Reiturlaub Island
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Der kühle Meereswind weht mir ins Gesicht, die warme Sonne brennt mir auf den Rücken. Rechts von mir der unendlich weite, glitzernde Ozean, links von mir hohe Berge die fast senkrecht in den azurblauen Himmel ragen. Unter mir der große windfarbene Wallach, lautlos setzt er seine Hufe in schnellem Tölt auf den grasbewachsenen Boden entlang der Klippen. In meinem Ohr Hlíns Stimme, die mir von dem Feenmarkt in den Klippen der großen Insel im Meer erzählt und warum der Zugang dorthin für immer verflucht ist.

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Besser als dieser Moment? Geht nicht.

Reiturlaub Island

Reiturlaub Island Sonnenuntergang

Schon als mein Flugzeug nachts um 1 während des atemberaubenden Sonnenuntergangs in Keflavík aufsetzt ist mir klar, dass die kommenden zwei Wochen etwas Besonderes werden.

Nach einer kurzen Nacht – ich habe meine Schlafmaske vergessen und morgens um 4 ist es schon wieder taghell – geht es mit dem Mietwagen von Reykjavik in den hohen Norden. Das genaue Ziel: der Hof von Hlín Jóhannesdóttir im Skagafjord zwischen Sauðárkrókur und Hofsós.

Der Skagafjord ist das Zentrum der Pferdezucht in Island. Kennern der Islandpferdezucht ist der Name Kolkuós gut bekannt, die Kolkuós-Pferde sind eine der berühmtesten isländischen Zuchtlinien. Mit dem Tod des Züchters Sigurmon wurde die Linie nicht weiter fortgeführt und der Hof lag brach.

Bis Hlín dem alten Kolkuós-Land neues Leben eingehaucht und ihre Reitschule Lynghorse darauf erbaut hat. Vor fast 20 Jahren hat es die gebürtige Deutsche der Pferde wegen nach Island gezogen. Und wegen der Pferde – vielleicht auch ein bisschen wegen eines Mannes – ist sie geblieben. (Die schöne Liebesgeschichte dahinter ist nicht meine zu erzählen – wer Hlín besucht sollte sie danach fragen)

Hlín unterrichtet in der nahe gelegenen Hochschule Hólar im Bereich Pferdewissenschaften, unter anderem Reitlehre sowie Reiterfitness und Physiotraining. Zusätzlich arbeitet sie als Pferdetrainer, gibt Reitkurse im Ausland und bietet Reiturlaube auf ihrem Hof Lynghorse an. Mehr über Hlín gibt es hier zu lesen.

Ich kenne Hlín seit mehreren Jahren von Kursen in Deutschland und schätze ihren hervorragenden Unterricht und ihre geduldige, freundliche Art sehr. Als sie mich nach Island eingeladen hat musste ich nicht lange überlegen.

Was unterscheidet einen Reiturlaub bei Hlín von den unzähligen anderen Angeboten?

Ganz einfach:

  • Individualität – die konkrete Wochenplanung wird gemeinsam mit Dir besprochen
  • eine hohe fachliche Kompetenz – Hlín unterrichtet wie gesagt an der Uni in Hólar,
  • ein ganzheitliches System – Balance zwischen Körper und Geist von Reiter und Pferd,
  • und die besten Ponys der Welt!

Wenn Du im Reiturlaub nicht nur auf müden Touristenpferden durch die Landschaft schaukeln willst, sondern Deine reiterlichen Fähigkeiten weiterentwickeln und von fein und korrekt gerittenen Pferden lernen möchtest, dann bist Du bei Hlín genau richtig.

Eine Woche Reiturlaub bei Lynghorse beinhaltet nicht nur ausgedehnte Ausritte in die wunderschöne Landschaft, sondern individuell abgestimmten Reitunterricht, Sitzschulung, Gymnastik für Reiter und Theorieeinheiten. Zustäzlich ist Hlín ein Quell an Informationen über die Geschichte der Gegend und es macht einfach nur Spaß von ihr mehr über den Skagafjord und Island zu erfahren.

Reite mit mir durch Island – mein Reisebericht!

Von Reykjavik bis zu Lynghorse sind es mit dem Mietwagen etwa vier Stunden – wenn man den Tunnel kurz nach Reykjavik nimmt. Wir (ich und eine gute Freundin) wollen uns aus akuter Geldumrechnungsverwirrung die 1000 Kronen (knapp 7€) Tunnelgebühr aber sparen, so weit kann der Umweg ja nicht sein! (Ein Mietwagen ist übrigens nicht zwingend notwendig, man kann auch mit dem Bus fahren)

Fünfeinhalb Stunden durch die gigantische Landschaft Islands später – mittlerweile ist es schon nach 6 Uhr abends – fahren wir müde durch das erstaunlich kleine Sauðárkrókur. Laut Hlíns Wegbeschreibung sollte es nun nicht mehr weit sein. Erstes Fazit: falls Du mal nach Island kommst – nimm den Tunnel!

