Schmerzgesicht des Pferdes

 

“Du hast ja eine richtige kleine Rennsemmel!”, sagt Nadja lachend. “Ja”, meint Anke, “mein kleiner Vinur ist seit ein paar Monaten endlich mal flott unterwegs, früher war er eigentlich immer etwas faul”. Nadja wird still und schaut Vinur kritisch an, “hast du mal abchecken lassen ob er irgendwo Schmerzen hat?”

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Akute Schmerzen

Akute Schmerzen erkennt man bei seinem Pferd schnell: es lahmt, schlägt nach seinem Bauch, ist unruhig – um nur ein paar Anzeichen zu nennen. Jeder, der sich etwas mit Pferden auskennt kann solche Anzeichen leicht erkennen.

Lesetipp: Line von Kultreiter hat alle wichtigen Infos zur Vorbeugung und Behandlung von Koliken zusammengefasst.

Aber wie sieht es mit chronischen Schmerzen aus?

Die entwickeln sich meist schleichend und unbemerkt. Und vor allem: leise.

Unsere Pferde leiden stumm und oft unbemerkt, als Fluchttiere ist es für sie überlebenswichtig, dass Raubtiere keine Schwäche bei ihnen entdecken können.

Hier sind sie darauf angewiesen, dass wir sie gut genug kennen und aufmerksam genug sind die kleinen Anzeichen zu erkennen und nicht als “Macken” abzutun.

Wie erkennst Du denn nun, ob Dein Pferd Schmerzen hat?

Das ist gar nicht so einfach zu beantworten. Pferde sind sehr unterschiedlich und zeigen Schmerz auch demensprechend unterschiedlich – wie Menschen auch.

Der beste Weg frühzeitig zu erkennen, dass Dein Pferd Schmerzen hat, ist es gut kennenzulernen.

Dann werden dir auch Veränderungen an seinem Verhalten eher auffallen.

Dein Pferd hat möglicherweise Schmerzen, wenn es…

  • plötzlich nur noch auf einer Hand angaloppiert, ständig in den Kreuzgalopp springt, Probleme mit Biegungen oder Dressurübungen hat die früher kein Problem waren.
  • eigentlich fleißig ist, aber nun immer langsamer und unwilliger wird.
  • eigentlich ruhig ist, aber plötzlich zur “Rennsemmel” wird.
  • Dir beim Reiten die Zügel aus der Hand reißt.
  • beim Reiten scheinbar grundlos durchgeht oder buckelt. (Die Erfahrung hatte ich schon persönlich vor über 10 Jahren mit einem eigentlich braven Schulpferd: bei jedem Versuch anzutölten ging es sofort buckelnd durch. Das hat mir damals Prellungen und – trotz Helm – eine Gehirnerschütterung mitsamt Schleudertrauma eingebracht. Das wäre vermeidbar gewesen, wenn vorher schon mal jemand auf die kleinen Anzeichen geachtet hätte.)
  • plötzlich Dir oder anderen Tieren gegenüber aggressiv ist.
  • plötzlich schlecht zu sitzen ist. Wenn Dein Pferd verkrampft läuft oder einseitig schief wird, wird es auch für Dich schwerer normal zu sitzen. Hast du nach dem Reiten Rückenschmerzen oder bekommst währenddessen ständig Seitenstiche kann das auch ein Anzeichen dafür sein, dass Dein Pferd Schmerzen hat und in Schonhaltung läuft.
  • nicht mehr – wie sonst – mit seinen Freunden in der Herde spielt, sondern teilnahmslos herumsteht.
  • wenn Du es von der Koppel oder dem Paddock holst erst mal ein paar Schritte steif geht, bevor es normal läuft.
  • Dir manchmal so vorkommt, als würde es kurz lahmen, dann ist aber wieder alles normal.
  • plötzlich Taktfehler hat, die es vorher nicht hatte.
  • normalerweise nie genug zu futtern haben kann und nun immer weniger frisst.
  • mit teilnahmslosem Blick, zusammengebissenen Zähnen, glasigen Augen und nach hinten gerichteten Ohren dasteht (siehe Bild oben).
  • plötzlich mattes, raues Fell hat.
  • beim Putzen an manchen Körperstellen empfindlich reagiert. Es drückt z.B. den Rücken weg, oder bleibt nicht ruhig stehen.
  • plötzlich öfter stolpert als sonst.
  • plötzlich Gewicht verliert obwohl es genauso viel Futter bekommt wie zuvor.
  • mit den Zähnen knirscht.
  • viel und scheinbar grundlos mit dem Schweif schlägt.
  • verhärtete, hervorgehobene Muskelpartien hat. Wenn Dein Pferd ein schmerzendes Körperteil schont, bedeutet das, dass es andere Muskeln permanent anspannen muss. Diese Muskeln werden überbelastet und verhärten sich.
  • unruhig herumläuft oder viel liegt.
  • Muskeln abbaut, obwohl Du mit ihm trainierst.

Zeigt Dein Pferd einige dieser Verhaltensweisen solltest du das von einem Tierarzt, Physiotherapeuten, Osteopathen abchecken lassen. Lieber den Tierarzt einmal zu viel gerufen als einmal zu wenig.

So manches Pferd hat nur “Macken”, weil es Schmerzen hat

Wie Du siehst sind bei der Aufzählung oben einige Verhaltensweisen dabei, die oft als “Macke” des Pferdes angesehen werden. Vor allem, wenn sich so etwas schleichend über einen langen Zeitraum entwickelt, bringt man es nicht unbedingt sofort mit Schmerzen in Verbindung, sondern denkt, dass sein Pferd sich einfach widersetzt.

