Grundsätze Pferdefütterung
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Ich habe mich lange Zeit gescheut über Pferdefütterung zu schreiben. Das ist ein Thema, über das sehr viel diskutiert und gestritten wird und bei dem die Gemüter gerne mal hochkochen. Ich bin der Meinung, das die Fütterung eines Pferdes immer individuell betrachtet und angepasst werden muss. Wie so oft im Umgang mit Pferden, gibt es hier keine Lösung die immer und für alle passt.

Trotzdem gibt es ein paar grundlegende Infos zum Thema Pferdefütterung, die jeder Pferdebesitzer kennen sollte. Die habe ich hier für Dich aufgelistet!

 

1. Vermeide zu lange Fresspausen!

Pferde sind ursprünglich Steppentiere. Ihr Verdauungssystem ist darauf ausgerichtet, den ganzen Tag nährstoffarme Gräser zu fressen. Unter natürlichen Bedingungen ist ein Pferd also den größten Teil seines Tages damit beschäftigt Futter zu suchen, zu fressen und zu verdauen. Um dieses Futter verdauen zu können, produziert der Magen durchgehend Magensäure (anders als z.B. beim Menschen).

Mehr zum Thema Verdauung gibt es hier!

Problematisch wird das, wenn Dein Pferd (wie an vielen Ställen leider immer noch üblich) lange Pausen zwischen den Fütterungen hat: also zum Beispiel nur morgens und abends gefüttert wird. Dann ist nämlich in der Zwischenzeit kein Futter im Pferdemagen, das von der Magensäure zersetzt werden kann und die überschüssige Magensäure reizt den Magen. So können auf Dauer zum Beispiel Magengeschwüre entstehen.

Dein Pferd sollte nicht länger als 4 Stunden nichts zu Fressen haben!

Ideal ist es, wenn Pferde rund um die Uhr (ad libitum = zur freien Verfügung) etwas zu knabbern haben. Dazu kann auch Stroh mit Heu vermischt werden, aber nicht mehr als ein Drittel der Gesamtmenge sollte Stroh sein. Für leichtfuttrige Pferde, die schnell dick werden, ist das aber nicht immer möglich. In dem Fall können Heunetze dabei helfen die Futtermenge, die aufgenommen wird, zu reduzieren. Aber auch hier gibt es einiges zu beachten, wie z.B. die Größe der Maschen des Netzes (zu groß und es wird zu viel gefressen, zu klein und das Pferd wird frustriert und gestresst) und die Fressposition des Pferdes (sollte möglichst naturnah am Boden sein).

Eine weitere gute Möglichkeit ist die zeitgesteuerte Futterausgabe. Hier gibt es eine Anleitung zum Selberbauen.

 

2. Gutes Heu (und Gras) ist das Grundnahrungsmittel!

Pferde brauchen vor allen rohfaserhaltiges Futter, damit ihr Verdauungssystem gut funktionieren kann. Wie in Punkt 1 beschrieben, sind sie darauf ausgerichtet, viel energiearmes, rohfaserhaltiges Futter zu fressen. Bekommen sie zu wenig Rohfaser und zu viel energiereiches, konzentriertes Kraftfutter – häufig noch in Kombination mit Bewegungsmangel – können sie auf Dauer krank werden. Rohfaserhaltiges Futter ist vor allem Gras, Heu und Stroh.

Wichtig bei der Auswahl des Heus (und Weidegrases) ist, dass es von Weiden mit Gräsern stammt, die für Pferde geeignet sind und nicht für Kühe! Die auf Kuhweiden gezüchteten Hochleistungsgräser sind zu energiereich für Pferde. Außerdem sollte es nach der Blüte geerntet und gut abgelagert sein. Schimmlige Stellen sollte das Heu – wie jedes Futter – nicht enthalten! Ein Pferd braucht – je nach Rasse, Belastung und Jahreszeit (im Winter z.B. mehr) – durchschnittlich zwischen 1,5 und 2,5 Kilo Heu/Raufutter pro 100kg Gewicht.

Viele Ställe füttern Heulage oder Silage. Die ist im Vergleich zu Heu jedoch weniger geeignet für die meisten Pferde, weil sie zu viel Energie enthält. Gleichzeitig enthält sie Milchsäurebakterien, die den PH-Wert im Verdauungssystem des Pferdes negativ beeinflussen.

 

3. Weniger ist mehr!

In vielen Futtermischungen und besonders bei Leckerlies findet man eine lange Liste an Zusatzstoffen. Bunt und süß ist zwar für den Pferdebesitzer hübsch und schmeckt dem Pferd vielleicht auch gut, aber all die Zusatzstoffe und vor allem Melasse, Zuckerzusätze, Farbstoffe, Konservierungsstoffe, etc. sind nicht unbedingt gut für’s Pferd.

