Yoga für Reiter

Wenn mir vor ein paar Jahren jemand was von Yoga erzählt hat habe ich immer höflich gelächelt und mir innerlich gedacht „Uäh, Yoga, das ist doch nur was für Möchtegern-Hippies. Rumliegen und Atmen, da würde ich doch glatt die Wände hochgehen vor Langeweile. Wenn ich nicht direkt einpenne.“

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Wie sich herausgestellt hat ein paar ziemlich blöde Vorurteile.

Nachdem ich eine Zeitlang Rückenschmerzen hatte habe ich mich mit einer guten Freundin zur ersten Yogastunde getraut. Und bin mit zitternden Gummiknien wieder raus. Und mit einem breiten Grinsen von einem Ohr zum andern.

Langweilig? Rumliegen? Easy? Das waren die anstrengendsten 90 Minuten meines Lebens. Und ich habe alles daran geliebt!

Seitdem mache ich regelmäßig Ashtanga-Yoga. Das ist eine ziemlich anstrengende Form des Yogas in der man fließend von einer Position zur nächsten wechselt. Und natürlich atmet.

Das Yoga hilft mir nicht nur bei meinen Rückenschmerzen, es macht mich auch zu einer besseren Reiterin.

Und jetzt sage ich Dir wieso:

 

1. Du wirst beweglicher und flexibler.

Ich denke ich muss Dir nicht erklären warum das eine gute Sache ist.

Wenn du ein lockeres, bewegliches Pferd willst musst Du selbst locker und beweglich sein.

Außerdem wird es Dir dabei helfen Dich nicht zu verletzen wenn Du einmal stürzen solltest (siehe auch der Artikel zum richtigen Fallen).

Yoga ist für jeden gut – völlig unabhängig von Fitness, Alter, Gewicht oder Beweglichkeit!

Dabei musst Du nicht schon beweglich und dehnbar sein um Yoga zu machen. Man kann die Übungen so anpassen, dass sie wirklich für jeden machbar sind. In meiner Yogastunde sind teilweise Leute weit über 60!

 

2. Deine Koordinationsfähigkeiten und Dein Körperbewusstsein werden sich verbessern.

Das hilft Dir auch für Deine Arbeit im Sattel.

Besonders bei Dressurlektionen ist es unheimlich wichtig ein gutes Körperbewusstsein zu haben und zu merken wenn Du Deine Schultern hochziehst oder Deine Beine komisch abwinkelst. Dein Pferd unterscheidet nicht zwischen Hilfen, die Du ihm bewusst gibst und denen, die Du aus Versehen gibst, weil Du Deinen Körper gerade nicht ganz unter Kontrolle hast.

Yoga wird Dir dabei helfen sehr viel bewusster spüren und kontrollieren zu können wie Du Deine Gewichts- und Schenkelhilfen einsetzt.

Lesetipp: Ich habe ein paar Artikel zum Aussitzen, Leichttraben, den Gewichtshilfen, den Kreuzhilfen und schlechten Angewohnheiten von Reitern geschrieben. Die Meisten der dort beschriebenen Probleme lassen sich mit mehr Körperbewusstsein, Koordination und Flexibilität lösen. 

 

3. Du wirst stärker und ausdauernder.

Ich bin schon nach etlichen Reitstunden verschwitzt und wackelig vom Pferd gestiegen. Ein bisschen mehr Muskelkraft kann nie schaden.

Wenn Du zu untrainiert bist, wirst Du Dich bei schwereren Lektionen mit Deinem Pferd schnell verkrampfen und nicht mehr feine Hilfen auf den Punkt geben können.

Wir trainieren unsere Pferde und machen uns Gedanken um ihren Muskelaufbau – warum dann nicht auch über unseren eigenen?

(Natürlich sollst Du keine Muskeln haben um fester am Zügel ziehen und die Beine mehr zusammenpressen zu können! Es geht mir hier um die vielen kleinen Bewegungen und Muskelanspannungen, die man während dem Reiten durchführt. Alleine um Dein Gleichgewicht zu halten musst Du immer eine bestimmte Grundspannung halten.)

 

4. Deine Balance, Dein Sitz und Deine Körperhaltung werden sich verbessern.

Auch das ist beim Reiten unheimlich wichtig, denn wie soll Dein Pferd seine Balance finden wenn Du nicht in Balance bist?

Yoga hilft Dir dabei Deine Muskeln zu kräftigen und Dein Gleichgewicht zu finden.

 

5. Du wirst selbstbewusster.

Du lernst was Du alles schaffen kannst und auf Dich selbst zu vertrauen. Das wirst Du auch in den Umgang mit Deinem Pferd mitnehmen. Wenn Du Selbstvertrauen ausstrahlst wird das auch Dein Pferd merken und Dir mehr Vertrauen und Respekt schenken.

 

6. Du wirst aufmerksamer Dir und Deinem Pferd gegenüber.

Im Yoga lernst Du Dich intensiv mit Dir und Deinem Körper zu befassen. Das bedeutet aber auch, dass Du Deine Umwelt intensiver wahrnimmst.

Vielleicht entdeckst Du ganz neue Seiten an Deinem Pferd oder wirst auf alte Marotten geduldiger reagieren. Vielleicht erkennst Du auch, dass Du Vorurteile Deinem Pferd gegenüber hast und durch diese sein Verhalten nur bestärkst.

 

7. Du wirst ausgeglichener und geduldiger.

Yoga hilft Dir dabei mit Stress und negativen Gefühlen besser umzugehen. Bei der Arbeit mit Deinem Pferd wirst Du geduldiger sein und besser auf es eingehen können. Du wirst eine positivere Einstellung bekommen und mit Rückschlägen besser umgehen können. Du wirst lernen, nicht alles todernst zu nehmen und nachsichtiger auf Deine Fehler und die „Fehler“ (eher Verständnisprobleme) Deines Pferdes reagieren.

