Reiturlaub Indien
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“Huch, die ist aber groß” rutscht es mir unwillkürlich raus, als Ute von Princess Trails mir mein Pferd für die kommende Woche und rund 150km Wanderreitstrecke vorstellt. Irgendwie hatte ich mir bei den Marwaris eher eine Arabergröße von um die 1,50m vorgestellt, meine Stute Chandni (was übersetzt Mondlicht bedeutet) geht aber an die 1,60m – das bin ich von meiner ewigen Isländerreiterei gar nicht mehr gewöhnt.

Chandni dreht mir ihre für Marwaris typisch gebogenen, eleganten Ohren zu und begrüßt mich freundlich. Sie ist ein Panch Kalian: das heißt sie hat vier weiße Füße und eine Blesse, laut indischem Glaube bringt das fünffaches Glück. Also gute Voraussetzungen für den anstehenden Ritt! Auch sonst sieht Chandni (und die anderen Pferde des Hofs) super aus: sie hat einen drahtigen Distanzpferdekörperbau, ist fit, gesund und aufmerksam. Die Pferde leben im Herdenverband auf einem weitläufigen Gelände mit eigenem See und werden von Ute nach den Prinzipien des Natural Horsemanship ausgebildet. Die meisten kann man auch problemlos gebisslos reiten.

Wenn man zum Reiten in ein Land wie Indien reist, macht man sich ja so seine Gedanken um den Zustand der Pferde. Princess Trails kann ich absolut guten Gewissens empfehlen, die Pferde sind fit, aufmerksam, spritzig und gleichzeitig gelassen – man merkt, dass es ihnen gut geht.

Ich streiche zum Abschied nochmal über Chandnis samtweiche Nase und freue mich auf den Start unseres Rittes am folgenden Tag. Nun geht es aber erst mal durch den verrückten Verkehr in Schlangenlinien um Kühe, Rikschas, Fußgänger, Mopeds und Straßenhunde zurück zum Hotel in Udaipur.

Das Boheda Palace gehört Utes Mann und liegt wunderbar gelegen mit einem Blick auf den weitläufigen Stadtpalast. Es gibt nichts Besseres, als sich nach der langen Anreise mit einem Chai auf die wunderschöne Dachterasse zu setzen und einfach nur den Blick und die Sonne zu genießen. Nach dem ersten Kulturschock und gerädert durch den Jetlag ist das Hotel ein Quell der Ruhe und Entspannung. Hier lerne ich auch meine drei Mitreiterinnen kennen, mit denen ich mich auf Anhieb bestens verstehe. Nach einem gemeinsamen Abendessen geht es zu den entfernten Klängen indischer Hochzeitsmusik – im Winter ist Hochzeitssaison in Rajasthan – früh ins Bett: wir wollen fit sein für den morgigen Reittag.

 

Der erste Reittag: Klettertour in den Aravallis

Am nächsten Morgen wird aus dem Start um 9 Uhr ein Start um halb 10: die Pferde mussten noch verladen werden und indische Zeitangaben sind sowieso nur ungefähre Richtlinien. Umso besser: mehr Zeit um noch gemütlich einen Chai zu trinken und zu quatschen – die Gesprächsthemen gehen in Reitergruppen ja nie aus.

Wir fahren zum Stadtrand, wo die fertig gesattelten Pferde für uns bereitstehen. Ich packe noch schnell meine Kamera, Tempos und ein paar Leckerlis in die Satteltasche (meine Packliste für Reiturlaube findest Du hier), dann geht es auch schon los. Wir reiten entlang eines Kanals in die trockene Ebene und lassen die lärmende Stadt hinter uns. Die Sonne scheint mir warm auf den Rücken, Eisvögel kreuzen in schnellem Flug unseren Weg und ich fühle mich innerhalb von Minuten auf Chandni zuhause. Sie reagiert zuverlässig und leicht auf alle Hilfen und geht fleißig vorwärts – ein Traum.

Immer wieder führt uns unser Weg an kleinen Häusern und Gehöften vorbei, in deren Innenhöfen Menschen sitzen und arbeiten oder kochen und die uns freundlich winkend grüßen. Einige geben uns auch mit Gesten zu verstehen, dass sie uns zum Essen einladen, aber wir müssen weiter, es liegen noch gut 5 Stunden Reitzeit und einige Kilometer vor uns.

