Anlehnung: so fühlt sie sich an, so wird sie erarbeitet.

„Mein Pferd läuft so schön in Anlehnung!“

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Wie oft habe ich diesen Satz schon gehört. Meistens gefolgt von „mit den Schlaufzügeln ist das jetzt auch nicht mehr so anstrengend“. Oder der Reiter sitzt schnaufend und mit rotem Kopf auf dem Pferd, weil das ganze Gewicht von Pferdekopf und –hals in den Zügeln hängt. Aber die reine Optik ist so, wie man das für richtig empfindet: der Hals ist gebogen und der Kopf an der Senkrechten.

Das Problem wie so oft: durch das Erzwingen einer bestimmten Kopf-/Hals-Haltung erhält man kein korrekt gerittenes Pferd!

Wie schon in meinem Artikel zur Versammlung erklärt, entsteht die Kopfhaltung durch ein locker durch den Rücken gehendes Pferd, das vermehrt mit der Hinterhand Gewicht aufnimmt und den Brustkorb hebt. Der Kopf ist der letzte Schritt in der „Kette“ und sollte nicht mit den Hand bzw. den Zügeln manipuliert werden.

Bevor es richtig losgeht möchte ich noch einmal betonen, dass meine Artikel immer meine ganz persönlichen Erfahrungen und auch meinen aktuellen Wissensstand wiederspiegeln – ich erhebe keinen Anspruch auf Allwissenheit und völlige Richtigkeit. Wir lernen alle nie aus, deshalb freue ich mich auf Deine Meinung und Erfahrungen in den Kommentaren!

 

Die Anlehnung: so fühlt sie sich an

Die korrekte Anlehnung geht immer vom Pferd aus. Der Reiter erreicht sie nicht, indem er den Kopf mit den Zügeln „herunterhebelt“, sondern indem er seinem Pferd erlaubt von sich aus den Kontakt zum Gebiss (oder zur gebisslosen Zäumung – ich bin der Meinung, dass man auch damit in Anlehnung reiten kann, je nach Zäumung) zu suchen.

Auch ein psychischer Aspekt gehört für mich dazu: das Pferd ist aufmerksam, konzentriert und hört dem Reiter zu. Genauso sollte auch der Reiter dem Pferd zuhören und seine kleinen Signale und Veränderungen erspüren. Die Anlehnung ist ein feines Kommunikationsmittel, das immer in beide Richtungen funktionieren sollte!

Ein Pferd in korrekter Anlehnung fühlt sich in der Hand an, als könne man mit dünnen Bindfäden anstatt Lederzügeln reiten. Als würde man die Fingerspitzen sanft auflegen und könne das ganze Pferd damit bewegen.

Eine kleine Übung zur Verdeutlichung: Such dir jemanden, mit dem Du üben kannst (Du kannst es auch alleine machen, aber dann ist die Übung nicht ganz so effektiv).

  • Lege die Fingerspitzen Deiner Hand in die Handfläche Deines Übungspartners. Die Verbindung soll ganz leicht sein, so minimal wie möglich.
  • Deine Aufgabe ist nun, die Hand Deines Partners zu bewegen: eine Drucksteigerung von Dir heißt für ihn, dass er die Hand nach unten bewegt, ein Nachlassen von Druck heißt, dass er mit seiner Hand Deinen Fingerspitzen folgt um eure Verbindung weiter aufrecht zu erhalten. Das Ziel ist, dass ihr die Verbindung zwischen euren Händen nie verliert.
  • Versuche das Ganze mit so wenig Druck wie möglich zu machen. Du wirst erstaunt sein, wie wenig ausreicht um zu kommunizieren!

Ähnlich ist es mit der Anlehnung Deines Pferdes ans Gebiss. Es soll den Kontakt so suchen, wie Dein Partner in der Übung den Kontakt zu Deinen Fingerspitzen gesucht hat.

