Vertrauen Pferd Beispiele

Die liebe Petra von der Pferdeflüsterei hat mich in ihrem neusten Artikel und Start einer neuen Serie über Liberty Work (Freiarbeit) dazu aufgefordert, doch mal über meinen Weg zum gegenseitigen Vertrauen mit Pferden zu schreiben.

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Das tue ich natürlich sehr gerne.

Und weil jedes Pferd anders ist und ich bei jedem auch immer ein bisschen anders vorgehe, dachte ich mir, ich erzähle Dir mal, wie es bei meinen letzten drei Reitbeteiligungen gelaufen ist. Denn unterschiedlicher konnten diese drei Ponys kaum sein.

Ich denke es versteht sich von selbst, dass es so viele Typen Pferde wie Sand am Meer gibt. Jede Unterteilung kann immer nur in eine grobe Richtung weisen und Du solltest Dein Pferd keinesfalls in eine Schublade stecken.

 

Herdenchefin Svala

Meine allererste Reitbeteiligung und das Pony einer guten Freundin.

Svala hatte alles im Griff. Ob Pferde, Menschen oder Hunde, die selbstbewusste Fuchsstute wusste wie man sich durchsetzt. Demenstsprechend unbegeistert war sie auch, als da plötzlich ein neuer Mensch kam der ihr sagen wollte wo’s lang geht.

Vertrauen? Pustekuchen!

In den ersten drei Monaten hatten wir beim Ausritt an jeder einzelnen Weggabelung eine Diskussion, wo wir langgehen. Ich wollte rechts – Svala wollte links.

Ich wollte vom Hof weg – Svala ging nicht mehr vorwärts. Ich trieb – Sie rannte rückwärts. Gerte? Steigen!

Ich erinnere mich noch gut daran, dass ich irgendwann deprimiert dachte “das Pony hasst mich” und kurz davor war aufzugeben.

Aber aufgeben liegt mir nicht im Blut und siehe da, nach etwas mehr als drei Monaten waren unsere Meinungsverschiedenheiten verschwunden. Svala hatte mich akzeptiert und fing an meinen Entscheidungen zu vertrauen. Ab da hatte ich das Glück das tollste Pony der Welt reiten zu dürfen. Sie war mutig, verlässlich, neugierig und temperamentvoll. Ich konnte mich voll auf sie verlassen.

Und so hatte nicht nur sie Vertrauen in mich gewonnen, sondern auch ich vertraute ihr.

Vertrauen aufbauen bei einem dominanten Pferd

Ich mag dominante Pferde unheimlich gerne, sie sind immer eine Herausforderung und meist sehr interessante Charaktere. Wenn man es schafft ihr Vertrauen zu gewinnen hat man einen großartigen Partner an seiner Seite.

Diese Pferde sind es gewöhnt, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen und in der Herde das Sagen zu haben. Wenn ein neuer Mensch in ihr Leben tritt muss der sich erst mal beweisen.

Ich finde Konsequenz im Umgang mit jedem Pferd wichtig – bei dominanten Pferden ist sie aber essentiell. Sie merken sich alles und lassen nichts durchgehen. Wenn sie sich durchsetzen können werden sie es tun.

Bei dominanten Pferden musst Du auf Folgendes achten:

  • Sei immer konsequent: verlange nur Sachen, die Du auch bereit bist durchzusetzen und die Du auch durchsetzen kannst. Lass Dich nie auf “Kämpfe” ein, von denen Du schon von Anfang an weißt, dass Du nicht gewinnen kannst.
  • Sei konsistent: wenn Dein Pferd heute etwas nicht darf, dann darfst Du es ihm auch morgen nicht erlauben.
  • Lass Dich nicht herumschubsen oder vom Pferd treiben (siehe meinen Artikel zum richtigen Führen). Oft passiert das ganz unbewusst: Dein Pferd macht einen Schritt zur Seite und Du machst ihm Platz. Oder Dein Pferd geht schneller und Du wirst automatisch auch schneller.
  • Sei immer fair und ärgere Dich nicht über Dein Pferd. Es macht das nicht, weil es Dir Böses will, sondern weil es testet, ob Du vertrauenswürdig bist.
  • Lass Dir und Deinem Pferd genug Zeit. Je mehr Zeitdruck Du Dir machst desto länger wird es dauern.