Im Laufe des Tages geht es immer tiefer ins Aravalli Gebirge hinein. Die unglaublich trittsicheren Pferde tragen uns sicher durch einige Kletterpartien. Ich erkenne früh, dass Chandni ihren Weg sehr bedacht und vorsichtig auswählt (ich sehe richtig, wie sie nachdenkt und sich Zeit nimmt, den passenden Weg auszuwählen) und gebe die Verantwortung gerne an sie ab und spiele Beifahrer. Als Ute kurz vor einer besonders schmalen Wegstrecke “vertraut einfach euren Pferden!” ruft, ist das für keinen von uns ein Problem.

Weiter geht es durch die felsige Berglandschaft. Die Pferde meistern jeden Auf- und Abstieg mit Bravour. Ein Teil unseres Weges ist mit dornigen Büschen überwachsen und wir schlagen einen Umweg ein, der uns auf dem Gipfel eines Hügels keine andere Wahl lässt, als durch den Innenhof eines kleinen Hofs zu reiten. Auch hier sind die Menschen unheimlich freundlich und freuen sich über unseren kurzen Besuch.

Auf unserem Weg reiten wir immer wieder durch kleine Dörfer und tränken die Pferde an den dortigen Wassertrögen. Ich weiß gar nicht, wohin ich zuerst schauen soll, es gibt so viel zu sehen: winkende Kinder, Kühe, die Innenhöfe der Häuser, in die man vom Pferd aus hineinspitzen kann, Wäsche waschende Frauen in bunten Saris, höflich grüßende Männer mit farbigen Turbanen, Motorräder, auf denen die ganze Familie sitzt und – als wäre das nicht genug – noch eine Ziege transportiert wird. Indien ist ein Fest für die Sinne – und vom Pferd aus hat man auch genügend Zeit, sich alles anzuschauen und die vielen Eindrücke zu verarbeiten.

 

Am späten Nachmittag erreichen wir unser Safaricamp am Ufer eines kleinen Sees. Die Pferde werden abgesattelt und versorgt, wir bekommen einen Chai und richten uns in unseren Zelten ein. Nach einer schnellen Katzenwäsche im Duschwagen geht es gleich weiter mit dem Jeep zum Sas-Bahu Tempel in Nagda. Wir wandern im rötlichen Abendlicht als einzige Touristen durch die wunderbar verzierten Tempelanlagen, nur ein paar Kinder spielen noch in den Ruinen.

Zurück im Camp lassen wir den Abend beim leckeren Essen unseres Kochs Vishnu, mit einem wärmenden Lagerfeuer zu Füßen und dem zufriedenen Schnauben der Pferde im Ohr ausklingen.

 

Der zweite Reittag: auf Wasserbüffeljagd

Nach einer kalten Nacht, die ich dank Wärmflasche kuschelig warm verbracht habe, schlüpfe ich fröstelnd in meine noch kalten Reitklamotten. In den kommenden Tagen werde ich mir angewöhnen, sie vor dem Anziehen unter die Decke zur Wärmflasche zu legen und so etwas anzuwärmen.

Wir frühstücken entspannt und lassen uns von der höher steigenden Sonne aufwärmen. Als wir um 9 Uhr losreiten, ist die Kühle des frühen Morgens schon vergessen. Ich rutsche etwas gequält in meinem Sattel herum und ordere bei unserem Guide Shivandar einen Lammfellbezug: mein Hintern macht sich nach dem ungewohnt langen Reittag gestern doch etwas bemerkbar, trotz des bequemen Sattels (aufscheuern tut aber nichts, meine super bequeme Distanzreithose hat sich wirklich bewährt!).

Der Weg des heutigen Tages geht immer höher in die Aravallis, die Landschaft wird karg und steinig und die Dörfer weniger. Wir haben eine wunderbare Aussicht und ich genieße es, in der Stille meinen Gedanken hinterherzuhängen. Das anspruchsvolle Gelände erlaubt nur ab und an einen kurzen Trab, an Galopp ist nicht zu denken – also eher keine Etappe für Geschwindigkeitsjunkies.

So einsam die Gegend auch scheinen mag, irgendwen trifft man immer: in unserem Fall ist es eine Begegnung mit drei Wasserbüffeln, die die Ruhe durchbricht. Pferde sind kein alltäglicher Anblick für die indische Tierwelt, dementsprechend misstrauisch reagieren sie auch. Aber keine Tierart findet unsere Pferde so gruselig, wie die Wasserbüffel (nur die Bergkamele finden uns ähnlich schlimm). Shivandar gewöhnt sich im Laufe des Rittes an, anzuhalten und Warnungen zu rufen, wenn Menschen mit ihren Büffeln auf uns zukommen. Reiten wir einfach weiter auf sie zu, reißen sich die Büffel los und laufen panisch vor uns davon – wir könnten sie kilometerweit vor uns hertreiben.

