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Ich bin regelmäßig erstaunt, wenn ich Emails von Lesern bekomme, die von ihren Reitschulen berichten. In vielen Fällen müsste ich aufgrund der Erzählungen eigentlich dazu raten, den Stall zu wechseln: Buckelnde Pferde, brüllende Reitlehrer und mangelhafte Erklärungen sind die Norm.

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Gerade für Reitanfänger ist es natürlich mangels Fachwissen erst mal schwer einen guten von einem schlechten Stall zu unterscheiden. Um hier ein bisschen Licht ins Dunkel zu bringen und Dir Kriterien an die Hand zu geben, mit denen Du eine gute Reitschule erkennst, habe ich mich für diesen Artikel mit Thea Rösler zusammengetan, die IPZV Trainer C ist, selbst Reitunterricht gibt und genau im Blick hat, was das bedeutet. Ergänzend dazu erzähle ich Dir, was eine gute Reitschule meiner Meinung nach mitbringen muss.

Wenn Du auf diese Punkte achtest, hast Du alles was Du brauchst, um eine gute Reitschule zu finden:

1. Schau Dir die Lebensbedingungen der Pferde an

Damit die Schulpferde ihre Arbeit mit Ausgeglichenheit und Freude machen können, sind gute Haltungsbedingungen ein Muss! Pferde, die den ganzen Tag in einer kleinen Box stehen, kaum Kontakt zu Artgenossen haben und nur selten auf die Koppel kommen, entwickeln oft Verhaltensstörungen und können im Unterricht sogar gefährlich werden (Buckeln, Durchgehen und Co).

Wenn Du Dir einen Reitstall anschaust, solltest Du also auf folgende Dinge achten – und gerne auch den/die Reitlehrer/in fragen:

  • Stehen die Pferde in Boxen, auf Paddocks oder im Offenstall?
  • Stehen sie alleine oder mit anderen Pferden zusammen?
  • Wie oft kommen sie auf die Koppel?
  • Wie viele Reitstunden laufen sie am Tag?
  • Gibt es einen Pausentag in der Woche?
  • Macht das Gelände/die Anlage, in dem/der die Pferde stehen einen gepflegten Eindruck?

Idealerweise leben die Schulpferde in einer Herde und haben täglich Auslauf. Das Gelände und die Anlage sollte gepflegt wirken, das heißt die Pferde stehen nicht bis zu den Knien im Matsch oder Mist, die Zäune, Tränken und Futterstellen sind in Ordnung, es liegen keine potenziell gefährlichen Dinge herum (loses Stromband auf dem Boden, Maschinenteile, Holzlatten, etc.). Ich persönlich finde es nicht dramatisch, wenn auch mal Traktoren und Arbeitsgerät herumsteht und nicht immer alles perfekt aufgeräumt ist – so lange sich die Pferde nicht verletzen können – wir sind immer noch auf einem Hof und nicht in einer Arztpraxis. Der Gesamteindruck sollte aber positiv und nicht „verlottert“ sein.

2. Schau Dir die Pferde selbst an

Ein wichtiges Indiz für eine gute Reitschule ist der Zustand der Schulpferde. Hierauf solltest Du achten:

  • Sehen die Pferde gut ernährt aus? Sind sie zu dünn (und du kannst die einzelnen Rippen zählen) oder vielleicht auch zu dick?
  • Machen die Pferde einen freundlichen, aufgeschlossenen Eindruck (oder drehen sie sich von Dir weg und wollen nichts mit Dir zu tun haben)?
  • Ist das Fell der Pferde gut (weich und glänzend) oder sieht es stumpf und matt aus?
  • Sehen die Hufe gut aus?
  • Hat jedes Schulpferd seinen eigenen Sattel (oder gibt es zumindest mehrere Sättel mit unterschiedlichen Passformen)?
  • Nachfragen: Werden die Pferde korrekturgeritten?

Wenn die Pferde allgemein gut aussehen, Du aber auch ein paar Pferde siehst, an denen Dir etwas negativ auffällt, dann frag nach: manchmal stehen auch alte oder kranke Pferde bei den Schulpferden und ihr Zustand lässt sich problemlos erklären – urteile nicht zu schnell!

