Indem wir unsere Pferde reiten oder sonstiges Training absolvieren, nehmen wir direkt Einfluss auf ihre Muskulatur. Dressur, Arbeit an der Hand oder an der Longe, Ausritte, Spaziergänge, Bodenarbeit, etc. – all das baut Muskeln beim Pferd auf.

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Aber Muskeln sind nicht gleich Muskeln.

Um gesund zu bleiben und den Reiter ohne Schaden tragen zu können, braucht ein Pferd einen starken Rücken und Bauch, eine kräftige Hinterhand und so einiges mehr. Wird das Pferd korrekt geritten und gearbeitet sollte sich diese Muskulatur mit der Zeit von selbst bilden.

Lesetipp: Hier habe ich schon einmal über die verschiedenen Möglichkeiten Muskulatur beim Pferd aufzubauen geschrieben.

Wird es jedoch nicht korrekt geritten, dann bildet sich eine “fehlerhafte” Muskulatur, mit der es versucht ungesunde Bewegungsabläufe zu kompensieren. Außerdem können sich Muskeln, die nicht durch gesundes Reiten genutzt werden, zurückbilden.

An der Bemuskelung Deines Pferdes kannst Du also ablesen, wie gut Dein Training ist.

 

Wie immer gilt: die Bemuskelung muss individuell betrachtet werden!

Verschiedene Pferde und Rassen haben verschiedene Körpertypen. Ein Schwarzwälder wird größere Muskeln aufbauen als ein Araber. Bei den Isländern gibt es schlanke, sportliche Typen und stämmige, robuste. Es macht also nur begrenzt Sinn, solch unterschiedliche Typen zu vergleichen.

Am besten vergleicht man sein Pferd immer nur mit sich selbst. Also z.B. ein Foto beim Ausgangszustand machen und nach 3, 6 oder mehr Monaten Training ein weiteres Foto zum Vergleich.

Zusätzlich zum Training spielen auch Haltung und Fütterung, Gesundheitszustand und Ausrüstung eine Rolle. Darauf möchte ich hier nicht näher eingehen, es sollte jedoch klar sein, dass bei folgenden Gegebenheiten ein gesunder Muskelaufbau schwierig sein kann und das Problem nicht nur im Training zu suchen ist:

  • Zu wenig oder falsches Futter bzw. zu große Fresspausen
  • Krankheiten
  • Zahnprobleme
  • Schlechte Haltungsbedingungen, wie z.B. reine Boxenhaltung oder permanenter Stress in der Herde
  • Unpassende Ausrüstung (so kann z.B. ein unpassender, drückender Sattel dazu führen, dass sich Muskeln zurück bilden)

 

Gesunde und ungesunde Bemuskelung des Pferdes

Im Rest des Artikels zeige ich anhand von Zeichnungen, wie gute und schlechte Bemuskelung aussieht. Weil das Thema durchaus komplex ist beschränke ich mich hier auf die Muskelgruppen, die man auch als Nicht-Profi gut sehen und erfühlen kann.

Die Zeichnungen sind zum besseren Verständnis sehr plakativ. Natürlich gibt es viele “Zwischenstufen” zwischen beiden Zuständen und bei jedem Pferd kann es ein bisschen anders aussehen. Die Grundsätz bleiben aber gleich. Wenn Dein Pferd eher in Richtung des Negativbeispiels tendiert (oder auch nur in Teilen, z.B. Hals oder Rücken), dann solltest Du Dein Training überdenken und entsprechend anpassen.

Wie oben beschrieben solltest Du aber immer auch die individuellen körperlichen Voraussetzungen Deines Pferdes im Blick gehalten. Wie uns Menschen auch kann man Pferde nicht in ein Schema F pressen, auch nicht körperlich.

Wenn Du nach dem Lesen dieses Artikels das Gefühl hast, dass Dein Pferd nicht gut oder falsch bemuskelt ist, solltest Du Dir Hilfe von einem Profi vor Ort holen. Das ist keine Schande! Niemand von uns ist perfekt und lieber einen Fehler korrigieren, sobald man ihn erkennt, als die Augen verschließen und so weitermachen. Dein Pferd wird es Dir danken.