So auch unsere erste Büffelbegegnung: wir reiten auf die drei Büffel zu, zwei flüchten nach rechts, einer nach links. Unglücklicherweise scheinen die getrennten Büffel Mutter und Kind zu sein, denn aus Flucht wird plötzlich eine laut schnaubende Scheinattacke von rechts. Unsere Pferde schalten eher in den Kampf- statt in den Fluchtmodus und ich muss Chandni deutlich antreiben, damit wir Entfernung zwischen uns und die Büffel bringen. Dürfte sie selbst entscheiden, würde sie der aufgeregten Büffeldame wohl mutig die Stirn bieten. Das ist nur passend: die Marwaris waren zu früheren Zeiten die Kriegspferde der Rajputen, der Kriegerkaste Indiens.

Nach dieser doch etwas aufregenden Begegnung dauert es keine fünf Sekunden und die Pferde sind wieder so tiefenentspannt, als wäre nie etwas passiert. Die Souveränität und Entspanntheit der Pferde hat mich während der ganzen Zeit mit am Meisten beeindruckt!

Das Kulturprogramm des heutigen Tages beschränkt sich auf einen Besuch des Maharana Pratap Museums, das für uns Reiter besonders deshalb interessant ist, weil Prataps Pferd Chetak eine wichtige Rolle in der Geschichte spielt. Ich fand das Museum vor allem amüsant – es wird die gleiche, einfache Geschichte auf vier verschiedene Arten erzählt: als Gemälde mit Text, als kurzes Video, als zehnminütiger Animationsfilm und mit lebensgroßen Puppen nachgestellte Szenen (man denke an “Piraten in Batavia” im Europapark). Mir persönlich hätte die Geschichte, wie sie uns Ute beim Mittagspicknik an Chetaks Denkmal erzählt hat, auch gereicht.

Nach einem schönen, langen Galopp auf den staubigen Wegen der Hochebene geht es am Abend in Richtung Camp. Kurz bevor wir ankommen schaue ich nach rechts und sehe einen weißen Stier im goldenen Licht der untergehenden Sonne durch das hohe Gras entlang des Weges galoppieren. Ich höre ihn nicht, nur das leise Flüstern des Grases. Um mich herum ist es still, als würde die Welt pausieren, in diesem unwirklichen Augenblick. So kitschig dieser Moment auch klingen mag, wenn ich ihn hier niederschreibe, bleibt das Bild doch in meine Erinnerung eingebrannt und ist eines meiner wertvollsten Mitbringsel dieser Reise.

„Wie toll wäre es, wenn man schöne Momente in Marmeladengläser schließen und daran riechen könnte, wenn es einem mal nicht so gut geht?“ ~Cornelia Funke

 

Der dritte Reittag: das Indien aus tausendundeiner Nacht

Der Vormittag dieses Tages entpuppt sich als einer meiner Lieblingsteile der ganzen Reise: es geht durch ein langgezogenes, grünes Hochtal, entlang eines seichten Flusses. Immer wieder durchqueren wir den Fluss oder reiten eine Strecke des Weges durch sein flaches Wasser. An seinen Ufern spenden Palmen erfrischenden Schatten, während Eisvögel wie blaue Blitze von einem Palmwedel zum Nächsten fliegen. Im Unterholz rumoren Pfauen neben einem halb verfallenen kleinen Schrein, während Kraniche durch’s Wasser staksen. Am Flussufer sitzen Frauen in bunten Saris und waschen ihre Wäsche. Bis auf das Zwitschern der Vögel, das Murmeln des Flusses und das Platschen der Pferdehufe im Wasser ist es still. Eine kühle Brise mildert das Brennen der Sonne. Ich bin im Paradies.

So stelle ich mir das exotische Indien aus den Geschichten tausendundeiner Nacht vor. Solch einen Ort erreicht man als Tourist nur abseits der üblichen Wege und – für mich – am Besten auf dem Pferderücken.