Ganz konkret habe ich mit Svala ein bisschen Bodenarbeit (im Roundpen) gemacht und immer darauf geachtet, dass sie sich mehr bewegen muss als ich (mehr dazu gibt es in meinem nächsten Artikel). Außerdem bin ich viel mit ihr ins Gelände.

Wenn sie an einer Kreuzung nicht da lang wollte, wo ich hin wollte sind wir einfach stehengeblieben. Das fand sie selbstverständlich doof, also lief sie los. Natürlich in die Richtung, die sie sich ausgesucht hatte. Ich habe dann nichts weiter getan als sie umzudrehen. Und schon blieb sie wieder stehen.

Ich habe nicht getrieben, ich habe nicht geschnalzt und ich habe erst recht nicht die Gerte benutzt. Ich habe ihr die Entscheidung überlassen: wir bleiben stehen, du läufst in die falsche Richtung und ich drehe dich um oder du läufst in die richtige Richtung und ich lobe dich und lasse dich in Ruhe.

Mir war es egal wie sie sich entscheidet. Ich war genau so ruhig wenn sie in die falsche Richtung lief wie wenn sie stehen blieb. Nur wenn sie richtig entschieden hatte habe ich ihr meine Freude gezeigt und sie ausgiebig gelobt.

Am Anfang hat das durchaus mal eine halbe Stunde gedauert. Unsere Ausritte bestanden aus 10 Minuten reiten bis zur Kreuzung, dort dann 30 Minuten rumstehen oder im Kreis drehen. Und wieder 10 Minuten zurückreiten zum Hof. Für so etwas muss man sich natürlich genug Zeit nehmen, wenn ich Zeitdruck hatte habe ich mich gar nicht erst auf’s Pony gesetzt. Wenn Du so etwas anfängst musst Du es auch in Ruhe durchziehen – wie gesagt: immer konsequent sein!

Ganz ähnlich bin ich auch vorgegangen, wenn sie nicht mehr vorwärts laufen wollte. Einfach so lange stehen bleiben – oder wieder umdrehen, wenn sie sich gedreht hatte – bis sie die Entscheidung traf doch lieber vorwärts zu gehen.

Dieses Vorgehen hat bei uns Wunder gewirkt!

Nur die verwunderten Blicke und “lustigen” Kommentare von Spaziergängern und anderen Reitern musst Du aushalten ;-)

 

Zurückhaltender Draumur

Draumur kommt ursprünglich aus Island.

Wie das so viele der importierten Isis an sich haben war er anfänglich mir gegenüber sehr reserviert. Er ließ sich brav von der Koppel holen, hat mich aber permanent misstrauisch beäugt und reagierte schreckhaft auf schnelle Bewegungen.

Im Gegensatz zu Svala hat er überhaupt keine wilden Sachen gemacht um mich zu testen – oder sie waren so minimal, dass ich es nicht gemerkt, bzw. nicht als schlimm empfunden habe. Trotzdem habe ich gespürt, dass er sich nicht fallen ließ und immer ein bisschen angespannt war wenn er mit mir losgezogen ist.

Gerade bei etwas zurückhaltenden, aber ansonsten sehr braven Pferden bemühen sich viele Leute nicht um das Vertrauen und es fällt irgendwie unter den Tisch. Ich finde das sehr schade, denn auch diese Pferde sollen sich bei ihren Menschen wohl und sicher fühlen und können richtig aus sich heraus gehen wenn das so ist.

Vertrauen aufbauen bei einem zurückhaltenden Pferd

Ich habe mit Draumur viel Zeit auf der Koppel verbracht. Einfach mal zusammen rumstehen. Oder ich hab mich zu ihm hingesetzt und ein Buch gelesen. Oder ich habe ihn gekrault. Hauptsache gemeinsame Zeit ohne Erwartungen und ohne Agenda. Alles easy.

Das hat ihn einerseits neugierig gemacht, andererseits wurde meine Anwesenheit zur Normalität und er hat sich immer mehr an mich gewöhnt.

Mit ihm hätte ich zum Beispiel niemals so im Roundpen trainiert wie mit Svala – ich bin mir sicher er hätte dort nur Stress gehabt und ich hätte unser aufkeimendes Vertrauen zerstört.

Es hat gar nicht lange gedauert, da hat er sich auf der Koppel neben mir zum Dösen hingelegt.