Die Anlehnung ist also eine ganz feine, sanfte Verbindung. Dazu braucht man natürlich auch ein Pferd, welches fein auf Hilfen reagiert und im Maul nicht abgestumpft ist.

 

So bringst Du Dein Pferd in Anlehnung

Ich möchte noch einmal betonen: man kann die Anlehnung nicht über Kraft am Zügel erreichen! Dann ist es keine Anlehnung, sondern ein Tauziehen und schadet dem Pferd mehr, als wenn Du es gar nicht erst versuchen würdest.

Auch mit Hilfszügeln ist keine reelle Anlehnung zu erreichen. Sie sind feste Werkzeuge (ja, auch die mit Gummieinsatz) und können eine fühlende, nachgebende Hand nicht ersetzen.

Die sanfte oder oft so genannte „vertrauensvolle“ Anlehnung erreichst Du nur durch eine sanfte und nachgiebige Hand. Ich finde „vertrauensvolle Anlehnung“ eigentlich ein schöner Begriff – denn man vertraut nur dem, was einem keine Schmerzen zufügt. Eine grobe, harte Hand, die mit viel Kraft einwirkt, wird kaum eine korrekte Anlehnung erreichen. Im Gegenteil: das Pferd wird abstumpfen und die Hand zunehmend ignorieren.

Voraussetzung für eine sanfte Hand ist ein zügelunabhängiger Sitz. Wenn Du Dich beim Trab Aussitzen am Zügel festhalten musst, wirst Du es kaum schaffen die nötige feine Verbindung zum Pferdemaul zu halten. Regelmäßige Sitzstunden an der Longe und Gymnastikübungen am Boden ohne Pferd sind für jeden Reiter Pflicht.

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Ansonsten solltest Du die Länge Deiner Zügel Deinem Pferd anpassen. Die Haltung Deines Pferdes verändert sich je nach Gangart und Lektion, die Du reitest. Nimm die Zügel immer nur so weit auf, dass Du eine ganz leichte Verbindung zum Pferd spürst (denke an die Übung oben!) und versuche nicht, den Kopf in eine bestimmte Position zu ziehen. Gib Deinem Pferd die Chance den Kontakt zu Deiner Hand zu suchen. Reitest Du z.B. warm und Dein Pferd ist nicht oder wenig versammelt und es dehnt sich vorwärts-abwärts, dann sollten auch Deine Zügel lang genug sein um das zuzulassen. Versammelst Du Dein Pferd (von hinten nach vorne!), dann wird sich sein Hals aufrichten und verkürzen – dann solltest Du auch Deine Zügel kürzer nehmen um die Verbindung nicht zu verlieren.

Die Anlehnung hat also ganz viel mit Deiner Fähigkeit zu tun, sanfte Zügelhilfen zu geben. Dehsalb musst Du auch hauptsächlich an Dir selbst arbeiten.

Zusätzlich solltest Du – wie immer – an der Losgelassenheit, Geraderichtung und Versammlung Deines Pferdes arbeiten:

  • Übergänge und Tempounterschiede reiten
  • Seitengänge wie Schulterherein und Kruppeherein reiten
  • Die Übungen vom Boden aus an der Hand durchführen. Besonders wenn Dein Pferd noch Muskulatur aufbauen muss oder wenn Du niemanden hast der Deine Ausführung der Übung im Sattel kontrolliert ist das eine gute Alternative
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Was tun, wenn das Pferd schon (mehr oder weniger) stumpf im Maul ist?

Ist das der Fall, hat man einen langen Weg vor sich. Das Pferd hat sein Vertrauen in die Hand verloren und man muss ihm Schritt für Schritt dieses Vertrauen zurückgeben. Und genau hier haben viele Reiter Schwierigkeiten. Zu tief sitzen die erlernten Gewohnheiten, zu schnell zieht man doch wieder am Zügel, wenn etwas nicht (sofort) klappt.

