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Wenn das Pferd beißt, neigen die meisten ReiterInnen und PferdebsitzerInnen dazu, mit einem Klaps zu antworten – völlig verständlich, meistens erschrickt man sich und so ein Pferdebiss tut natürlich auch weh.

Werbung – kann ich aber ehrlich nur empfehlen!

Warum Strafe bei beißenden Pferden aber meistens nicht funktioniert, sondern das Problem eher verschlimmert und was Du stattdessen tun kannst, erkläre ich im Video (Du willst das Ganze lieber lesen? Dann lies einfach hier unter dem Video weiter, da habe ich alle Infos zusammengefasst):

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Hilfe mein Pferd beißt

Wenn Dein Pferd beißt oder nach Dir schnappt, ist das meistens erst mal ein Schock. Meistens reagiert man reflexartig damit, dass man einen Klaps zurück gibt. Das kann im ersten Moment vielleicht sogar helfen, ist aber auf Dauer keine Lösung, denn:

Bei beißenden Pferden muss man die Ursache des Beißens herausfinden und abstellen!

Tust Du das nicht, entwickelt sich schnell ein Kreislauf aus Beißen und Strafe, der sich immer weiter hochschaukelt. Du behandelst mit der Strafe ja nicht die Ursache des Problems, sondern unterdrückst Symptome. Gleichzeitig verlagerst Du eure Kommunikation auf eine Ebene, auf der Du als Mensch schnell den Kürzeren ziehst, Du bist ja eindeutig schwächer als das Pferd.

Beißen ist Kommunikation

Das Beißen Deines Pferdes ist ein (zugegebenermaßen sehr unangenehmes) Kommunikationsmittel. Möglicherweise hat es Dir vorher schon auf andere Arten versucht mitzuteilen, dass ihm etwas unangenehm ist oder nicht passt und das Beißen ist “nur” eine weitere Eskalationsstufe.

Es ist also wichtig, dass Du Dein Pferd im Auge hast und seine Signale lesen lernst, um ihm das Beißen wieder abzutrainieren. Einserseits kannst Du so schon eingreifen, bevor Dein Pferd überhaupt beißt, andererseits hilft es Dir dabei die Ursache für das Beißen herauszufinden.

Ursachen für Beißen

So unterschiedlich wie unsere Pferde sind, so unterschiedlich können auch die Ursachen für’s Beißen sein. Zu den Häufigsten Ursachen gehören:

  • Spieltrieb (Besonders junge Hengste und Wallache sind meist sehr Mauldominiert und wollen erst mal alles anknabbern. Für sie kann das Schnappen nach dem Menschen ein lustiges Spiel sein, vor allem wenn der Mensch mit einem Klaps reagiert und somit mitspielt)
  • Angst
  • Schmerz
  • Stress
  • Überforderung
  • Unmut
  • Schlechte Erfahrungen mit Menschen
  • Nicht artgerechte Haltung
  • Sattelzwang
  • Rosse bei Stuten
  • Übereifer
  • Falscher Umgang mit Futterlob
  • etc.

Umgang mit beißenden Pferden

Wenn Du mit einem beißenden Pferd arbeitest, solltest Du immer erst sicherstellen, dass Du selbst ausreichend geschützt bist. Schon ein “harmloses” Schnappen kann ziemlich weh tun und wenn Dein Pferd richtig beißt, kann es schnell gefährlich werden. Wenn Du Dir da im Umgang nicht ganz sicher bist, würde ich Dir empfehlen Dir professionelle Hilfe zu suchen!

Am wichtigsten ist wie gesagt die Ursache für das Beißen herauszufinden und daran zu arbeiten, also z.B.:

  • herausfinden ob das Pferd schmerzen hat und diese beseitigen,
  • herausfinden was dem Pferd Angst macht und wie Du sie ihm nehmen kannst,
  • Überforderung vermeiden,
  • Stress abbauen und mit dem Pferd auf lange Sicht üben auch in stressigen Situationen gelassen zu bleiben,
  • an der Grunderziehung arbeiten,
  • auf ausreichend Freilauf und Kontakt zu anderen Pferden achten,
  • Futtererziehung,
  • etc.

Dabei solltest Du selbst Ruhe bewahren und das Beißen oder Schnappen nicht persönlich nehmen.

Neben der Ursachenforschung solltest Du an der Grunderziehung des Pferdes arbeiten, hier vor allem auch daran, dass Dein Pferd Deinen persönlichen Raum akzeptiert und Du es auf Signal wegschicken kannst. Das kannst Du zum Beispiel auch mit einem Zaun oder einer Abgrenzung zwischen euch üben, wenn Dein Pferd Dir sonst zu sehr auf die Pelle rückt.