 

8. Du lernst Deinen Atem zu kontrollieren und Ruhe zu bewahren.

Wenn Du mit Deinem Pferd in eine brenzlige Situation kommst kannst Du Dich mit den Atemübungen des Yogas im Null-Komma-Nichts beruhigen – und somit auch Dein Pferd.

Du wirst lernen, Dich nicht in Probleme zu verbeißen und reinzusteigern, sondern durchzuatmen und loszulassen.

 

9. Du kannst Deine eigenen körperlichen Probleme ausgleichen

Schiefe Hüfte oder verkrümmte Wirbelsäule?

Natürlich geht das auch mit Yoga nicht ganz weg. Du kannst Deine Haltung aber durch regelmäßige Übung deutlich verbessern.

 

10. Yoga kannst Du überall machen

Um Yoga zu üben brauchst Du nur Dich selbst und eine Yogamatte. Zur Not, zum Beispiel auf Reisen, tut es auch ein Teppich.

Meine Ausrüstung für’s Yoga sieht so aus:

  • Yogamatte* damit man ein bisschen Polsterung hat und nicht auf dem Boden rumrutscht
  • Block* zum Sitzen und bei Bedarf Abstützen
  • Schaumstoffrolle (Blackroll)* zum Ausrollen der Muskeln und Lösen der Faszien (Mit diesem Teil verbindet mich eine leidenschaftliche Hassliebe: es tut meinem Rücken unfassbar gut und hat meine Rückenschmerzen fast komplett verschwinden lassen. Gleichzeitig tut das Rollen an manchen Stellen einfach weh wie die Hölle :’D)

Für den Anfang empfehle ich natürlich Yogaunterricht zu nehmen. Aber wenn Du es schon ein bisschen kannst und weißt, worauf Du achten musst, kannst Du es prima überall und zu jeder Zeit machen. Kein lästiger Weg ins Fitnessstudio, kein Gehetze wegen festen Terminen, kein hoher Monatsbetrag für eine Mitgliedschaft…

 

Auch der Reiter sollte sich vorm Losreiten aufwärmen

Wenn ich nicht zu faul dazu bin mache ich immer ein paar Sonnengrüße (das ist eine Reihe von Yoga-Übungen) bevor ich zum Stall fahre und mich aufs Pferd setze. Dann sind meine Muskeln schon warm und ich mache vor dem Aufsteigen nur noch ein paar schnelle Dehnübungen.

Wenn ich mich vorm Reiten aufwärme klappt alles gleich viel besser.

Ich finde es schade, dass das so wenige Reiter machen – unsere Pferde reiten wir schließlich auch warm!

 

Zum Abschluss gibt es hier noch ein Video mit Yoga für Reiter. Auch die, die kein Englisch sprechen können ja trotzdem zuschauen und mitüben.

Und immer daran denken: überfordere Dich nicht! Yoga ist kein Höher-Schneller-Weiter-Sport in dem Du alles perfekt machen musst. Höre auf Deinen Körper, wenn sich etwas ungut anfühlt lass es sein.

 

Lesetipps:

Line von Kultreiter schlägt Dir noch andere Sportarten für Reiter vor.

Daniela von Fair Riding Corp schreibt, warum Du fit auf’s Pferd steigen solltest.

Auch Sophie von Chevalie hat darüber geschrieben, warum Du als Reiter Yoga machen solltest.

 

Welche anderen Sportarten machst Du? Helfen sie Dir auch beim Reiten? Oder machst Du auch Yoga und möchtest mir Deine Lieblingsübungen vorstellen? Ich freue mich auf Deinen Kommentar!

 

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4 KOMMENTARE

  1. Kurze Frage am Rande..
    Ich wollte mit Yoga anfangen, weil ich von den positiven Effekt gehört habe und es ausprobieren möchte.. Jedoch stehe ich vor einem Problem. Ich hab ein Künstliches Kniegelenk seitdem ich 12 bin. Es funktioniert nur eingeschränkt und Knien kann ich schon mal gar nicht … Wäre das trz etwas für mich?

    • Puh, also da würde ich an deiner Stelle erst deinen Arzt fragen und wenn der das Ok gibt, deinen Yogalehrer darauf hinweisen, dass du manches nicht machen kannst. In meinem Yogakurs gab es einige Leute mit Einschränkungen, die haben bestimmte Übungen dann einfach nicht gemacht. Mit Knieproblemen fällt natürlich einiges raus, aber ausprobieren kann nicht schaden =)

  2. Da sollte ich glatt überlegen wieder anzufangen… Hab vor ein paar Jahren auch Yoga gemacht. Ich hätte nicht gedacht, dass es einem auch beim Reiten so viel weiter bringt. Danke für den Tipp!

    Momentan kämpfe ich ohnehin mit ein paar Muskel-Verhärtungen. Ich lerne, gerade einen neuen Sitz. Das dürfte meine Muskulatur teilweise überfordern…

    • Also ich kanns nur empfehlen, mir hat es sehr geholfen! Ich war durch einen Unfall immer im Rücken sehr fest und verspannt, durch Yoga, Osteopathin und jetzt diese Blackroll, die im Artikel verlinkt ist, hab ich das super wegbekommen. Und dass ich jetzt im Rücken viel lockerer bin merke ich wirklich extrem beim Reiten, das ist ein ganz neues Gefühl.
      Das passiert natürlich nicht von heute auf morgen, man muss schon eine Zeitlang dabei bleiben. Aber es tut einem ja auch so einfach unheimlich gut =)

      Ein neuer Sitz? Erzähl mir mehr ;-)
      Oder gibt’s da schon was auf deinem Blog?

      LG

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