Thea:  “Reitschulpferde, die drei Reitstunden und mehr am Tag laufen, können nicht auf Dauer gut gelaunt, zuverlässig, aufmerksam und zufrieden vorwärts gehen. Zusätzlich zur psychischen Belastung und das „sich einstellen“ auf unterschiedliche Menschen kommt der körperliche Aspekt dazu: Viele Anfänger sitzen unausbalanciert und müssen noch viel lernen. Deshalb nehmen sie ja Reitstunden. Gute Muskulatur wird jedoch nur durch biomechanisch korrekteres Training aufgebaut und dies geht nicht ohne Korrekturreiten, abwechslungsreich gestaltete Reitstunden und Ausgleichstraining. Ein Schulpferd sollte dauerhaft gut auf Sitz und Schenkel reagieren und es sollte eine weiche Verbindung zum Pferdemaul möglich sein.
Aus Zeit- und Kostengründen wird oft an der Ausbildung von Schulpferden gespart, was die grundlegende Situation jedoch verschlechtert. Schlecht ausgebildete und unausbalancierte Pferde tragen so Tag für Tag Reitanfänger durch die Gegend, die auf diese Art natürlich auch kein feines Reiten lernen können. Das ertragen manche Pferde etwas länger, andere leiden schon nach kurzer Zeit.

Besser ist es, wenn die Reitschüler wöchentlich kommen und zwei “Stammschulpferde” haben. So müssen sich die Schulpferde nicht ständig auf unterschiedliche Reiter einstellen und die Reitschüler haben sowohl die Möglichkeit zu den Schulpferden eine relativ stabile Beziehung aufzubauen, als auch von unterschiedlichen Pferden unterschiedliche Dinge zu lernen. Die Pferde sollten regelmäßig korrekturgeritten werden und fein auf die Hilfen reagieren.

Eine lachende Frau sitzt ohne Sattel auf einem galoppierenden isländer.
(c) Ingo Rösler

Wir müssen uns bewusst sein, dass Schulpferde die besten Mitarbeiter sind, die man sich vorstellen kann, wenn man sie vernünftig behandelt. Reitschüler können nur auf gut ausgebildeten und zufriedenen Pferden das Reiten mit präziser Hilfengebung, einem ausbalancierten Sitz und gutem Gefühl fürs Pferd erlernen. Das alles geht kaum, wenn Schulpferde sechs Tage die Woche jeden Tag drei Reitstunden laufen.”

3. Schau Dir den Reitunterricht an

Neben dem Zustand der Pferde ist natürlich der Unterricht ein entscheidendes Kriterium:

  • Wie viele Reitschüler reiten in einer Stunde? (Für mich sind 5 das Maximum – besser sind weniger)
  • Erklärt der/die Reitlehrer/-in seine/ihre Anweisungen?
  • Wie ist der Umgangston in der Stunde?
  • Wie reagiert der/die Reitlehrer/-in auf Nachfragen?
  • Wird im Unterricht mit Hilfszügeln (wie Schlaufzügel oder Ausbinder) geritten?
  • Wie gut reagieren die Pferde auf Hilfen?
  • Gibt es Pferde, die buckeln, beißen oder sonstige Unarten zeigen?
  • Gibt es Theorieunterricht, Sitzschulung, Bodenarbeit?

Für mich ist ein/e Reitlehrer/-in, der/die seine/ihre Anweisungen erklärt und freundlich und geduldig auf Nachfragen reagiert, ein ganz wichtiges Gütekriterium (das leider nicht immer weit verbreitet ist). Der Militärton und das Rumgebrülle, das ich von früher kenne, sollte heutzutage ein No-Go sein.

Genauso wichtig finde ich es, dass die Pferde verlässlich sind und weder buckeln, beißen, treten, noch durchgehen. Wenn die Pferde im Unterricht größtenteils mit Schlaufzügeln geritten werden, ist das ein schlechtes Zeichen – gutes Reiten lernst Du damit nämlich nicht und besonders pferdefreundlich ist es auch nicht. Eine Ausnahme mache ich hier bei Sitzunterricht, gerade für Anfänger: hier kann es Sinn machen Ausbinder an der Longe einzusetzen.