Nicht zu strafen bedeutet nämlich nicht, dass Du keine Grenzen setzen darfst. Klare Grenzen, Kommunikation und Konsequenz sind wichtig im Pferdetraining – wenn man sie ruhig, fair und unaufgeregt setzen kann.

Dann ist es wichtig, die Signale des Pferdes lesen zu lernen. Wenn Dein Pferd z.B. beim Putzen nach Dir schnappt, solltest Du es während des Putzens aufmerksam beobachten. Meistens siehst Du Deinem Pferd an, wenn es kurz davor ist nach Dir zu schnappen: Das Gesicht spannt sich an, die Augen blitzen, die Nüstern kräuseln sich, die Ohren legen sich an – es gibt viele kleine Signale, die Dein Pferd Dir schon vorher gibt!

Siehst Du solche Signale, dann ist das für Dich ein Hinweis: Was tust Du gerade oder was passiert um euch herum, das ein Problem für Dein Pferd sein könnte?

Wenn Dein Pferd z.B. nicht gerne am Bauch geputzt wird und Dir die ersten Warnsignale gibt, dann höre erstmal auf es weiter am Bauch zu putzen. Du zeigst ihm damit, dass Du seine Signale verstanden hast und es nicht zum Beißen eskalieren muss. Natürlich solltest Du daran arbeiten, dass Dein Pferd sich auch am Bauch putzen lässt, aber das kannst Du dann langsam, einfühlsam und in mehreren Schritten tun.

Gewohnheitsmäßige Beißer

Hat ein Pferd sich über einen längeren Zeitraum angewöhnt in bestimmten Situationen mit Beißen zu reagieren (z.B. aufgrund schlechter Erfahrungen, Sattelzwang , o.Ä.), dann ist es schwer ihm das wieder abzugewöhnen, selbst wenn die ursprüngliche Ursache gar nicht mehr vorhanden ist.

Du kannst dann versuchen, das angewöhnte Verhalten mit einem neuen Verhalten zu “überschreiben”. Also anstatt dass Dein Pferd nach Dir schnappt, soll es den Anbindehaken oder die Wand berühren.

Das kannst Du ihm z.B. mithilfe von Targettraining beibringen. Beim Tragettraining lernt das Pferd ein bestimmtes Objekt (das Target) zu berühren und bekommt dafür eine Belohnung. Mehr Infos dazu findest Du z.B. hier im Artikel.

In manchen Fällen kann es auch helfen, in einem anderen Umfeld zu trainieren, also z.B. nicht am Putzplatz zu satteln, sondern am Reitplatz.

Bei gewohnheitsmäßgen Beißern ist es schwer eine Pauschallösung zu finden, die für alle passt. Hier muss man als BesitzerIn einen langen Atmen haben und kreative Lösungen passend zum eigenen Pferd suchen.

Spielerische Beißer

Wie bereits erwähnt gibt es Pferde, für die das Beißen oder Schnappen ein Spiel ist. Hier ist es meistens am Hilfreichsten einerseits ein Kommando zu etablieren, dass das Pferd auf Abstand schickt und andererseits sich nicht auf das Spiel aus Beißen und Klaps einzulassen.

Wenn Du kannst, ignoriere das Schnappen (natürlich nur, wenn es nicht zu hefitg ist), ohne eine Reaktion von Dir wird es Deinem Pferd vermutlich schnell langweilig. Ansonsten hilft auch oft das Pferd einfach stehen zu lassen und wegzugehen (damit bringst Du Dich auch in Sicherheit) – diese Pferde wollen ja spielen und Aufmerksamkeit, wenn Du sie stehen lässt ist das oft schon “Strafe” genug.

Fazit

Wie so oft in der Pferdeerziehung gibt es auch bei beißenden Pferden keine einfache “one size fits all”-Lösung oder einen Knopf, den man drücken muss und das Pferd hört auf. Stattdessen muss man als BesitzerIn auf Ursachensuche gehen, an der Grunderziehung arbeiten, kreative Lösungen finden und einen langen Atem haben – gerade bei Pferden, die sich das Beißen dauerhaft angewöhnt haben.

In Härtefällen würde ich immer professionelle Hilfe suchen, mit ernsthaft beißenden Pferden ist nicht zu spaßen und oft ist das auch nicht das einzige Problem. Die eigene Sicherheit geht immer vor!

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1 KOMMENTAR

  1. hallo, ich würde der liste der gründe für beißen noch die “pupertät” dazugeben, da auch in dieser zeit das eine oder andere pferde mit leichtem schnappen gerne grenzen “auslosten” möchte/kann.

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