Lesetipp: Auf Hippovital kannst Du noch mehr über die Muskulatur und eventuelle Funktionsstörungen lesen.

Der Gesamteindruck

Wenn Du Dir das gesamte Pferd anschaust, sollte es einen harmonischen Eindruck abgeben. Es wirkt “rund” und nicht “eckig” und es gibt keine Körperregionen, die deutlich stärker bemuskelt sind als andere (man sieht das z.B. ab und an auf Islandpferdeturnieren: die Schulter und Vorhand ist extrem muskulös und die Hinterhand im Vergleich dazu schlank und schmächtig. Das ist keine ausgewogene Bemuskelung!).

Vorsicht – Speck nicht mit Muskeln verwechseln

Ein “rundes” Pferd mit kräftigem Hals und Po bedeutet nicht automatisch, dass es eine gute Muskulatur hat. Es kann auch einfach nur zu dick sein. Dann fühlt sich das Gewebe nicht fest, sondern weich und schwammig an.

Der Rücken

Rechts und links neben der Wirbelsäule Deines Pferdes verläuft der lange Rückenmuskel. Dieser Muskel sollte immer locker und beweglich sein, denn die Bewegung des Pferdes fließt von der Hinterhand durch ihn hindurch nach vorne. Ist dieser Muskel verkrampft kann Dein Pferd nicht locker und losgelassen laufen – das wirst Du vielleicht auch merken, denn Dein Pferd lässt sich dann nur noch unbequem sitzen.

Steht bei Deinem Pferd am Rücken die Wirbelsäule heraus, ist der Rückenmuskel nicht genug trainiert (wenn es insgesamt sehr dünn ist kann auch ein Fütterungsproblem oder Ähnliches vorliegen). Das kann ein Zeichen dafür sein, dass es nicht entspannt über den Rücken läuft, sondern diesen beim Reiten wegdrückt.

Besonders markant und gut zu erkennen ist fehlende Muskualtur rechts und links am Übergang zwischen Widerrist und Rücken. Bei manchen Pferden bilden sich hier regelrechte “Kuhlen” (das kann übrigens auch von einem unpassenden Sattel ausgelöst werden).

Hat Dein Pferd eine gute Rückenmuskulatur, so ist die Wirbelsäule eingebettet zwischen den beiden Muskelsträngen und steht nicht heraus. Wenn sich Dein Pferd frei bewegt, kannst Du sehen wie sich diese Muskelstränge zum Beispiel im Trab wechselseitig bewegen.

Zwei Zeichnungen von Rücken und Hals des Pferdes, einmal mit guter und einmal mit schlechter Muskulatur. Die im Text beschriebenen Merkmale werden visualisiert.

Der Bauch

Zu einem gesunden Rücken gehört auch immer ein starker Bauch. Die Bauchmuskulatur ist unter anderem dafür zuständig, den Rücken aufzuwölben. Eine mangelnde Bemuskelung in diesem Bereich zeigt sich also meist nicht nur in einem Hängebauch, sondern auch in einem Hängerücken.

Lesetipp: Bei Pferde-Freunde.com kannst Du mehr über den Bauch und das passende Training dieser Muskulatur lesen.

Der Hals

Ein gut bemuskelter Hals hat eine runde, gewölbte Oberlinie (das ist die obere Seite des Halses, vom Widerrist bis zum Genick). Diese obere Hälfte des Halses ist gleichmäßig bemuskelt. Man sieht ab und an, dass Pferde übermäßig entwickelte Muskulatur im Genick haben. Das kann ein Zeichen dafür sein, dass mit zu harter Hand und zu viel Zügelzug geritten wird.

Bei einem schlecht bemuskelten Hals gibt es häufig eine “Kuhle” am Halsansatz direkt vorm Widerrist. Auch das kann ein Hinweis sein, dass das Pferd nicht gesund über den Rücken läuft und möglicherweise in eine bestimmte Kopf-Hals-Haltung gezogen wird.