Thea: “Ich als Trainerin komme schon mit vier Reitschülern gleichzeitig an meine Grenze des für alle Beteiligten produktiven und zufriedenstellenden Unterrichts. Wie soll dann bei fünf und mehr Reitschülern ein individueller und am Pferd orientierter Unterricht möglich sein?
Seit einem Jahr gebe ich nur noch Einzel- und Zweierstunden, was sowohl meine eigene als auch die Zufriedenheit der Pferde enorm verbessert hat und zusätzlich noch die Trainingseffizienz steigert.

Eine Reiterin sitzt auf einem in guter Haltung töltenden Islandpferd.
(c) Ingo Rösler

Grundsatzdiskussionen und hartes „Durchsetzen“ aufgrund von Missverständnissen zwischen Reiterlehrer, Reitschüler und Schulpferd gilt es zu vermeiden, indem möglich präzise und nachvollziehbar unterrichtet wird.

Vielleicht muss man auch nicht jede Reitstunde auf dem Pferd sitzen: Mit einer durchdachten Bodenarbeitsstunde oder bei biomechanisch korrektem Longieren kann auch die Kommunikation mit dem Pferd verbessert werden. Dies verlangt aber Offenheit und Bereitschaft von Reitschüler und Trainer. Theorieunterricht, Interesse am „Warum?“ und Übungen vom Boden helfen dabei, den Sitz der Reitschüler zu verbessern und helfen somit direkt den Schulpferden.”

4. Schau Dir den Preis an

Die Ansprüche aus den ersten drei Punkten lassen sich erfüllen – wenn der Preis stimmt! Ein Reitschule, die pro Stunde nicht mehr als 15€ verlangt, kann es nur damit rein rechnerisch nicht finanzieren, ihren Pferden eine ideale Haltung, Korrekturberitt und passendes Equipment zu bieten und noch dazu ihre/n Reitlehrer/-in bezahlen, der/die Dir qualitativ hochwertigen Unterricht gibt. Oder sie schafft es zumindest nicht lange, bevor sie Konkurs geht.

Pferdefreundliche Bedingungen und guter Unterricht haben ihren Wert und auch entsprechend ihren Preis. Wenn Du günstigen Unterricht willst, musst Du in den meisten Fällen Abstriche an den Haltungsbedingungen der Pferde oder an der Qualität des Unterrichts machen (außer Du findest einen wunderbaren Stall, dessen Betreiber nicht davon leben muss – die sind aber rar gesät). Aber das ist ja nicht Sinn des Reiten Lernens!

Thea: “Um einmal aufzulisten, was ein gutes Schulpferd im Jahr kostet, bin ich von einem meiner Pferde ausgegangen (Süddeutscher Raum – natürlich ist es durchaus möglich, dass der Unterhalt in Einzelfällen irgendwo günstiger ist).

Ein charakterlich einwandfreies, gesundes und solide ausgebildetes Islandpferd kostet aktuell in Süddeutschland mindestens 8000€. Meine Pferde stehen auf einem Islandpferdehof mit einer kleinen 150 Meter Ovalbahn und einem Longierzirkel. Sie stehen viel auf der Wiese und werden im Winter 3x am Tag gefüttert, im Sommer 2x am Tag. Gemistet wird zweimal täglich (eine Haltung in Eigenregie ist nur auf den ersten Blick günstiger: Am Ende muss die Arbeit rund um Stall und Pferde ja erledigt werden – entweder vom Trainer selbst (der in dieser Zeit kein Geld verdient) oder von Angestellten, die Geld kosten). Einstellgebühren können in Süddeutschland aktuell mit 250€ berechnet werden.

Ein Hufbeschlag von 145€ alle acht Wochen fällt natürlich auch ins Gewicht. Dies ist lokal sehr unterschiedlich aber was will man machen, wenn man in einer teureren Gegend lebt? Den Beschlagtermin 2 Wochen nach hinten verschieben um Geld zu sparen ist möglich aber nicht sinnvoll, da sich der Zehenstand der Pferde dann so verändert, dass es zu gesundheitlicher Schädigung kommt.