Bei zurückhaltenden Pferden musst Du auf Folgendes achten:

  • Denke nicht, dass Dein Pferd Dir vertraut, nur weil es zurückhaltend ist und keine Probleme macht. In einer Ausnahmesituation kann man dann unter Umständen sehr unangenehm überrascht werden.
  • Sei einfühlsam, freundlich und ruhig.
  • Lass “Dominanztraining” weg oder führe es nur sehr vorsichtig aus – die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Du Dein Pferd damit eher einschüchterst und es sich von Dir zurückzieht.
  • Verbringe mit Deinem Pferd viel gemeinsame Zeit ohne etwas von ihm zu verlangen. Putze es ausgiebig, kraule es, setz Dich zu ihm auf die Koppel, gehe Spazieren, …

Viele zurückhaltende Pferd blühen richtig auf wenn man mit ihnen clickert und zum Beispiel Zirkuslektionen übt. Bei Draumur hat das leider nicht geklappt, er hatte immer totalen Stress, wenn Leckerchen ins Spiel kamen. Aber ich weiß von vielen anderen Pferden die dann richtig aus sich herauskommen.

 

Rangniedrige Elja

Elli ist meine aktuelle Reitbeteiligung und das erste eher rangniedrige Pferd welches ich reite. Sie ist also ein bisschen Neuland für mich.

Rangniedrige Pferde neigen dazu unsicher zu werden, wenn sie dem Menschen an ihrer Seite nicht vertrauen. Das kann sich zum Beispiel in scheuen, durchgehen oder kleben äußern. Sie brauchen jemanden, auf den sie sich verlassen können. Wenn sie das Gefühl haben, sie müssen selbst auf sich aufpassen haben sie in der Regel Stress und Angst.

Aufgrund einer Knieverletzung war ich eine Weile nicht bei Elli. Das merke ich jetzt. Sie weiß natürlich noch wer ich bin, aber sie ist sich nicht mehr so sicher ob ich auch gut genug auf sie aufpassen kann.

Um das Vertrauen wieder aufzubauen fange ich erst mal wieder ganz klein an. Ich besuche sie auf der Koppel, setze mich hin und warte, dass sie zu mir kommt. Wenn sie das tut wird sie gekrault und bekommt ein Leckerchen. Natürlich nur, wenn sie nicht bettelt oder mich bedrängt.

Im Moment verbringe ich fast jeden Tag meine Mittagspause auf der Koppel, einfach nur im Gras sitzen und was essen. Dem Pony hallo sagen, eventuell kurz mit ihr spazieren gehen oder ein bisschen Bodenarbeit machen und wieder gehen.

Bei Elli ist besonders das richtige Führen wichtig. Wenn ich hier nicht aufpasse rempelt sie mich gerne mal an. Bei der Bodenarbeit achte ich darauf, dass sie grundsätzlich mehr läuft als ich, ich sie aber so oft wie möglich zu mir hole um sie bei mir ruhen zu lassen. Wenn sie dann wieder unkonzentriert wird und mir anzeigt, dass sie das Bedürfnis hat ihre Füße zu bewegen, dann darf sie wieder laufen.

Bei rangniedrigen Pferden musst Du auf Folgendes achten:

  • Das Ziel ist es, Deinem Pferd zu zeigen, dass Du auf es aufpassen kannst und es bei Dir sicher ist. Dazu musst Du wie immer Konsequent und konsistent sein.
  • Wenn Du im Roundpen trainierst achte darauf, dass Du Deinem Pferd einen Platz der Ruhe bei Dir anbietest. Wenn es dort nicht stehen mag dann ist das ok. Lass es wieder laufen. Aber übertreibe es mit dem Bewegen nicht, in der Regel gehen diese Pferde genug vorwärts und Du willst, dass sie etwas ruhiger sind. Du solltest Deinem Pferd also so häufig wie möglich anbieten bei Dir zu ruhen.
  • Lass Dich nicht anrempeln oder bedrängen. Wenn Du Dich von Deinem Pferd herumschubsen lässt bedeutet das für es, dass es ranghöher ist als Du. Es muss also selbst auf sich aufpassen, wenn es mit Dir alleine ist und kann nicht auf Dich vertrauen.
  • Mach Schrecktraining mit Deinem Pferd, damit es sich wegen der vielen gruseligen Dinge in der Welt keine Sorgen mehr machen muss.