Plötzlich leuchten vor uns Bremslichter auf. Die wenigen Autos, die hier auf der Ringstraße unterwegs sind, scheinen zu stehen. Stau? Kann nicht sein! Ein paar Meter näher und wir erkennen das “Problem”: eine ganze Herde Islandpferde wird entlang der Straße zur nächsten Koppel getrieben und eines davon möchte hartnäckig ausbüxen. Das Mutter-Tochter-Gespann am Ende der Herde hat alle Hände voll zu tun um das Pony mit Freiheitsdrang von der Straße zu halten. Aber die Mädels wissen was sie tun und nach ein paar Minuten kann es weiter gehen.

Meine Reisegefährtin und ich grinsen uns an. Spätestens jetzt ist es da, das Island-Gefühl.

Reiturlaub Island Pferde treiben

Reiturlaub Island Pferde treiben

Kurze Zeit später sehen wir das in der Abensonne leuchtende gelbe Holzhaus mit den Bergen und dem glitzernden Meer im Hintergrund. Das muss es sein!

Hlín begrüßt uns mit einer herzlichen Umarmung und einem warmen Tee. Bei 8 Grad Außentemperatur ist der sehr willkommen. Als wir ihr von unserem Anfall von Geiz und dem umfahrenen Tunnel erzählen schüttelt sie den Kopf, lacht und freut sich, dass unsere Verspätung keine ernsteren Gründe hatte.

Nach Tee, Kuchen und ausreichend Mädelsgequatsche geht es nach draußen eine erste Runde über den Hof drehen und natürlich die Ponys kennenlernen. Schnell steht für uns fest: da ist Eines hübscher als das Andere! Zu jedem kann Hlín eine Geschichte erzählen. Zum Beispiel der Rappe Noí mit den großen Augen, den schiefen Ohren und dem leichten Hechtkopf: er ist ein Elfenpferd. Nicht nur, weil er ungewöhnlich aussieht, nein, er sieht auch hinter jedem der überall verstreuten Felsbrocken eine Elfe sitzen. Oder die unheimlich schicke Stute, deren Namen ich peinlicherweise schon wieder vergessen habe: sie weiß ganz genau wie hübsch sie ist und setzt sich immer perfekt in Szene. Oder der große, windfarbene “Onkel Waldi” (er heißt nicht wirklich so, aber der Name scheint kompliziert zu sein, wenn er gar nicht erst genannt wird), der auch Anfänger sanft und sicher über Stock und Stein trägt. Die kleine, unscheinbare Ilva, Schulpferd an der Uni in Hólar, die unter dem Reiter nur so strahlt.

Reiturlaub Island Pferde

Reiturlaub Island Stuten

Etwas überwältigt von den ganzen Eindrücken geht es auf dem Nachbarhof von Anna Thora früh ins Bett. Am nächsten Morgen steht eine erste Reitstunde zum Feststellen des reiterlichen Stands und ein Ausritt zum Meer an. Ich schlafe, bevor mein Kopf das Kissen berührt.

Ausreiten zwischen Bergen, Meer und freien Pferdeherden

Mit einem Schrecken fahre ich aus dem Schlaf hoch. Wir haben verschlafen! Es ist schon taghell! Nach einem Blick auf die Uhr komme ich mir etwas doof vor und bin froh, dass ich meine Reisegefährtin nicht geweckt habe. Es ist halb vier Uhr nachts. Sommer in Island.

Nach weiteren vier Stunden Schlaf und einem reichhaltigen Frühstück geht es voller Vorfreude zu Hlín und zur ersten Reitstunde. Ich reite die kleine Rappstute Ilva. Alle Ponys hier sind eine Mischung aus neugierig und freundlich ohne dabei aufdringlich zu sein. Der Umgang mit ihnen ist von gegenseitigem Respekt geprägt und das spürt man.

In dieser ersten Stunde geht es darum, die eigenen reiterlichen Defizite zu erkennen und festzulegen, an was man den Rest der Woche arbeiten möchte. Bei mir ist es – für mich nicht überraschend – die mangelnde Lockerheit im Sitz. Man merkt mir an, dass ich die letzten Monate mit körperlichen Problemen zu kämpfen hatte, wenig geritten bin und keinen Unterricht hatte. Ilva zeigt mir diesen Mangel an Lockerheit sehr schön und unmittelbar an: sobald ich steif werde wird auch sie steif und passig. Es ist ein tolles Gefühl so ein fein reagierendes Pferd zu reiten und seine Fehler sofort zu erkennen!

Es ist also ganz klar was zu tun ist: für den nächsten Tag steht Sitzschulung an der Longe und Gymnastik für Reiter auf dem Plan.

Nach dem Mittagessen – Hlíns Nachbarin Anna ist eine wirklich tolle Köchin – starten wir unseren Ausritt zum Meer. Das Wetter könnte nicht besser sein, die Sonne stahlt aus einem azurblauen Himmel und ein erfrischender Wind weht uns und den Ponys um die Nasen. Im flotten Tölt geht es auf der weiten Ebene in Richtung Meer – die Entfernung täuscht, was so nahe wirkt ist immer noch ganze 6 Kilometer entfernt.