Was bei diesem Rechenbeispiel nicht berücksichtig wird, ist die Zeit, die der Trainer oder die Trainerin für Ausbildung und Gesunderhalten des Pferdes selbst aufbringt. Auch der Zeitaufwand und Verdienst eines Trainers und Rücklagen oder ein Ausfallrisiko des Schulpferdes wurde hier nicht berücksichtigt.

Rechne ich Unterhalt, Hufschmied, Tierarzt, Equipment und Co zusammen und lege die Kosten auf die Reitstunden um, kostet mich ein Schulpferd pro Reitstunde rund 16€. Nicht einberechnet ist hierbei wie gesagt der Verdienst des Trainers. Reistundenpreise unter 30€ sind also wenig realistisch, wenn die Pferde gut gehalten und ausgebildet werden sollen.”

Zusammengefasst

Eine Reitschule zu finden, die alle diese Punkte erfüllt, ist gar nicht so einfach – aber es gibt sie! Du musst Dir nur im Klaren sein, dass Du für gute Bedingungen für die Pferde und guten Unterricht keinen „Discounterpreis“ zahlen kannst. Etwas höhere Kosten sollte dir das Wohl der Pferde und davon abhängend auch Deine Sicherheit aber definitiv Wert sein (Und nein, ich bin auch nicht aus reichem Haus, wir haben gespart, damit ich guten Unterricht haben kann und ich bin meinen Eltern bis heute dankbar dafür. Mittlerweile bezahle ich meinen Unterricht selbst und habe mit meiner Reitbeteiligung lieber nur eine teure, aber gute Stunde im Monat als vier billige, die mich nicht weiterbringen).

Thea: “Als Kunde sollte man nur Reitstunden nehmen, wenn das Wohl des Pferdes an erster Stelle steht. Stehen die Schulpferde auf der Weide? Wirken sie ausgeglichen und freundlich? Laufen die Schulpferde maximal zwei Reitstunden am Tag und werden ausreichend oft Korrektur geritten? Ist das Training der Schulpferde abwechslungsreich? Reagieren die Pferde mit Neugierde und Vertrauen auf den Menschen oder wirken sie müde und „leer“?

Als Reitschüler solltest Du…

  • die Augen offen halten und dir genug Zeit im Umgang mit dem Schulpferd lassen,
  • dich für biomechanisch korrektes Reiten und das „Warum?“ hinter den Hilfen interessieren,
  • dir eine Reitschule suchen, die es wert ist, mehr Geld auszugeben und dafür individuell und in Einzelunterricht oder Kleinstgruppen arbeitet (Aber Vorsicht: auch wenn Du beispielsweise 50€ für eine Reitstunde ausgibst, heißt das nicht zwangsläufig, dass das Schulpferd nicht täglich drei und mehr Reitstunden läuft),
  • versuchen regelmäßig Reitstunden zu nehmen. Du kannst dann gut an den voran gegangenen Unterricht anknüpfen und Schulpferde haben im besten Fall nicht jede Woche viele neue Personen auf dem Rücken.”

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5 KOMMENTARE

  1. Naja, bei mir in der Gegend stimmt die Qualität grad bei dem FN-Stall nicht und der ist teuer, leider. Mein Vater war ein oller Geizkragen, also blieb mir nur der billlige Unterricht. Guter Artikel.

  2. Toller Artikel der genau den Nerv trifft! Unsere Reitschule in Castrop-Rauxel Bladenhorst setzt alles genauso um! Die Pferde laufen max. 2 Stunden am Tag, kommen jeden Morgen im Herdenverbund raus und werden Korrektur geritten, longiert und haben einen 1,5 freie Tag in der Woche Alle haben Fensterboxen 3x6m und werden 3x am Tag gefüttert, jeden Tag gemistet Jedes Pferd hat eigenes Equipment und bekommt auch mal eine längere Auszeit DOCH müssen wir die Pferde, das Equipment die zwei Reithallen, Longierhalle, Aussenplätze, Wiesen, Paddocks und auch das Personal – welches erstklassigen Reitunterricht gibt – am Leben halten können Qualität…na klar! Aber dann bitte auch das Verständnis für den Reitpreis!

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