In der Mittagspause am Fluss kann ich mich kaum auf Vishnus leckeres Lunchpaket aus Naan-Brot, Gemüse und gekochtem Ei konzentrieren, zu sehr hat mich das Tal in seinen Bann gezogen. Ich sauge die Atmosphäre in mich auf und kann mich nicht sattsehen – dieser Morgen, dieses Tal will ganz tief in meiner Erinnerung gespeichert werden, damit auch kein Detail verloren geht.

Am Nachmittag geht es entlang einer Straße in Richtung Kumbalgarh Festung. Im Vergleich und Kontrast zum Morgen im Tal hätte ich mir diesen Streckenabschnitt mit seinen vorbeibrausenden Autos, Mopeds und Trucks sparen können (auch wenn der chaotische Verkehr ein paar Meter neben ihnen unsere Pferde nicht die Bohne interessiert und ich mich zu keiner Sekunde unsicher fühle). Ich hätte mit dem Bild des Tals frisch in meiner Erinnerung den Reittag völlig zufrieden beenden können.

Die Festung Kumbalgarh, an deren Fuß unser Camp für den Abend liegt, ist dann aber nochmal ein Highlight. Auch hier kommt uns wieder zu Gute, dass wir sie erst am späten Nachmittag besuchen und nur wenige andere, meist einheimische, Touristen da sind. Wir haben die beeindruckende Festung mit dem unglaublichen Blick über die Aravallis fast für uns alleine. Die Menschen, die uns ansprechen, sind (wie bisher alle) unheimlich freundlich, herzlich und interessiert. Eine Gruppe Frauen in leuchtenden Saris schnappt mich kurzerhand für ein Foto und eine schenkt mir ihren Schmuck zur Erinnerung. Noch ein Moment für mein Marmeladenglas mit guten Erinnerungen.

Genauso wie der Moment, als die Flughunde abends im Dunkeln über unser Camp fliegen, beleuchtet vom knisternden Lagerfeuer und untermalt mit den beruhigenden Klängen der fressenden Pferde.

 

Der vierte Reittag: Affen-Attacke

Die Sonne schafft es nur langsam über die hohen Berge am Fuß der Festung, deshalb sitze ich etwas fröstelnd in meinem T-Shirt auf Chandni, als wir in Richtung Kumbalgarh Nationalpark aufbrechen – und bin froh, als es kurz nach Ankunft im Park schon wieder “absteigen” heißt. Der Pfad von den Bergen hinunter ins Tal ist mit glatten Steinen belegt und um es den Pferden leichter zu machen laufen wir. Wieder bin ich beeindruckt von der Intelligenz unserer Marwaris: keines von ihnen rutscht oder stolpert auch nur ein einziges Mal, sie schauen ganz genau wo sie ihre Füße hinsetzen können und planen ihren Weg.

Im Tal angekommen sitzen wir wieder auf und werden still. Wir reiten auf schmalen Pfaden entlang eines Bachs durch dichten Urwald. Vor uns schimmert immer wieder helles Fell, wie eine Fata Morgana. Erst nach einigen Minuten, in denen nur die leisen Tritte der Pferde und Vogelzwitschern zu hören ist, erhaschen wir einen kurzen Blick auf eine Nilgai-Antilope. Eisvögel und Pfauen sind weniger scheue Begleiter und eine Mitreiterin glaubt auch ein Wildschwein im dichten Unterholz erspäht zu haben.

Nach einer der vielen Flussüberquerungen kommen wir zur Quelle des Zwitscherns und der Rufe, die wir schon eine ganze Weile hören konnten und für Vögel hielten: Bäume voller Languren-Affen. Bei unserem Anblick wird aus dem Zwitschern ein aufgeregtes Kreischen und die halbe Kolonie springt flink über unseren Köpfen von einem Ast zum anderen. Unsere Pferde interessiert das wenig. Bis ein Affe einen Ast in Chandnis Richtung wirft und sie nur knapp verfehlt. Der einzige Moment der ganzen Tour, in dem ich die Zügel wirklich annehmen muss. Chandni lässt sich trotz Schreckmoment und kleinem Hüpfer leicht halten und ist schon wieder tiefenentspannt, bevor ich richtig merken konnte, was überhaupt los war. Ich lasse die Zügel wieder fallen. Tolles Pferd!

Die Pfade im Nationalpark sind weich und sandig und laden zu ausgedehnten Galoppaden ein. Die Pferde freuen sich genauso wie wir über das flotte Tempo und ich sehe nur breit grinsende Gesichter – kein Wunder, mir geht es auch nicht anders.

