmäßig Unterricht bei einem/einer kompetenten Reitlehrer/in zu nehmen.

Lesetipp: eine tolle Übung zur weichen Anlehnung gibt es bei Wege zum Pferd

 

Paraden

Auch zum Reiten von ganzen und halben Paraden gibt es bereits einen Beitrag auf Herzenspferd, in dem das Zusammenspiel der Gewichts-, Schenkel- und Zügelhilfen erklärt wird. Beim Reiten einer Parade setze ich zum Annehmen und Nachgeben der Zügel gerne die im Abschnitt “Grundlagen” erklärte “Schwammtechnik” ein: mit den Fäusten abwechselnd (passend zu den Bewegungen des Pferdes) den Schwamm leicht ausdrücken und wieder ausdehnen lassen.

 

Stellung und Biegung

Reitest Du mit Deinem Pferd nicht nur geradeaus, kommst Du nicht drumherum es zu stellen und zu biegen. Jede durchrittene Kurve verlangt Stellung und Biegung, reitest Du Schenkelweichen musst Du Dein Pferd stellen und Seitengänge wie Schulterherein, Travers und Renvers funktionieren nur in Stellung und Biegung. Es ist also Grundlage aller gymnastizierenden Übungen.

Um Dein Pferd zu stellen und in der Folge zu biegen, kannst Du so vorgehen (Beispiel Stellung und Biegung nach links, nur Zügelhilfen):

Stellung:

  • Die rechte Hand ist verwahrend, und hat eine stetige Verbindung zum Pferdemaul.
  • Die linke Hand stellt das Pferd, indem Du leicht im Rhythmus annimst und nachgibst (“Schwammtechnik”). Eine korrekte Stellung sieht so aus: Wenn Du gerade so den Rand des inneren (linken) Auges des Pferdes siehst, reicht das schon. Wichtig ist, dass Dein Pferd sich nicht verwirft – das erkennst Du z.B. daran, dass es seinen Kopf schräg hält (und vielleicht nur das Maul nach innen bewegt) oder seinen Hals nicht biegt.
  • Stellt sich das Pferd auch nur ansatzweise setzt Du die annehmende Hilfe aus und hälst nur noch eine ruhige Verbindung aufrecht. Bleibt das Pferd nicht in der Stellung, setzt Du die Hilfe wie oben wieder ein.

Biegung:

  • Stelle Dein Pferd wie oben beschrieben (ohne Stellung keine Biegung).
  • Dein Oberkörper dreht sich leicht nach links, so dass er zu den Schultern des Pferdes parallel bleibt – diese sollten sich nämlich auch leicht drehen, wenn das Pferd sich durch seinen Körper biegt.
  • Die verwahrende rechte Hand geht durch die Drehung des Oberkörpers leicht nach vorne, behält aber weiter die Verbindung zum Maul.

Lesetipp: Mehr über Stellung und Biegung und eine Anleitung mit allen nötigen Hilfen findest Du bei Indigopferd.

 

Zirkel – Volten – einfache Biegungen

Wie im Absatz “Stellung und Biegung” erklärt, brauchst Du diese schon um einfache gebogene Linien zu reiten. Beim Reiten eines Zirkels auf der linken Hand stellst und biegst Du Dein Pferd also nach links. Der äußere Zügel liegt verwahrend am Pferdehals. Er verhindert, dass das Pferd über die äußere Schulter nach außen driftet. Der innere Zügel gibt die Stellung des Pferdekopfes nach innen vor. Achte darauf, dass Du beide Hände auf gleicher Höhe hälst, ansonsten kann es passieren, dass sich Dein Pferd im Genick verwirft. Genauso solltest Du aufpassen, dass Deine Hände jeweils auf ihrer Seite des Widerrists bleiben – vielen Reitern passiert es schnell, dass sie zu enthusiastisch “lenken” wollen und dabei eine Hand über den Widerrist nach außen oder innen ziehen.

Wichtig: der innere Zügel ist nicht dazu da, das Pferd auf der Kreisbahn zu halten, er gibt nur die Stellung und Biegung vor. Das Pferd wird über Gewichts- und Schenkelhilfen und den äußeren Zügel auf der Kreisbahn gehalten. Ziehst Du es über den inneren Zügel auf den Zirkel, wird es auf die innere Schulter fallen und sich nicht korrekt biegen.

Mehr zu den Hilfen für das Reiten von Biegungen findest Du hier.

 

Alternativen

Wie bereits geschrieben bin ich kein Freund von starren Vorgaben und Formen, in die man gepresst werden soll – weder für das Pferd, noch für den Reiter. Ich finde nichts schlimmer, als beim Reiten in Untätigkeit und Starre zu verharren, nur damit man einem Bild gerecht wird und nichts falsch macht. Deshalb stelle ich hier noch zwei andere Arten der Zügelführung vor, die – passend eingesetzt – Reiter und Pferd weiterhelfen können.