 

Ganz Allgemein: Denke nicht zu viel drüber nach!

Wenn mein Vorgehen bei allen drei Pferden eins gemeinsam hatte dann das: ich habe nicht zwanghaft versucht das Vertrauen zu gewinnen. Tatsächlich habe ich gar nicht viel darüber nachgedacht.

Wir Mädels neigen ja dazu alles totzudenken und überzuanalysieren. Wenn Du immer freundlich, fair und konsequent mit Deinem Pferd umgehst kommt das Vertrauen irgendwann ganz von selbst. Erzwingen kann man es sowieso nicht und wenn man es zu sehr will, baut man bei sich selbst und seinem Pferd nur Druck auf.

 

Fazit

Wie Du siehst gehe ich je nach Pferdepersönlichkeit sehr unterschiedlich vor um Vertrauen aufzubauen. Jedes Pferd ist anders und man muss immer einen individuellen Ansatz finden. Es gibt hier kein Zauberrezept nach dem es immer klappt.

Wenn Du Dich mit dem Pferdeverhalten beschäftigst, Dir Zeit lässt und – um es mit den Worten einer netten Leserin zu sagen – auf Kopf, Herz und Bauch hörst, dann wirst Du einen passenden Weg für Dich und Dein Pferd finden.

In dem Sinne: viel Spaß, Freundschaft und Vertrauen mit Deinem Pferd!

 

Wie hast Du das Vertrauen Deines Pferdes gewonnen? Erzähl mit Deine Geschichte, ich freue mich drauf!

 

Meine Nominierung für den nächsten Artikel geht an Daniela von Fair Riding Corp, sie hat gerade ein neues Pferd und steckt mitten in der Vertrauensarbeit – sehr spannend!

Artikel zum gleichen Thema von anderen Bloggern:

 

*Auch hier möchte ich wieder darauf hinweisen, dass ich kein professioneller Trainer bin und jeder meine Empfehlungen auf eigene Gefahr durchführt. Ich empfehle immer einen erfahrenen Trainer vor Ort hinzuzuziehen! *

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17 KOMMENTARE

  1. Liebe Christina
    Ich lese deine Berichte immer sehr gerne.
    Diese hier ist schon etwas älter, aber ich habe auch so ein dominanten Wallach zu Hause und ich bin manchmal echt am verzweifeln. Manchmal ist er so was von lieben und dann wieder so was von frech.
    Ich würde so gerne mit ihm spazieren gehen, da er grosse Angst vor Traktoren und Autos hat, könnten wir dies besser üben. Leider kann ich den Kleinen nicht lange halten. Er reisst sich immer los. Ich habe schon so viel versucht. Im Moment sind wir an der Freiarbeit und geht schon etwas besser. Mein Problem ist dann halt auch, dass ich Angst habe, dass er sich gleich wieder losreisst. Ein Teufelskreis. Er ist jetzt 4.5 Jahre alt und beim Reiten ein Schatz, ausser ein Traktor kommt, dann wird’s echt ungemütlich.
    Ich frage mich auf oft, was das mit dem berühmten Spiegel auf sich hat, dass er immer die Flucht ergreift?

    Vielleicht hast du mir ja noch ein Tipp?:-)

    Grüsse
    Nadja

    • Hallo liebe Nadja,

      ohne dich und deinen Wallach zu kennen und die konkrete Situation zu sehen ist es ganz schwer passende Tipps zu geben. Er scheint ja schon gelernt zu haben, dass er sich losreißen kann und stärker ist als du, was nie gut ist. In solchen Fällen rate ich eigentlich immer einen Trainer vor Ort hinzuzuziehen, die “Ferndiagnose” übers Internet ist meist keine große Hilfe.
      Meine Idee wäre, mit ihm Targettraining zu machen (mit dem Clicker, wie das geht, kannst du hier nachlesen: http://ponyliebe.com/2015/10/18/clickergrundlagen-das-target/). Der Gedanke wäre dann, dass er im Gelände dem Target folgt und dafür belohnt wird. Vielleicht hält ihn das eher bei dir. An Traktoren kann man übrigens auch ganz super per Clickertraining gewöhnen, dazu findest du auch noch mehr Infos bei http://www.ponyliebe.de =)