Manchen Pferden (und Reitern) hilft es in solchen Fällen erst mal auf eine gebisslose Zäumung umzusteigen. Diese Art der Kommunikation ist neu und dementsprechend noch nicht negativ besetzt. So können beide lernen wieder auf die kleinen, feinen Signale des Anderen zu hören.

 

Eine Alternative zum permanenten Zügelkontakt

Es ist nicht zu leugnen, dass viele Reiter nicht in korrekter Anlehnung reiten (können). Es wird viel von der Anlehnung gesprochen, aber kaum jemand erklärt, was sie ist und wie man sie erreicht. Geschweige denn, dass den Reitschülern ein zügelunabhängiger Sitz beigebracht wird. Stattdessen sind diverse Hilfszügel in vielen Reitschulen weit verbreitet und Sitzschulung eine Seltenheit.

Ich sehe einen dauerhaften Zügelkontakt und somit dauerhaften Druck im Pferdemaul (eben weil es in der Realität kaum ein Reiter schafft nur wenige Gramm Druck auszuüben, meist sind es mehrere Kilogramm, die im Pferdemaul ankommen) durchaus kritisch.

Für die meisten Pferde ist das Nachlassen von Druck eine Belohnung und ein Zeichen dafür, dass sie etwas richtig gemacht haben. Bei dauerhaftem Druck entfällt diese Belohnung und Kommunikationsmöglichkeit. Genauso wenig, wie ich weiter treibe, wenn mein Pferd das gewünschte Tempo erreicht hat, möchte ich an den Zügeln ziehen, wenn mein Pferd langsamer wird oder einen Seitengang in korrekter Stellung läuft. Wozu weiter fragen, wenn das Pferd schon die richtige Antwort gegeben hat?

Ich persönlich setze die Zügelhilfen zur Zeit eher impulsartig ein. Wenn mein Pferd auch nur ansatzweise richtig reagiert gebe ich sofort nach. Möglicherweise muss ich dann gleich wieder die Zügel aufnehmen und korrigieren, aber ich bin immer „auf dem Sprung“ gleich wieder nachzugeben, wenn die richtige Reaktion kommt. Ich habe bisher die Erfahrung gemacht, dass Pferde mit dieser Methode – je nach ihrer persönlichen Veranlagung – schnell lernen, was man von ihnen will.

Impulsartig – und nicht dauerhaft – einzuwirken heißt nicht, das Pferd ohne jeglichen Kontakt alleine zu lassen. Es bedeutet nicht, das Pferd größtenteils sich selbst zu überlassen und auf der Vorhand „latschen“ zu lassen. Auch hier muss man weiter an Losgelassenheit, Geraderichtung und Versammlung arbeiten!

Diese Alternative ist für den Reiter nicht unbedingt einfacher. Man braucht ein sehr gutes Timing, einen Plan was man tut und ein gutes Gefühl für die Bewegung des Pferdes. Aber das braucht man für’s Reiten sowieso – wer hier Probleme hat (und die haben wir an der einen oder anderen Stelle alle!) sollte sich unbedingt nach einem guten Trainer oder einer guten Trainerin umschauen. Mit kompetenter Anleitung ist Vieles deutlich einfacher.

 

Die Anlehnung – Fazit

Ich hatte schon mehrmals das Glück, Pferde reiten zu dürfen, die sehr fein auf die Hilfen reagieren und mit denen ich problemlos in vertrauensvoller Anlehnung reiten konnte. Es war ein sehr schönes Gefühl, eine ganz intime Verbindung, als würde man dem Pferd leise ins Ohr flüstern oder als könne das Pferd Gedanken lesen.

Man unterschätzt, welch feine und minimale Verbindung beim Pferd noch klar und deutlich ankommt! Und wenn man das einmal realisiert hat, erschrickt man, wie stark und grob sich so manche Zügelhilfe für das Pferd anfühlen muss.

Das Thema Anlehnung ist übrigens oft ein Streitpunkt zwischen Western- und Englischreitern: manche Westernreiter finden die dauerhafte Anlehnung (im Sinne von dauerhaftem Zügelkontakt) unlogisch und manche Englischreiter werfen den Westernreitern vor, keine Ahnung von Dressur und Anlehnung zu haben.