Zügel von oben nach unten durch die Hand

Genau umgekehrt wie bei der “normalen” Zügelführung, verläuft der Zügel hier von oben zwischen Daumen und Zeigefinger durch die Faust nach unten zwischen Ringfinger und kleinem Finger aus der Hand heraus. Diese Zügelführung hilft vor allem dann wenn Du dazu neigst die Hände nicht aufrecht zu tragen.

Einhändige Zügelführung

Die einhändige Zügelführung kennt man vor allem aus der Westernreiterei. Doch auch beim klassischen englischen Reiten war sie ursprünglich Endziel der Ausbildung: ein einhändig auf Kandare gerittenes Pferd. Doch die einhändige Zügelführung kann auch schon vor dieser hohen Stufe der Ausbildung Sinn machen, zum Beispiel wenn man mit Handpferd reitet oder sich selbst darauf schulen will, weniger mit der Hand zu tun. Diese Art der Zügelführung zwingt einen dazu, sich seinem Sitz bewusster zu werden und ihn mehr einzusetzen. Sie kann also besonders Reitern weiterhelfen, die sich diverse “Unarten” bei der beidhändigen Zügelführung angewöhnt haben, wie Ziehen am inneren Zügel, unterschiedlich hohe Hände, einen Zügel mehr einsetzen als den anderen und Ähnliches.

Hier werden verschiedene Varianten der einhändigen Zügelführung erklärt.

 

Fazit

An der Länge des Artikels ist zu erkennen, was für ein komplexes Thema die Zügelführung und Zügelhilfen sind. Vor allem weil sie so dynamisch und individuell an Situation und Pferd angepasst werden müssen, können in einem allgemeinen Beitrag immer nur Grundlagen beschrieben werden. Für alles weitere kommt man um Unterricht vor Ort nicht herum – aber dafür sollte sich sowieso jeder Reiter regelmäßig Zeit nehmen!

 

Wie klappt es bei Dir mit der Zügelführung? Hast Du vielleicht noch tolle Tipps oder Tricks für das eine oder andere Problem? Einfach einen Kommentar schreiben!

 

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9 KOMMENTARE

  1. Hallo christina! Ich reite seit kurzem ohne sperriemen, weil ich gelesen habe, das das die pferde einengt und sie ihr maul nicht aufmachen können. Jetzt hab ich die westernreittrensen ohne diese ganzen verschnürungen entdeckt. Ist das für den pferdekopf und fürs wohlbefinden des pferdes besser, als eine herkömmliche englische trense? Wie ist die druckverteilung beim reiten? Können noch nicht so erfahrene reiter diese trense benutzen? Ich freue mich auf deine Antwort… lg yvonne

    • Hallo liebe Yvonne,

      schön, dass du den Sperrriemen weglässt – meistens sind die nämlich tatsächlich zu eng verschnallt und behindern das Pferd in seiner Kautätigkeit.
      Ich weiß nicht genau, was du unter Westernreittrense verstehst – auch in der Sparte sind viele verschiedene Gebisse und Zäumungen im Einsatz ;-) Schau mal, hier habe ich über verschiedene Gebisse und ihre Wirkung geschrieben, vielleicht hilft dir das weiter: https://herzenspferd.de/wirkung-gebisse/. Ansonsten müsstest du mir genauer beschreiben was für eine Zäumung/Gebiss du meinst.

      Liebe Grüße,
      Christina

  2. Hallo,
    der Text ist sehr verständlich geschrieben, super!
    Wie kann ich einem jungen Pferd die Zugelhilfen vom Boden aus beibringen? Insbesondere, wenn der Widerrist sehr hoch ist und man nicht gut darüber greifen kann.
    Vielen Dank schon mal!

    Liebe Grüße
    Lea

  3. ich find deine texte auch immer klasse! kurzer zusätzlicher tipp zum erkennen “verwerfen des genicks”: man erkennt es auch gut daran, dass die pferdeohren weiterhin horizontal auf einer ebene bleiben-sind die ohren nicht auf gleicher höhe, verwirft sich das pferd. lg

  4. Super Kommentar. Leider kann ich mir nicht so viel merken, wenn ich auf dem Pferd sitze. Es ist sehr wichtig unter professioneller Anleitung zu üben, was ich regelmäßig tue.

  5. Hallo. Ich finde deine Artikel immer klasse. Sehr verständlich geschrieben. Leite sie öfter meinen reitschülern weiter 😀

    • Hallo liebe Katja,

      vielen Dank für das nette Lob, das freut mich total! :-D

      Liebe Grüße,
      Christina

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