Der Unterhals – die untere Hälfte des Halses – sollte nicht muskulös sein. Ein starker Unterhals bedeutet in der Regel, dass mit einer zu harten Hand oder mit übermäßigem Hilfszügeleinsatz trainiert wird. Aber auch Pferde, die nicht gymnastiziert werden und die ihren Kopf dauerhaft hoch tragen, können einen kräftigen Unterhals entwickeln. Ein kräftiger Unterhals tritt oft in Verbindung mit schwacher Rücken- und Hinterhandmuskulatur auf. Das Pferd drückt den verspannten Rücken weg, tritt mit der Hinterhand nicht unter und hält mit dem Hals gegen.

Lesetipp: Mehr über den Zusammenhang zwischen Hals und Rücken gibt es bei Hipovital.

Zwei Zeichnungen vom Hals- und Schulterbereich des Pferdes, einmal mit guter und einmal mit schlechter Muskulatur. Die im Text beschriebenen Merkmale werden visualisiert.

Die Schulter

Das Schulterblatt sollte von Muskeln bedeckt sein und auch der Übergang zu Hals und Rücken/Brustkorb ist bemuskelt. Bei einem schlecht bemuskelten Pferd ist das Schulterblatt deutlich zu sehen und im Übergang zu Hals und Rücken/Brustkorb sieht man eine deutliche “Kante”.

Die Hinterhand

Die Hinterhand sollte rund und fest aussehen. Ist sie flach und kantig fehlt Muskulatur. Ist sie rund und schwammig, kann das ein Zeichen dafür sein, dass das Pferd zu dick ist.

Schaut man von hinten auf das Pferd, so sollte die Spalte zwischen den Innenschenkeln eher klein sein. Die Schenkel- und Wadenmuskeln sind gut ausgebildet und nach außen gewölbt. Befindet sich zwischen dem Knie und dem Hüftknochen eine Kuhle, ist das auch ein Zeichen für mangelnde Bemuskelung.

Nur mit einer gut entwickelten Hinterhandmuskulatur kann Dein Pferd versammelt laufen. Fehlt die Kraft in der Hinterhand und man verlangt längere Zeit anstrengende Übungen, kann das zu Wiedersetzlichkeiten oder Verspannungen beim Pferd führen. In Kombination mit einer zu festen Hand und dem weit verbreiteten “herunterhebeln” oder “riegeln” des Kopfes führt das zu einem festgehaltenen Rücken, einer wenig aktiven Hinterhand und Verstärkung des Unterhalses.

Lesetipp: Mehr über die Anatomie der Hinterhand, Tragkraft und Versammlung gibt es bei Hippovital.

Zwei Zeichnungen von der Hinterhand des Pferdes, einmal mit guter und einmal mit schlechter Muskulatur. Die im Text beschriebenen Merkmale werden visualisiert.

 

Zusammengefasst

Schlechte oder falsche Bemuskelung kommt – wenn es nicht an anderen Begleitumständen liegt – meist von einer ungesunden Reitweise. Wird das Pferd mit zu harter Hand geritten, sein Kopf in eine bestimmte Position gezogen, mit zu schweren Lektionen überfordert, nicht korrekt von hinten nach vorne über den Rücken geritten oder gar nicht erst gymnastiziert, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es keine gesunde Muskulatur aufbauen kann.

Ein gut bemuskeltes Pferd…

  • wirkt rund und nicht eckig
  • hat einen gut ausgebildeten langen Rückenmuskel, ohne Kuhlen am Widerrist und ohne hervorstehende Wirbelsäule
  • hat einen straffen Bauch, der nicht hängt
  • hat eine gleichmäßig geschwungene Hals-Oberlinie und im Vergleich dazu wenig Unterhalsmuskulatur
  • hat eine runde, pralle Kruppe mit gut ausgebildeter Schenkel- und Wadenmuskulatur
  • hat eine von Muskeln bedeckte Schulter, bei der die Umrisse des Schulterblattes nicht deutlich sichtbar sind
  • hat keine deutliche Kuhle zwischen Widerrist und Halsansatz

Zwei Zeichnungen eines Pferdes, einmal mit guter und einmal mit schlechter Muskulatur. Die im Text beschriebenen Merkmale werden visualisiert.