      Liebe Grüße,
      Christina

  2. Hallo, vielen Dank für den tollen Artikel, der mir gerade Mut gemacht hat. Ich habe seit kurzem auch eine – wie ich nach deinem Artikel jetzt weiß – dominante Ponymann-Variante. Er fängt an mich zu testen wie du es beschrieben hast. Nicht mehr weitergehen, rückwärts, ansteigen… Macht einem schon Angst, vor allem wenn man glaubte, ein Verlasspferd gekauft zu haben. Einmal habe ich jetzt schon deine Vorgehensweise ausprobieren können, das hat auch geklappt! Schwierig finde ich, die eigene Angst zu unterdrücken, wenn zum Beispiel Abhänge oder Stacheldraht in der Nähe sind… :-/ Ich fürchte, dass sind die Situationen, wo man dann leider doch mal runter muss… Und was auch noch hinzukommt bei uns, so blöd wie er mich testet, es gibt Dinge (z.B. Kühe) da hat er dann auch noch Angst, weil er sie wohl nicht kennt. Auch da wird er dann heftig, und auch da fällt es selbst schwer, ruhig zu bleiben. Naja, ich hoffe, wir bekommen das noch hin, kennen uns ja auch erst zwei Monate… Ich freu mich jedenfalls auf weitere tolle hilfreiche Beiträge von dir!

    • Hallo Daniela,

      danke dir für dein Lob, es freut mich, wenn ich weiterhelfen konnte =)
      In Gefahrensituationen solltest du selbstverständlich immer absteigen! Ich finde es ist keine Schande ein Stück weit zu führen und es dann von Neuem zu versuchen.
      Auch bei den Kühen würde ich erst mal absteigen, damit dein Pony mit dir an seiner Seite etwas mehr Sicherheit hat. Man muss immer unterscheiden ob das Verhalten nun “Testen” oder wirklich Angst ist. Ich finde es wird oft viel zu schnell gesagt “der testet nur” oder “der verarscht dich” und dabei hat das Pferd tatsächlich einfach nur Angst.
      Wenn du an den Kühen vorbei führst, sieh zu, dass du immer zwischen deinem Pony und den Kühen bist. Wenn er dann mal von ihnen weg springt dann steht du nicht im Weg ;-)
      Und ansonsten einfach jeden noch so kleinen Schritt zu den Kühen hin mit voller Begeisterung loben!

      Ihr schafft das schon! Zwei Monate ist wirklich keine lange Zeit =)

      Liebe Grüße,
      Christina

  3. Hallo Christina :)

    Ich lese deine Artikel immer wieder gerne!

    Ich habe zwei Pferdchen, aber ich kann keines der beiden als einen der Typen, die du beschrieben hast, einstufen.
    Mein erstes Pferdchen – eine Ponymix-Stute – habe ich bekommen, als ich eigentlich Reitstunden wollte. Auf ihr habe ich reiten gelernt und sie hat auf unseren ersten Ausritten ohne Begleitung auf mich aufgepasst. Dafür war sie das perfekt Lehrpferd. Sie hat aber jetzt Arthrose und genießt ihren Ruhestand bei mir. Ein paar mal habe ich nochmal versucht, eine kleine Schrittrunde auf ihr zu reiten, aber da zickt und spinnt sie herum, als würde ich ihr im Rücken stechen. Wenn aber ein Kind oder ein Anfänger oben sitzt, ist sie noch immer das bravste Pony, das ich kenne. Ich bin daher zu dem Schluss gekommen, dass ich reiterlich einfach zu weit fortgeschritten bin und sie mir die reiterlichen Dinge, die ich von ihr verlange (bewusst und auch unbewusst) nicht mehr geben kann. Aber das ist für mich okay, solange sie unter meiner kleinen Schwester noch immer ein Engel ist <3 :)

    Mein zweites, ein Hafi-Mädi, kam zu mir, als die Arthrose beim Pony einsetzte. Der Hafi, ist eher ähnlich einem zurückhaltenden Pferd – mehr oder weniger. Am Anfang mochte ich sie überhaupt nicht, und vor den Ausritten mit ihr habe ich mich schon fast gefürchtet, weil sie im Galopp einfach haltlos davon geprescht ist.
    Aber all diese Probleme hat einfach nur Zeit miteinander verbringen gelöst. Jetzt gehen wir durch dick und dünn. Sie kennt mich und ich kenne sie. ;)

