Als ich während meines Jobs als Reittourenführerin in Neuseeland zum ersten Mal wieder auf einem Großpferd saß, dachte ich beim ersten Galopp ich würde den nächsten Sprung nicht überleben. Nach Jahren des Reitens auf großartigen, aber ziemlich flach galoppierenden Isländern, war die Umstellung auf die raumgreifenden Galoppsprünge eines Warmbluts gar nicht so einfach.

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Nach ein paar Ritten und etwas Eingewöhnungszeit konnte ich aber wieder problemlos mit meinem Liebling, dem Ex-Rennpferd Dancer, durch die neuseeländische Wildnis fliegen. Damit Du dieses tolle Gefühl eines locker ausgesessenen Galopps auch möglichst bald erfahren kannst, habe ich Dir hier meine Tipps zum Galopp Aussitzen zusammengefasst.

(Hier kannst Du nachlesen, wie das Aussitzen im Trab funktioniert!)

 

Die Bewegung des Pferdes im Galopp

Im Galopp springt immer ein Vorderbein des Pferdes weiter nach vorne. Das ist die „Art“ das Galopps (Rechtes Bein -> Rechtsgalopp). Auf dieser Seite schwingt der Rücken etwas weiter vor als auf der anderen Seite – das heißt hier muss auch Deine Hüfte minimal weiter vor schwingen. So kannst Du auch übrigens erfühlen, auf welcher Hand Dein Pferd galoppiert, ganz ohne hinzusehen. Galoppiert es auf der linken Hand fühlt es sich an, als würde Dein linker Hüftknochen weiter nach vorne geschoben als der Rechte.

Der Pferderücken an sich schwingt erst vorne mit der Vorhand nach oben, dann hinten mit der Hinterhand, ganz ähnlich wie bei einer Wippe. Du musst also die Bewegung: “vorne hoch und nach vorne -> vorne runter -> hinten hoch und nach vorne” (siehe Bild) mitmachen. Du kannst Dir das auch wie eine Art Wellenbewegung vorstellen.

Eine Zeichnung von zwei galoppierenden Pferden. Die Bewegung des Rückens ist mit eingezeichneten Pfeilen verdeutlicht.

 

So klappt das Aussitzen im Galopp

Ruhig und fest im Sattel sitzen bedeutet immer Bewegung. Versuche nicht, Dich steif zu machen um fest zu sitzen, die Bewegung des Pferdes muss durch Dich hindurchfließen. Reiten ist wie ein Tanz mit dem Pferd, Dein Körper und Deine Bewegungen müssen sich seinen anpassen.

Oft hört man, man solle den Sattel mit dem Po von hinten nach vorne „auswischen“. Das führt aber nur dazu, dass man unruhig sitzt und das Pferd aus dem Gleichgewicht bringt. Außerdem kann man so keine eindeutigen Gewichtshilfen mehr geben.

Lass stattdessen Deine Hüfte von Deinem Pferd bewegen: 

  • Deine Knie und Oberschenkel liegen locker am Pferdebauch. Auf keinen Fall solltest Du Deine Knie zusammenpressen! (Hier kannst Du nachlesen warum der Knieschluss Quatsch ist)
  • Entspanne Deinen Po.
  • Wenn Dein Pferd mit den Vorderbeinen abspringt schließen sich Deine Oberschenkel ein wenig und Deine Hüfte kippt leicht nach hinten ab.
  • Wenn Dein Pferd mit der Hinterhand abspringt und es also “hinten hochgeht” öffnen sich Deine Oberschenkel und Deine Hüfte stellt sich gerade auf. Dabei lässt Du die Hüfte von der Bewegung nach vorne tragen.
  • Am Allerwichtigsten ist es, unteren Rücken, Hüfte, Po, Oberschenkel, Knie und Fußgelenke locker zu lassen und in der Bewegung mitzugehen. Dann geschehen die oben beschriebenen Bewegungen ganz von selbst.

Eine Zeichnung von zwei galoppierenden Pferden mit Reiter. Die Beckenbewegung des Reiters ist mit eingezeichneten Pfeilen verdeutlicht.

Wenn Du durch den Schwung zu weit aus dem Sattel geworfen wirst, kannst Du auch Folgendes ausprobieren: stelle Dich im Takt minimal in die Steigbügel, immer dann, wenn Dein Pferd abspringt. So wirst Du nicht mehr automatisch aus dem Sattel geworfen, sondern hast etwas mehr Kontrolle über die Bewegung. Wichtig ist aber, wirklich im Takt zu sein und gerade nach oben aufzustehen. Auch Dein Oberkörper sollte gerade bleiben, lehne Dich nicht nach vorne! Mit der Zeit kannst Du Dich dann immer weniger abstützen bis Du schließlich ganz aussitzen kannst.

Ich würde aber immer erst versuchen mich mit lockerer Hüfte in den Takt einzufühlen. Durch das Abstützen im Bügel verspannt man sich schnell und es besteht die Gefahr, dass man aus dieser Verspannung heraus nicht zum richtigen Aussitzen kommt.

Mache Dir am besten schon vorm Galoppieren bewusst, wie Dein Pferd sich bewegt und wie Du Dich bewegen musst. Stelle es Dir ganz genau in Deinem Kopf vor. Am besten übst Du die Beckenbewegung schon am Boden bevor Du auf dem Pferd sitzt, einfach damit Dein Körper und Deine Muskeln die Bewegung schon kennen und sich daran „erinnern“. Du kannst auch auf der Wippe des nächstbesten Spielplatzes üben!