Ich finde die dauerhafte Anlehnung (im Sinne von dauerhaftem Zügelkontakt) nicht schlecht – wenn man zu denen gehört, deren Hand tatsächlich fein genug ist. Dann hat man eine Verbindung, die der Gedankenübertragung gleicht.

Die vielen Reiter, bei denen das nicht so ist, sollten meiner Meinung nach aber doch lieber auf Hilfszügel und dicke Oberarme verzichten und über Impulse reiten – und in der Zwischenzeit daran arbeiten feiner und zügelunabhängiger zu werden und die Anlehnung korrekt von hinten nach vorne zu erarbeiten.

Du willst noch mehr zur Anlehnung lesen? Hier findest Du weitere Artikel zum Thema:
– Kultreiter.de: So reitest Du Dein Pferd in Anlehnung – samt Tipps von den Profis!
– Fühlen-Reiten: Gedanken zur Anlehnung
– Pfridolin Pferd: Angst vor der Anlehnung

 

Was hältst Du von der Anlehnung? Ohne dauerhaften Zügelkontakt keine korrekte Dressur oder lieber Impulsreitweise?

 

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17 KOMMENTARE

  1. Kann mir bitte jemand helfen? Auf den Bildern der klassischen Reitkunst ist der Hals ja immer so kurz und aufgerichtet. Ich finde, dass das so aufgerollt aufsieht. Aufgerollte Hälse sind ja schlecht, aber meint man mit aufgerollte Hälse wirklich das oder ist das nicht aufgerollt? Jemand hat mir mal gesagt, dass der Winkel beim Genick so gross wie möglich oder zumindest über 90 Grad sein müsse. Stimmt das? Ich finde das widerspricht sich total mit den Bildern der klassischen Reitkunst, weil dort ist der Hals ja kurz und nicht lang und der Winkel eher klein.

    • Ich definiere “aufgerollte” Hälse als solche, wenn sie eine unnatürliche, erzwungene Haltung einnehmen. Also wie bei der Rollkur oder wenn ach so gute Dressurreiter das Pferd durch die Kandare eng stellen. Also einfach mal Zügel kurz und aufrollen.
      Ich finde, das ist eine ansichtssache.
      Manche Dressurreiter aus den klassischen Turnieren sind solche, die ihre Pferde gerne aufrollen und schädigen. Sieh dir Totilas an. Der große hat so einen langen Hals, der beim einrollen viel dicker aussieht. Dann am Ende streckt er sich wie eine Giraffe, weil das so unangenehm war.
      Leider rollen viele Reiter ihr Pferd auf. Am liebsten wäre denen, ihre Pferde wären geformt wie Engerlinge.

    • Hallo liebe Silja,

      auf diesen Bildern sind die Pferde meist maximal versammelt, das heißt ihre Hinterhand ist starkt gebeugt und tritt weit unter und Bruskorb und Hals heben sich automatisch. So lange die Nase kurz vor der Senkrechten ist und das Genick der höchste Punkt, ist das aber in Ordnung. Man möchte mit der Versammlung ja, dass Gewicht von der Hinterhand übernommen wird. Solche Phasen werden in der klassischen Reiterei auch immer von Entspannungsphasen unterbrochen, in denen das Pferd sich dehnen kann.
      Bei Pferden, die in Rollkur geritten (bzw. aufgerollt) werden, ist die Nase deutlich hinter der Senkrechten und das Genick ist nicht mehr der höste Punkt – sie haben einen “falschen Knick” am zweiten oder dritten Halswirbel. Die Hinterhand tritt in der Regel nach hinten heraus und übernimmt kein Gewicht, der Rücken hängt durch. Googel mal nach Rollkur, das sieht ganz anders aus als auf den Klassik Bildern =)
      Das mit dem Winkel habe ich so noch nicht gehört…

      Liebe Grüße,
      Christina

  2. Ach, das kenne ich auch.
    Ich bin zwar nur Schulreiterin (auf Schulpferden, weil kein eigenes Pferd), aber genau deswegen bin ich schon total viele Pferde geritten.