Ich möchte noch einmal betonen, dass man immer die individuellen körperlichen Voraussetzungen seines Pferdes beachten sollte und so ein Artikel immer nur Denkansätze und Hinweise bieten kann.

Wenn Du den Eindruck hast, dass Dein Pferd schlecht oder falsch bemuskelt ist und Du nicht weißt, wie Du etwas daran ändern kannst, empfehle ich Dir einen Profi vor Ort zu Rate zu ziehen.

Du willst nun wissen, wie man die Muskulatur des Pferdes trainieren kann? Dann lies hier weiter!

 

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10 KOMMENTARE

  1. Hallo,
    dieser Beitrag bestätigt mich in der Ausbildungsarbeit meines Pferdes, denn von der Muskulatur habe ich fast alles richtig gemacht…. der Hals ist noch am werden! :-D
    liebe Grüße
    Bianca

  2. Hallo Bitte über jedes Thema Email senden ich mache immer Screenshots um alles nach zu lesen das ist so anstrengend.
    Freu mich über die Newsletter und bin schon ganz ungeduldig
    Vielen lieben Dank im voraus und
    VlG

    • Hallo Doreen,

      der letzte Newsletter hatte doch einen Link zu diesem Artikel ;-)
      So ganz genau verstehe ich das Problem nicht, von was machst du denn Screenshots? Die Artikel sind doch dauerhaft übers Internet zu lesen…

      Liebe Grüße,
      Christina

  3. Habe noch nie so einen detaillierten, dabei leicht verständlichen Artikel zum Thema Bemuskelung beim Reitpferd gelesen. Mir hat er sehr geholfen, gerade weil ich gestern mit meinem Reitlehrer über die Bemuskelung meines Pferdes philosophiert habe.
    Ich denke, dieses Thema sollte allen unter den Nägeln brennen. Wie soll ein Pferd gesund einen schweren “Rucksack” schleppen, wenn dazu die Sportlichkeit fehlt?

    • Danke dir, freut mich, wenn der Artikel so gut ankommt =)
      Ich glaube auch, dass sich noch zu wenige Reiter um dieses Thema Gedanken machen…

      Liebe Grüße,
      Christina

  4. Hallo Liebes,
    danke für diesen Beitrag! Mal wieder richtig gute Erklärungen und sehr hilfreichen Zeichnungen – top! :) Wie Du es schreibst, muss natürlich jedes Pferd individuell betrachtet werden und man sollte zur Not immer einen Profi zu Rate ziehen, aber diese Bilder helfen schonmal dabei, eine erste Einschätzung zu geben. Viel zu oft sieht man leider Pferde mit nicht vorhandenen Bauchmuskeln, falsch bemuskeltem Hals und eben schlecht ausgebildeter Rückenmuskulatur. Gut, dass Du auch erwähnst, dass hier die Fütterung und Haltung ebenfalls eine Rolle speilt, denn auch das wird gerne vergessen…Mein Pferd hat im Winter zum Beispiel immer abgebaut, obwohl ich ihn in der Jahreszeit nicht anders trainiert hatte als sonst. Die Futterumstellung und eben der Wechsel von 24/7 Weide auf Paddock hat dann eben doch seine Auswirkungen gehabt.
    In diesem Sinne, danke für den mal wieder sehr lesenswerten Beitrag! :)
    Alles Liebe,
    Line

    • Huhu Liebes,

      vielen Dank für die netten Worte, das freut mich <3
      Du hast absolut Recht, ich sehe auch so viele schlecht bemuskelte Pferde - und die Besitzer merken es nichtmal. Da musste mal ein Artikel dazu her ;-)
      Das Winter-Problem kenne ich auch. Gerade bei blütigeren Pferden ist das ja oft so. Man muss eben immer alles ganzheitlich und individuell betrachten.

      Liebe Grüße,
      Christina

    • Hallo liebe Sabine,

      prinzipiell ist das möglich, es kommt darauf an, wozu die Bilder verwendet werden sollen ;-)

      Liebe Grüße,
      Christina

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