Am Anfang reicht es, nur ein paar Galoppsprünge auszusitzen. Wenn Du merkst, dass Du Dich verspannst und das Aussitzen schwieriger wird, solltest Du wieder durchparieren. Mit der Zeit wirst Du den Galopp immer länger am Stück aussitzen können.

 

Häufige Fehler beim Galopp Aussitzen

Hier noch einmal zusammengefasst die drei häufigsten Fehler beim Aussitzen des Galopps:

  • Viele Reiter machen sich im Oberkörper fest. Die Hüfte schwingt dann zwar mit, aber die Bewegung fließt nicht durch die Wirbelsäule. Das erkennt man daran, dass der Oberkörper wie ein Pendel vor und zurück schwingt.
  • Klammernde Knie und/oder Oberschenkel führen dazu, dass Du steif wirst und die Bewegung des Pferdes nicht durch Dich hindurchfließen kann. Du sitzt dann nicht nur unruhig, sondern bringst meistens auch Dein Pferd aus dem Takt.
  • Eine unbewegliche Hüfte ist wohl das größte und häufigste Problem beim Galopp Aussitzen. Deine Hüfte und der untere Rücken müssen geschmeidig die Bewegung des Pferdes mitmachen, wenn das nicht funktioniert ist ein ruhiges Aussitzen kaum möglich. Die gute Nachricht: diese Beweglichkeit kann man trainieren – zum Beispiel mit Yogaübungen oder Gymnastik.

 


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Wie klappt bei Dir das Aussitzen? Hast Du noch weitere Tipps für uns? Ab in die Kommentare damit, ich freue mich drauf!

(Fun Fact: Die FSK 18 Variante: eine meiner Reitlehrerinnen hat uns immer gesagt, wir sollen im Galopp mit unserer Hüfte “Ehestandsbewegungen” machen – ihr wissen schon was ich meine ;-) )

 

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16 KOMMENTARE

  1. Ich gehe im Galopp immer mir dem Oberkörper zurück automatisch. Was kann ich dann tun? Oder was empfiehlst du? Meine RL hat gesagt zuerst den leichten Sitz lernen. Aber das ist ja noch schwieriger oder?

    • Hallo Céline,

      wenn du mit dem Oberkörper zu sehr zurück hängst musst du ihn logischerweise weiter nach vorne nehmen ;-)
      Deine Reitlehrerin hat schon recht, wenn du den leichten Sitz lernst, hilft dir das vielleicht dabei gerader zu sitzen – ohne dich reiten zu sehen kann ich das aber leider nicht wirklich beurteilen. Schwieriger als Aussitzen finde ich den leichten Sitz nicht, man muss ja sowieso beides lernen…
      Ansonsten könnte dir auch Muskeltraining für Bauch und Rücken weiterhelfen (schau mal z.B. die Übungen hier). Dass du beim Galoppieren zurück fällst, könnte an zu schwachen Muskeln liegen.

      Liebe Grüße,
      Christina

  2. Ich habe mir vor ueber 10 Jahren einen Balimo Stuhl gekauft und damit kann man das Becken schoen beweglich halten. Ich mach das beim fernsehen. Ansonsten sind deine Erklaerungen sehr gut und nachvollziehbar.

    • Hallo Andrea,

      ja, die sind super zum Üben. Nur leider so teuer, mit einem Gymnastikball geht’s auch ;-)

      Liebe Grüße,
      Christina

  3. Hallo Christina,
    Ich habe mich ja erst vor einiger Zeit wieder ans galoppieren herangetastet und bin natürlich promt in dieses “auswischen” verfallen-.- Ich galoppiere ja noch an der Longe (aus Angst) und hoffe diese Bewegung bald richtig hin zu bekommen, da kommt der Artikel gerade zur rechten Zeit.
    Viele Grüße Kathi

    • Hallo Kathi,

      einfach üben, dann wird das schon =)
      Zuerst ist ja auch wichtig, dass du deine Angst besiegst, alles Andere kommt dann schon!

      Liebe Grüße,
      Christina

  4. Danke für deine wunderbaren erklärungen. Ich neige ja manchmal zum “auswischen” *seufz* und arbeite hart daran mir das abzugewöhnen – da kommt dein Artikel natürlich gerade Recht :-) Ganz liebe Grüße, Petra

    • Huhu liebe Petra,

      danke dir für das Lob <3
      Das Auswischen kommt - wenn es nicht antrainiert wurde - meistens von einem festen unteren Rücken, da helfen Lockerungsübungen =)

      Liebe Grüße,
      Christina

    • Hi Magda,

      ja, wir haben uns auch immer vor Lachen gekringelt – wahrscheinlich hat sie es deshalb so gesagt, wenn man lacht enstpannt man sich ja auch ;-)

      Liebe Grüße,
      Christina

  5. Liebe Christina,

    danke für deinen schönen Beitrag. Ich habe anfangs immer total verbissen, versucht zu erspüren in welchem Galopp mein Pflegepferd ist.

    Ich habe mich immer gefragt, wie macht man das. Erst nach einiger Zeit und Erfahrung im Sattel, hat sich mein Sitz “gelockert” und verändert.

    Plötzlich war es ganz klar fühlbar! Genau wie du es beschrieben hast… :)

    lg Claudia

    • Hallo Claudia,

      ja, dazu braucht man eine gewisse “Lockerheit” ;-)
      Bei mir war das erste mal Spüren auch so ein “Aha”-Moment.

      Liebe Grüße,
      Christina

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