    Zum Beispiel war da der Pferdetyp “Kopf runter, hängen lassen, am besten gar nicht erst bewegen”. Der Wallach Why Not hat sich so arg auf den Zügel gelegt und den Kopf nie selbst getragen. Da zieht es einem den Oberkörper ständig nach vorne, man ist im ungleichgewicht.

    Dann so Pferde wie “OMG! Ich muss die Zügeleinwirkung irgendwie vermeiden!”. Der Wallach Merlin ist so einer. Kopf rauf, wie ne Giraffe, Hohlkreuz und ein Zappelphillip. Ach, und Geduld hat er auch keine. Würde am liebsten nur noch galoppieren. Kein Wunder, dass er schon einen Schwanenhals hat.

    Dann waren da so Pferde, die recht gut ausgebildet sind und eine wahnsinnige Durchlässigkeit besitzen. Beispielsweise der Pacelli. Locker gefühltes M-Dressur Niveau. Ist fleißig vorwärts gegangen, hat sensibel auf Gewichts- und Schenkelhilfen reagiert. Ihn könnte man einzig und allein durchs Gewicht reiten. :O Er hat sich ohne zu zögern freiwillig in die Anlehnung gebracht, ich hab ihn dabei nur unterstützt.
    Wenn die Schulpferde mal nicht typisch motivationslos, triebig und stumpf sind, versuche ich sie immer bestmöglich zu reiten.
    Ich mach das so: wenn ich ein Pferd in eine “gummi artige” Anlehnung bekommen will, muss es erstens zumindest mäßig locker im Rücken sein. Dann fange ich an, es per Biegungen aufzuwärmen. Dann fängt es an, sich auch dauerhaft zu biegen. Diese Biegung verstärke ich in den Ecken durch den innen nach außen treibenden Schenkel, während ich den inneren Zügel sogesagt als “Hilfestellung” benutze. Wenn ich alles richtig gemacht habe, nimmt das Pferd den Kopf runter und es entsteht eine gummiartige, weiche Verbindung.
    Das klappt leider nur bei sehr wenigen Schulpferden, weil die alle so steif & stumpf sind.
    Mit Pacelli hab ich es geschafft.

    Dafür ist meine Schwäche, dass ich nicht weiß wie man ein Pferd durch’s Genick reitet.
    Ich hab mir eben angewöhnt, die Pferde allesamt über den Rücken und rund abwärts zu reiten. Der Grund ist folgender: ich bin kein Leichtgewicht. Daher können sie mich besser tragen, wenn sie den Rücken aufwölben. Außerdem tue ich mir leichter, die Hinterhand zu aktivieren, wenn ich sie rund reite.

    Ich bekomme oft Spott ab, weil ich es wage zu behaupten, dass ich für mein Reiternadelniveau mehr kann, als andere Reitschüler auf dem gleichen Niveau. Es gehört halt nicht nur dazu, auf dem Pferd zu hoppeln. Damit will ich keinesfalls arrogant wirken.
    Es ist bloß eine Tatsache, die ich in den Reitschulen bemerkt habe. Hab ich dort jemanden gefragt, wie er sein Pferd in die Anlehnung bekommt und die Hinterhand aktiviert, werde ich schief angeschaut und ebenfalls gefragt, was das denn heißen soll.
    Mein überdurchschnittliches Reiternadelniveau habe ich mir selbst angeeignet, in dem ich das FENA-Lehrbuch (jop, Österreich xD) aufgesaugt habe und viel Wissen auch im Internet bekommen habe.