    Ich freue mich auf einen neuen Artikel von dir! :D

    • Hallo Elisa,

      vielen Dank für dein Lob, das freut mich sehr =)

      Ja klar, es gibt ja nicht nur drei Arten von Pferden, das war schon sehr vereinfacht – jedes Pferd ist immer eine ganz eigene Persönlichkeit ;-)
      Ich kenne das auch, dass Pferde bei Anfängern unendlich nett sind und dann bei einem selbst den Kasper machen – Svala, von der ich schon geschrieben habe, war so eine Kandidatin. Auf sie konnte ich sogar meine Mama setzen, die Angst vor Pferden hat, und sie hat jeden Huf gesetzt wie auf rohen Eiern <3
      Schön, dass du dein Lehrpony in die wohlverdiente Rente geschickt hast, es gibt eben für alles seine Zeit!

      Ich finde auch, dass gemeinsam Zeit verbringen und Herausforderungen zu meistern am Besten ist um gegenseitiges Vertrauen aufzubauen.

      Ich wünsche dir noch ganz viel Spaß mit deinen Pferdchen!

  4. Hi!
    Danke für den Beitrag. In deiner Geschichte von Svala konnte ich gerade das mit dem Rückwärtsgehen wieder erkennen. Herr Ponymann mag nämlich auch oft nicht vom Stall weg, lustigerweise auch, wenn andere Pferdedabei sind und vorausgehen. Normal verliere ich schnell die Geduld und steige ab, führe ihn weiter und steige wieder auf. Doch gerade gestern habe ich deinen blog glesen und hab mir das zu herzen genommen. Ich ging mit einer freundin vom stall weg, bei der wiese wollte ponymann nicht weiter. Auch wenn tief in meinem inneren schon der groll kam, unterdrückte ich das gefühl und schaute in der gegend umher, wenn ponymann rückwärts ging, einmal um die eigene achse und da standen wir wieder. Und es dauerte nicht lange und wir gingen.. Weiter 10m! Juhu! :)) die zweite session ging wesentlich flotter, denn meine freundin war schon weitergegangen und dann wollte er doch hinterher. Ponymann is ja doch noch jung und will nicht alleine sein. Ich hab gejubelt, super war das :-)
    Danke dir und danke svala! :-)

    • Hallo Kathi,

      klasse, das freut mich total, dass mein “Trick” weitergeholfen hat :-D
      Es ist immer besser, wenn die Pferde denken es war ihre eigene Idee, anstatt, dass sie “gezwungen” oder überredet werden. Wobei ich absteigen und führen in manchen Situationen auch nicht schlecht finde, das muss man immer selbst einschätzen…

      Liebe Grüße und ganz viel Spaß mit dem Ponymann!

    • Ja sicher, in manchen Situationen ist absteigen für mich die einzige Lösung. Aber so steil ist der weg vom stall weg nicht, da mag ich eigentlich mal am Pferd sitzen bleiben :) und letztens haben wirs geschafft, dank deinem input!
      Lg

  5. Das stimmt, die Welt kann an der Bande tratschen so viel sie will – Hauptsache das Pferd ist zufrieden :-) und geht nicht nach der Arbeit auf die Koppel und tratscht mit seinen Pferdefreunden ;-) Nichts anderes zählt.

    Ich kann verstehen, dass Svala Dir fehlt, es gibt immer wieder Persönlichkeiten in unserem Leben, die unseren Weg kreuzen. Manch einer hält mir für bescheuert, aber meine Katze war auch so eine Persönlichkeit für mich. Manchmal ist da sofort eine Bindung, ein Gefühl und das wird immer bleiben, egal ob Mensch oder Tier. Ich werde jedes mal wieder traurig, aber am Ende bin ich trotzdem dankbar, weil ich die gemeinsame Zeit hatte. Also fühl Dich einmal gedrückt! Und jetzt höre ich auch auf trauriges zu tippen. und schicke liebe Grüße

    • Hach ja, da merkt man einfach, dass sich die Pferde- und Tier-Menschen verstehen <3
      Also meistens ;-)

      Vielen Dank für den Drücker <3

  6. Vielen Dank für diesen (wieder einmal) sehr bereichernden Artikel!

    Ich musste ziemlich schmunzeln – und mir fiel ein Stein vom Herzen!