Deshalb solltest Du Deinem Pferd gegenüber immer aufmerksam und einfühlsam sein.

Viel zu oft hetzen wir nach der Arbeit, Schule oder Uni noch schnell zum Pferd und nehmen uns dabei gar keine Zeit, einmal genauer hinzusehen wie es ihm denn geht.

Nimm Dir die Zeit und stelle Dich ein paar Minuten zu Deinem Pferd bevor Du es von der Koppel oder dem Paddock nimmst. Rede und schmuse (wenn Du einen Schmuser hast) ein bisschen mit ihm, zeig ihm, dass Du gerne Zeit mit ihm verbringst. Dein Pferd wird es Dir danken, auch wenn es keine Schmerzen hat.

 

 Woran erkennst Du, wenn es Deinem Hü nicht gut geht?

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12 KOMMENTARE

  1. Hallo Christina,
    ich gebe in den Sommerferien Reitkurse für Kinder und da ich deine Zeichnung zu den Schmerzen beim Pferd sehr interessant und anschaulich fand würde ich sie gerne in den theoretischen Unterricht aufnehmen. Ist das okay? Also wegen Urheberrecht usw.? Selbstverständlich kann ich auch die Quelle drunterschreiben.
    LG Eva

    • Hallo liebe Eva,

      erstmal vielen Dank, dass du fragst! Leider machen das nur die Wenigsten…
      Du kannst die Zeichnung gerne benutzen und eine Quellenangabe würde mich freuen =)

      Liebe Grüße,
      Christina

  2. Hallo, ich habe den Beitrag heute schon zum keine Ahnung wie vielten mal gelesen, weil ich ihn sehr interessant und auch wichtig für Reiter finde. Ich hatte vor ein paar Jahren eine Reitbeteiligung bei 90% der Zeichnung von Oben im Gesicht zu sehen war + andere Zeichen an anderen Körperstellen. Damals habe ich mich gar nicht wirklich mit Pferden ausgekannt, aber selbst ich habe erkannt das sie an allen möglichen Stellen am Körper Schmerzen haben muss… (Habe dann auch bei ihr aufgehört, weil die Besitzer meinten dass, das bei ihr normal wäre).
    Ich bin danach noch so manchen Pferden mit deutlichen Zeichen von Schmerzen begegnet und ich finde es immer wieder traurig dass die Besitzer nichts machen. Ich wohne komischerweise aber auch in einer Gegend in der es den meisten Pferden nicht so gut geht (viel reine Boxenhaltung und Pferde die brutal geritten werden) …
    Wahrscheinlich könnte ich schon ein ganzes Buch über meine Begegnungen mit solchen Pferden schreiben. :/

    • Hallo Hannah,

      da hast du Recht, leider ignorieren viele Reiter die Zeichen ihrer Pferde… oder sie wissen es nicht besser :-(
      Schade, dass das immer noch so weit verbreitet ist.

      Liebe Grüße,
      Christina

    • Hi Liane,

      naja, ist ja nun kein wirklich neues Thema ;-)
      Und ich finde es gut, dass viel darüber berichtet wird, jeder Reiter sollte Schmerzen beim Pferd erkennen können!

      Liebe Grüße,
      Christina

  3. Wirklich ein ganz toller Artikel.
    Bei Marlit Wendt habe ich noch gelernt, das eine kleine Wulst unter dem Auge auch für Schmerzen spricht. wenn es Dich interessiert, kann ich dir gerne ein Fotos davon mailen. Mein Schwarzer hat sie leider seit seiner schweren Borreloise im letzten Sommer.
    Liebe Grüße
    Sabine

    • Hi Sabine,

      danke für den Tipp! Würde mich sehr freuen wenn du mir die Bilder schicken würdest, dann kann ich das noch in die Illustration aufnehmen =)

      Oh nein, der arme Kerl! Sowas ist immer schlimm, das Pferd einer Freundin hatte vor ein paar Jahren Anaplasmose (wird auch von Zecken übertragen). Gott sei Dank hat sies früh genug gemerkt… Gibt es denn da eine Chance, dass er wieder schmerzfrei wird?

      Ganz liebe Grüße, Christina

    • Hallo Frau van Waasen,

      ich selber hatte im letzten Jahr auch Borreliose und reagierte auf alle Antibiotika allergisch. Da habe ich es mit Heilpilzen: Hericium, Reishi und coriolus probiert. Mir ging es nach der Kur super. Die diversen Krankheitsbilder mit den Schmerzen sind weg. Allerdings nicht gerade preiswert, doch super Erfolg. Meinen Kater behandel ich gegen Epilepsie mit hericium und Reishi. Das entgiftet den körper und er hat nur sehr selten Anfälle von eheals mehrmals täglich. Bei der fira Myotroph gibt es auch eine sehr nette, ompetente tierberatung oder mal auf der homepage schauen. Für Euch alles gute

      Sabine G.

  4. Liebe Christina,

    gerade bin ich auf deine Seite gestoßen und möchte direkt mal ein Lob aussprechen für deine tollen Illustrationen! Das sieht wirklich super aus und gibt deinem Blog eine sehr persönliche Note. :) Auch die Inhalte gefallen mir sehr, man merkt du bist mit ganzem Herzen dabei und erklärst sehr verständlich einen liebevollen und achtsamen Umgang mit unseren Pferden! Danke dafür!
    Miri

    • Hallo Miri,

      dankeschön für dein Lob, das freut mich wahnsinnig!
      Werde deine Seite direkt auch mal stalken ;-)

      Christina

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