    • Hallo liebe Jaqueline,

      diese Arten Pferde kennen wir glaube ich alle – zumindest die, die mal Schulpferde geritten sind ;-)
      Für mich geschieht “durch’s Genick reiten” auch immer nur durch Hinterhand aktivieren, Rücken locker machen und Hanken beugen (also versammeln) – das Genick ist eines der letzten Glieder in der Kette und passiert ganz von selbst, wenn man korrekt – und so oft zitiert – von hinten nach vorne reitet. Viele, die vom “durchs Genick reiten” sprechen, denken da eher ans Manipulieren (im schlimmsten Fall Runterriegeln) des Pferdekopfes. Aber gerade so soll es ja nicht sein.
      Beim (vorwärts-)abwärts Reiten ist es halt wichtig darauf zu achten, dass das Pferd nicht auf die Vorhand kommt sondern wirklich die Hinterhand mitnimmt… Aber mit Schulpferden ist das alles tatsächlich nicht immer einfach umzusetzen.

      Schön, dass du dich so engagiert weiterbildest! Nimm dir den Spott nicht zu Herzen, in der Reiterwelt sind Toleranz und freundlicher Umgang leider noch nicht überall angekommen…

      Liebe Grüße,
      Christina

  3. In Sachen gebisslose Zäumung kann ich allen nur das Dually Halfter von Monty Roberts ans Herz legen. Es arbeitet genau nach dem Prinzip ,,sofortiger Drucknachlass als Belohnung”.

    Mein Isländer ist zwar nicht hart im Maul, aber ein ziemliches Sensibelchen was das Gebiss angeht.
    Da ich nun schon länger nach der Methode Montys arbeite, war es eigentlich nur eine Frage der Zeit bis ich es in den Händen halten würde. Es ist super für alle die mit ihrem Pferd vorübergehend oder auch langfristig gesehen ohne Gebiss und eben mit diesem ,,Druckprinzip” zusammen arbeiten wollen. Innerhalb einer Woche habe ich (natürlich spreche ich nicht für jedes Pferd dieser Welt sprechen) schon einen Unterschied wahrgenommen:
    Mein Pony ist viel aufmerksamer und noch feinfühliger geworden.
    Übrigens ist das Halfter auch für diejenigen da, die mal an ihrer Balance,ihren Schenkelhilfen aber vor allen Dingen Gewichtshilfen arbeiten wollen. Einfach mal das Halfter schnappen, ohne Sattel aufs Pferd springen, ein bisschen Schritt, Trab, Galopp und ihr merkt wie sensibel so ein Pferd auf Gewichtshilfen reagiert und wie viele Fehler Reiter machen und das Gleichgewicht ihres Pferdes stören. Auf jeden Fall hilft es bei Fehlerfindung und Behebung von diesen, denn erst dann wird man sich ihrer bewusst. Das erklärt warum manche Pferde teilweise komplett von der Rolle sind.

    Ich bitte jeden inständig, wenn er über die Anschaffung des Dually Halfters nachdenkt sich erst einmal darüber zu informieren und mit der Monty Roberts Methode und Denkweise vertraut zu sein.

    Diese Halfter kann wahre Wunder wirken, wenn es in den richtigen Händen ist.

    LG Amelie :)

    • Hallo liebe Amelie,

      danke für den Erfahrungsbericht =)
      Mit dem Monty Roberts Halfter hatte ich noch nie zu tun, von daher kann ich die Wirkung nicht wirklich einschätzen. Ich bin kein großer MR-Fan, aber muss ja nicht heißen, dass das Halfter nicht gut ist ;-)

      Liebe Grüße,
      Christina

  4. Danke Christina -find super wie Du die Sachen beschreibst -und hilfreich. Mein lieber ist ein 5 J Gidran Hengst den der liebe Gott seit einem Jahr in meinem leben gebracht hat-ungeritten . Zur Zeit ist genau das der Punkt wo wir arbeiten-die Anlehnung-manchmal klappt es gut .-eigentlich immer ofter. Da es das erste Jungpferd ist das ich reite -sage ich -hilfreich u einfach erklart-