Was Zusatzstoffe und Süßungsmittel im Futter angeht ist weniger definitiv mehr!

mypferdefutter pferdefütterung

Futter ohne Zusatzstoffe bekommst Du zum Beispiel bei mypferdefutter.de. Dort kannst Du Dir auch ganz individuelle Futter- und Kräutermischungen zusammenstellen – mit genau den Zutaten in den Mengen, die Dein Pferd braucht (siehe Punkt 4). Ich habe vor kurzem eine Kräutermischung für’s Immunsystem und einen individuellen Futtermix bestellt und finde das Selbst-zusammenstellen-System super. Zu jeder Zutat gibt es einen kleinen Erklärungstext mit empfohlenen Mengenangaben und es steht auch dabei, wenn etwas bestimmten Pferden (z.B. trächtigen Stuten) nicht gefüttert werden sollte.

Aber Vorsicht: wenn Du Dir Futter selbst zusammenstellst, achte darauf, dass Du die empfohlenen Mengen nicht überschreitest und gerade bei den Kräutern nicht aus versehen doppelt (z.B. über eine Kräuter- und eine Futtermischung) fütterst. Außerdem solltest Du wissen, was Dein Pferd braucht und was gut für es ist – wenn Du Dir nicht sicher bist, lass Dich beraten!

 

4. Füttere das, was Dein Pferd braucht!

Das richtige Futter für Dein Pferd ist – bis auf ein paar allgemeingültige Grundsätze – oft auch eine ganz individuelle Sache.Kräuter Pferdefütterung Ponys brauchen weniger energiereiches Futter als schwerfuttrige Vollblüter, Pferde mit Hufrehe sollten kein eiweiß- und energiereiches Futter bekommen, Pferde, die sehr viel leisten müssen, brauchen mehr Energie als Pferde, die nur wenig bewegt werden – und so weiter.

Zusätzlich kann man Pferde je nach ihren Bedürfnissen mit Kräuterkuren unterstützen, z.B. im Fellwechsel, zur Stärkung des Immunsystems, im Alter, etc.

Mehr zum Thema Kräuterfütterung findest Du hier!

Das Futter sollte also immer individuell auf die aktuellen Bedürfnisse Deines Pferdes abgestimmt sein! Im besten Fall stellst Du das Futter so zusammen, wie Dein Pferd es braucht.

 

5. Füttere nicht zu viel zuckerreiches Obst und Gemüse!

Äpfel, Bananen und Co sind zwar sehr beliebt bei Pferden, sollten aber aufgrund des enthaltenen Fruchtzuckers nicht in zu großen Mengen gefüttert werden. Besonders Birnen sollte man nur in kleinen Mengen verfüttern, da sie im Magen und Darm nachgären können und damit Koliken begünstigen.

Ab und an als Leckerlie schadet Obst sicher nicht (außer das Pferd hat z.B. Hufrehe), sie sollten aber kein großer Bestandteil der täglichen Fütterung sein.

 

6. Sei sparsam mit Kraftfutter!

Ich habe es schon erwähnt: das Verdauungssystem von Pferden ist darauf ausgerichtet, rohfaserreiches, schwer verdauliches und energiearmes Futter den ganzen Tag über zu verarbeiten. Kraftfutter ist so ziemlich das Gegenteil: es enthält wenig Rohfaser, ist schnell verdaulich und energiereich. Zu viel Kraftfutter kann das ganze Verdauungssystem aus der Bahn werfen und dem Pferd auf lange Sicht schaden.

Jeder Pferdebesitzer sollte sich fragen, ob sein Pferd wirklich Kraftfutter braucht, oder ob er einfach nur füttert, um dem Pferd “etwas Gutes zu tun” und es nach der Reiteinheit zu belohnen. Die wenigsten Freizeitpferde müssen so viel leisten, dass sie zusätzliche Energie brauchen. Ein Wildpferd ist den ganzen Tag bei Wind und Wetter unterwegs auf Futtersuche und lebt sein ganzes Leben (inklusive Sozialleben, Fortpflanzung, Flucht vor Gefahren, etc.) ohne Kraftfutter. Freizeitpferde, die nicht täglich in hartem Training stehen, werden wohl kaum mehr Leistung bringen müssen als ein Wildpferd und brauchen somit kein Kraftfutter. Wer seinem Pferd etwas Gutes tun will, gibt ihm lieber eine Karotte nach der Reiteinheit.