Nach wenigen Minuten rauscht es neben uns: ein breiter, tiefblauer Gletscherfluss schlängelt sich durchs Land, einen kleinen Wasserfall gibt es auch. Wir lassen die Ponys eine leichte Steigung im Galopp hochfliegen – so fühlt sich Freiheit an!

Reiturlaub Island Fluss

Während wir reiten gibt es immer wieder Korrekturen und Tipps von Hlín. Ganz entspannt und “nebenbei” lernen wir also auch noch etwas. Ich muss mich richtig zusammenreißen um aufmerksam zuzuhören, viel zu oft bin ich von der beeindruckenden Landschaft um mich herum abgelenkt. Wir reiten auf einer weiten Ebene mit altem Lavagestein. Der Boden ist trocken und staubig, es gibt aber viele trockene Gewächse und auch mageres Gras, um uns herum ist es also durchaus auch grün. Rechts von uns und hinter uns strecken sich die hohen Berge in den Himmel. Links erstreckt sich die Ebene bis zum Horizont. Vor uns das Meer mit mehreren kleinen und großen Inseln. Laut isländischer Sage sind zwei der kleineren Felsen ein Troll und seine Kuh, sie wurden von der Morgensonne überrascht und versteinert.

Reiturlaub Island Ebene

Reiturlaub Island reiten

Reiturlaub Island Berge

Plötzlich sehe ich vor uns mehrere bunte Punkte. “Das ist eine freilaufende Herde” sagt Hlín, “kein Problem, unsere Pferde sind das gewöhnt”. Die Ponys begutachten uns lieber aus ein paar Metern Entfernung. Nur zwei vorwitzige Jährlinge machen die Mutprobe und kommen näher. Mit gebogenen Hälsen und schwungvollen Schritten zeigen sie uns was sie drauf haben. Gebührend beeindruckt ziehen wir weiter, das Meer ruft!

Reiturlaub Island Wildpferde

Und plötzlich ist es da. Vor uns breitet sich der endlose Ozean aus und glitzert in der Mittagssonne. Steile Klippen stürzen in die Tiefe. Wir steigen ab und führen unsere Pferde zum Rand. Ich setze mich auf den grasbewachsenen Boden und bin einfach nur glücklich. Onkel Waldi pustet mir seinen warmen Atem in den Nacken und grast dann zufrieden weiter. Ich atme tief durch, rieche das Meer und speichere den Moment tief in mir drin.

Reiturlaub Island Meer

Reiturlaub Island Ponys

Hier geht es weiter mit meinem Island-Abenteuer! Dann erzähle ich Dir vom tollsten Pony der Reise, vom Tal der Pferde und von einer Wanderung zur Elfenburg – und ein Video gibt es auch noch!

Noch mehr Infos und die Termine für 2016 findest Du auf www.lynghorse.com oder auf der Facebookseite von Lynghorse!

Hast Du noch Fragen (zu Island, Hlín, Lynghorse oder Reiturlauben im Allgemeinen)? Immer in die Kommentare damit!

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10 KOMMENTARE

  1. Hallo Christina,
    ein sehr schöner Bericht! Ich träume schon lange von einem Reiturlaub in Island, jedoch ist das ganze leider sehr kostspielig, da will man das viele Geld schon für den richtigen Anbieter investieren. Wie viel hat dich denn die gesamte Reise ca. gekostet? Also inkl. Flüge, Mietwagen, dem Urlaub an sich etc.?

    • Hallo liebe Sabrina,

      ja, das stimmt, es ist recht teuer!
      Wie viel es insgesamt war kann ich dir gar nicht mehr so genau sagen, aber geschätzt denke ich so um die 2.600€ für zwei Wochen (eine Woche Reiten und eine Woche Rundreise mit dem Camper). Die Mietwägen und Benzinkosten habe ich mir mit Mitreisenden geteilt, ansonsten schlagen die schon ganz schön zu Buche. Ich meine ich hätte um die 300€ für die Flüge bezahlt, 200€ (mein Teil von 400€) für einen kleinen Mietwagen für eine Woche, 400€ (mein Teil von 800€) für einen kleinen Camper für eine Woche, 900€ für die Reitwoche, 600€ Unterkunft & Essen in der Reitwoche und ansonsten noch kleinere Beträge für Essen und Benzin. Schon ne Menge, aber ich bereue es gar nicht, für mich hat sich’s wirklich gelohnt =)

  2. Hallo Christina,

    da hast Du ja schöne Eindrücke gesammelt ! Ich werde Deine Berichte aufmerksam lesen. Die Bilder von den Pferden und dem Land sind auch sehr beeindruckend.

    • Hallo Volker,

      ja, das habe ich – und die Bilder können nicht halb so gut darstellen wie beeindruckend es wirklich war :-)
      Island ist wirklich eine Reise wert!

  3. Oh Gott! Da will ich auch hin! *sieht man die Herzchen in meinen Augen* Ist das wunderschön und dein Bericht macht definitiv Lust auf mehr – traumhaft! Ganz liebe Grüße und danke für die kleine Auszeit, die du mir mit deinem Artikel geschenkt hast. Alles Liebe, Petra

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