    • Freut mich, wenn ich weiterhelfen konnte :-D
      Nimmst du denn auch Unterricht? Würde ich auf jeden Fall empfehlen, es ist unheimlich hilfreich, wenn man noch ein zweites Paar Augen am Boden hat…

      Liebe Grüße,
      Christina

  5. Mit meiner RB habe ich schon ein paar Mal diese ECHTE Anlehnung gespürt.
    Es ist ein unglaubliches Gefühl, wenn man das Gefühl hat eine Verbindung zu haben so sanft als hätte man einen Spinnweben in der Hand, der jeden Moment reißen könnte und trotzdem so stark da spürt man, dass man eher mental kommuniziert, irgendwie unbeschreiblich eben :-)

  6. Die Anlehnung ist gerade ein großes Thema für uns. Mein großer ist 4 und noch nicht lange unterm Sattel. Er ist so empfindlich auf Maul und Schenkelhilfen, dass eine winzige Drehung reicht um etwas zu bewirken. Ich mache das ähnlich wie du, leichten Druck aufbauen, sobald eine Reaktion kommt sofort nachgeben. Und das geht im Sekundentakt, da er sein Gleichgewicht noch nicht gefunden hat. Er darf aber natürlich auch mit der Nase vor der Senkrechten laufen, wenn sein Tempo und Takt dann gleichmäßiger sind, weil er noch nicht ausbalanciert ist. Gerade im Schritt ist es sowieso sehr wichtig, das Pferd nicht von Anfang an mit den Zügeln zu bedrängen. Einen schönen Schritt erarbeiten ist sehr schwer, wenn die Veranlagung nicht da ist. Einen schönen raumgreifenden Schritt mit angeblicher Versammlung kaputt zu machen, ist einfach.

    • Hallo Kira,

      das klingt nacheinem tollen Pferd! Hoffentlich könnt ihr seine Sensibilität erhalten =)
      Ich sehe das ganz genauso wie du, ein Pferd in dem Alter muss (und kann) nicht in Versammlung gehen, sondern muss erst einmal sein Gleichgewicht unter dem Reiter finden.
      Ich wünsche dir weiter ganz viel Freude bei der Ausbildung!

      Liebe Grüße,
      Christina

  7. Ich bin kein “profi”. mit dieser Beschreibung kann auch jemand der das fachlatein nicht versteht etwas anfangen.
    Zur Korrektur von Pferden kann ich bestätigen das,gebisslos geritten, harte Pferde nach kurzer Zeit anfangen regelrecht nach Kontakt zu suchen.

    Sehr schön geschriebe.

    • Hallo Thomas,

      vielen Dank für das Lob, das freut mich! Genau das will ich mit meinen Artikeln auch erreichen: erklären ohne “Fachchinesisch”.
      Die Profis lesen hier sicher sowieso nicht mit ;-)

      Liebe Grüße,
      Christina

  8. Ich finde den Vergleich mit der Gedankenübertragung gut getroffen. Ich habe eine wunderbare Reitlehrer in gefunden, die nach der Methode Centered Riding nach Sally Swift unterrichtet. Ich habe zwar schon seit dreißig Jahren mit Pferden zu tun, aber erst seit diesem Unterricht lerne ich “richtig” reiten. Die Zügel sind wirklich das letzte Glied der Kette. Zuvor kommt der gute Sitz und die Arbeit des Reiters an sich selbst.
    Ich möchte mich hiermit bei Sabine Dier vom Rosenhof Bieswang und ihren wundervollen Pferden bedanken. Sucht euch unbedingt einen guten Lehrer!Euer Pferd wirds euch tausendmal danken.

    • Hallo Michaela,

      Sally Swift finde ich auch großartig! Schön, dass du eine gute Centered Riding-Lehrerin gefunden hast und danke für die Empfehlung.
      Leider gibt es immer noch viele Reiter, die lieber auf zusätzliche Hilfsmittel setzen anstatt an sich selbst zu arbeiten…

      Liebe Grüße,
      Christina

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