    Habe auch das Glück RB für ein charakterstarkes Pferd (sprich Typ 1) sein zu dürfen. Seit mittlerweile drei Jahren haben wir uns und obwohl ich einerseits sehr schnell tolle Fortschritte mit ihm machen durfte, ist das Thema rund ums Vertrauen immer noch so eine Sache.

    Eigentlich dachte ich mir ein bisschen besser helfen zu können, ich mache Tierkommunikation und hab ja somit den “direkten Draht”. Aber da hab ich meine Rechnung ohne meinem Herrn Professor gemacht!

    Mittlerweile schaffen wir es grössere Ausreitrunden zu gehen, aber seeeeehr lang Zeit hab auch ich viele Minuten an den diversen Kreuzungen und mit eeendlosen Diskussionen verbracht. Der erste Überraschungseffekt gelang mir nach langer Zeit indem ich einfach abgestiegen bin und ihn dann hinter mir her “geschliffen” habe. Ich bin einfach die Runde vor ihm hergelaufen und hab ihn überzeugt, dass er es überleben wird sich mit mir zu bewegen. Da ich ohne Sattel unterwegs war kam aufsteigen ohnehin nicht wieder in Frage und meinem Frust tat es sehr gut “auslaufen” zu dürfen; auch der Sir hat festgestellt Widerstand bringt ihm nicht viel.
    Und seither versuch ich in aller Ruhe und mit Engelszungen ihn zu bewegen dort weiter zu gehen wo ich möchte – wir schliessen dann auch Deals ab: wenn er da und dort brav abbiegt gehts zurück in den Stall zum Futter; wenn nicht wird die Runde verlängert – und ich muss sagen, es ist schon deutlich besser. Zwar ist er noch ein wenig unentspannt, aber immerhin bewegen wir uns!

    Er hat erreicht das ich endlich lerne mich durchzusetzen und ich wiederum bedanke mich mit vielen Freiheiten die ich ihm lasse. Ausserdem bin ich (auch in den schlechten Zeiten) immer wieder dankbar so einen Lehrmeister an der Hand zu haben!

    Es ist immer wieder spannend was wir von und mit Pferden lernen dürfen <3

    • Hallo Ela,

      jaja, die dominanten Pferde können einem ganz schön das Leben schwer machen wenn sie wollen ;-)
      Du kriegst das schon hin! Einfach Schritt für Schritt dranbleiben – und den Spaß nicht vergessen!

      Liebe Grüße!

    • Ja, danke fürs ermuntern, aber ich gebe mich ganz sicher nicht geschlagen. Ich mag Herausforderungen und pflege zu sagen: Egal welches Team zusammen findet, es hat immer seinen Grund.

      Und auch ich kann nur empfehlen viel Geduld und Konsequenz, dann klappts – früher oder später mal :-) – und es zahlt sich auf jeden Fall aus!

      Freue mich auf weitere interessante Artikel!

      Liebe Grüsse und noch einen schönen Feiertag euch allen!

  7. Vielen Dank, dass Du mitgemacht hast – ich habe mich richtig auf Deinen Artikel gefreut und es mir mit einer Kaffeetasse zum Lesen gemütlich gemacht. Beispiel eins, wird meines werden ;-) Ich habe mir auch so eine dominante und selbstbewusste Dame ins Haus geholt. Ich werde dann wohl öfter an Dich denken, wenn andere Spaziergänger sich lustig machen über mich an der Kreuzung ;-) Alles Liebe, Petra

    • Sehr gerne Petra :-D

      Das sind die Besten! ;-)
      Svala war wirklich ein großartiges Pony, so mutig und ehrlich und selbstbewusst. Klar hatten wir nicht immer nur schöne Zeiten, aber auch dadurch wächst man zusammen. Leider hatten wir nur 5 Jahre zusammen, dann ist sie an einer Vergiftung gestorben. Sie hat eine ganz schön große Lücke hinterlassen…

      Ach Mensch, eigentlich wollte ich gar nicht ins Traurige abdriften :’D
      Du wirst sicher einiges an Diskussion aber auch ganz viel Spaß mit deiner Stute haben und am Ende eine großartige Partnerin gewinnen <3
      (Und auf die Kommentare anderer Leute geben wir doch eh nichts ;-P)

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