 

7. Sei sparsam bei der Ölfütterung!

Über die Pros und Kontras der Ölfütterung wird viel diskutiert.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ein bisschen hochwertiges Pflanzenöl (wie z.B. kaltgepresstes Leinöl zum Fellwechsel oder Schwarzkümmelöl* für Ekzemer) durchaus positiv wirken kann. Man sollte es aber auch hier nicht übertreiben und nicht mehr als 20 ml zum Futter dazugeben und auch nur kurweise, nicht dauerhaft.

 

8. Vertraue Deinem Pferd – und vertraue ihm nicht!

Nur weil ein Pferd etwas gerne frisst, heißt es noch lange nicht, dass es auch gesund für es ist (wie bei uns Menschen übrigens auch)! Manche unserer domestizierten Pferde haben sogar verlernt, Giftpflanzen auszusortieren (ich habe mal von einem Tierarzt gehört, je mehr “exotische” Früchte und Co ein Pferd bekommt, desto mehr gewöhnt es sich an ungewöhnliche Geschmäcker und erkennt Giftpflanzen nicht mehr zuverlässig. Ob das wirklich so korrekt ist, kann ich nicht beurteilen, es klingt aber recht plausibel). Du kannst also nicht darauf vertrauen, dass etwas gut für Dein Pferd ist, wenn es es gerne frisst.

Gleichzeitig solltest Du ihm aber vertrauen, wenn es etwas nicht fressen will (abgesehen von Medizin natürlich). Bietest Du Deinem Pferd etwas an und es möchte es partout nicht fressen, dann ist die Chance hoch, dass es nicht gut für es ist – zwing es ihm also nicht auf.

 

9. Füttere niemals diese Dinge!

Es gibt ein paar Sachen, die Du Deinem Pferd nicht füttern solltest:

  • Kartoffeln, Tomaten, Auberginen, Paprika – und vor allem ihre Blätter und Stängel (Nachtschattengewächse – giftig für Pferde)
  • Milchprodukte (Pferde können die Laktose nicht verarbeiten – Durchfallgefahr)
  • Schokolade, Chips, Eis und Ähnliches (Zucker, Laktose, Theobromin – alles nicht gut für’s Pferd)
  • Kohlgemüse (blähend)
  • Geschnittenes Gras (Giftpflanzen können nicht erkannt werden, Schimmelgefahr, kann zu Schlundverstopfung führen, hoher Protein- und Fructangehalt)

 

Fazit

Eine gesunde, artgerechte Pferdefütterung ist gleichzeitig einfach und ziemlich schwer. Einfach, weil es im Grunde genommen nur gutes Raufutter (Heu, Gras, Stroh), bei Bedarf ein paar Kräuter und optional zur Belohnung ein bisschen Obst braucht (und eventuell Kraftfutter, bei entsprechend hoher Belastung). Und schwer, weil es gar nicht so leicht ist Raufutter für Pferde in guter Qualität zu finden – und es ihnen dann auch noch ohne größere Fresspausen zur Verfügung zu stellen.

Als Pferdebesitzer solltest Du Dich zumindest ein bisschen über das Verdauungssystem des Pferdes und seine Futterbedürfnisse informieren. Um herauszufinden was Dein eigenes Pferd konkret braucht, kannst Du Dich beim Tierarzt und/oder einem Futterberater oder Heilpraktiker (bitte nur mit seriöser Ausbildung) Deines Vertrauens beraten lassen.

Wenn Du dann noch bei gekauftem Futter darauf achtest, dass es möglichst keinen Zucker, Konservierungsstoffe und Co enthält (wie z.B. bei mypferdefutter.de), dann bist Du auf einem guten Weg!

 

Welche Besonderheiten hat Dein Pferd bei der Fütterung? Oder bekommt es einfach ganz “normales” Futter?

 

*Dieser Artikel wurde von der uniKorn GmbH in Auftrag gegeben – herzlichen Dank dafür. Alle Meinungen und Empfehlungen sind aber wie immer ganz allein meine!*

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1 KOMMENTAR

  1. Gut geschrieben! Alles wichtige, wissenswerte zusammengefasst.
    Es würde so vielen pferden besser gehen wenn die fütterung angepasster wäre und auf müesli verzichtet würde, dafür mehr gutes heu ins pferd kommt.

    Ich füttere meinem „zuckerpferd“ (insuliner) seit jahren nur noch eingeweichte esparsette neben viel heu und leider wenig weidegang um einem weiteren hufreheschub entgegen zu wirken.

    Manuela Dubs
    Ausgebildete Pferdefütterungsexpertin

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