Die Mittagspause halten wir bei einem Jain Tempel am Rand des Parks. Wir sitzen auf der Mauer gegenüber und haben einen perfekten Blick auf das Treiben auf dem angrenzenden Weg: eine Frau treibt eine Ziegenherde vorbei, ein Mann betrachtet erst neugierig und ausgiebig uns, dann unsere Pferde, eine Kuh schielt auf unsere Lunchpakete und kommt unauffällig näher, wird aber von einem Straßenhund ausgestochen, der sich unsere letzten Naan erbettelt.

Hier stößt übrigens Magdalena Strakova zu uns, die den Rest der Safari mitreitet. Magda ist nicht nur ein super Mensch, sie ist auch eine fantastische Fotografin, schau mal bei ihr vorbei!

 

Am Nachmittag ändert sich die Landschaft: wir kommen nun der Wüste Thar näher und die Vegetation wird spärlicher und trocken, es wird wärmer. Kleine Bäume stehen auf einer hügeligen Ebene mit wenig Unterholz, durchbrochen von seichten Flüssen. So sieht es auf alten indischen Gemälden aus, wenn die Maharadschas bei der Tigerjagd gezeigt werden. Die Wege sind fantastisch und wir können lange Galoppaden einbauen. Die Pferde können sich richtig strecken und man merkt, wie viel Spaß und Power sie auch nach dem Reitmorgen und der Mittagspause noch haben.

Auch wir Reiter haben uns schon voll und ganz an die 5-6 Stunden im Sattel gewöhnt: kein Hintern tut mehr weh und man entwickelt eine kraftsparende und geschmeidige Sitzweise. Ich fühle mich wie mit Chandni verwachsen und vertraue ihr voll und ganz. Streckenweise habe ich die Füße aus den Bügeln und nehme auch immer mal wieder ohne Bedenken kurz den Helm ab, um nach der Helmkamera zu sehen.

Abends besuchen wir den Ranakpur Jain Tempel, dessen unzählige Säulen in der tief stehenden Sonne leuchten. Barfuß laufe ich durch die Tempelanlagen und genieße den kühlen Stein unter meinen Füßen, während ich die detaillierten Steinmetzarbeiten bewundere und die ruhige Atmosphäre aufsauge. Noch ein Marmeladenglasmoment.

 

Der fünfte Reittag: im Galopp durch Rajasthan

Ich kann kaum glauben, dass heute der letzte Reittag ist. Die Camp- und Reit-Routine ist mittlerweile so ins Blut übergegangen, ich könnte ewig so weitermachen (mehr über Fakten rund ums Camp und die Abläufe gibt es hier). Aber es hilft nichts, ich steige auf Chandni und reite dem Ende des Tages und der Tour entgegen.

Und was für ein Tag das ist! Wir kommen wieder verstärkt in die Zivilisation und reiten durch viele Dörfer und kleine Städte. So sehr ich die abgeschiedene Natur liebe, so fasziniert bin ich vom indischen Dorf- und Stadtleben. Es gibt so unfassbar viel zu sehen, egal wohin man schaut: in Juwelenfarben schillernde Saris, Ziegenhirten mit knallend roten Turbanen, winkende und schreiende Kinder, Schweine, Kühe, Wasserbüffel, Kamele, Hunde mit ihren Welpen, bunt bemalte Jeeps, hupende, Ziegen transportierende Motorroller, Läden mit reihenweise hängenden Chipstüten, Karren mit frischem Obst und Gemüse, auf Liegen an der Straße Siesta haltende Menschen, hupende Autos, die sich um alles herumschlängeln, wahnwitzig geschmückte Hochzeits-Locations – und wir mit den Pferden mittendrin. Es zeugt sehr von der Ausbildung der Pferde, dass sie in diesem Chaos völlig ruhig und gelassen ihren Weg gehen und ich als Reiter bedenkenlos abgelenkt in der Gegend herumschauen kann.

Auf den etwas ruhigeren Feldwegen geben wir dann nochmal richtig Gas: wie die wilde Jagd fegen wir an den Feldern vorbei, zu den Anfeuerungsrufen, Lachen und Winken der Bauern. Und zum Leidwesen einiger Kamele, die wir fast zu Tode erschrecken. Über eine trockene, buschbewachsene Ebene geht es in unverändert flottem Tempo zum wunderschön gelegenen Camp.

Und dann ist der letzte Reittag auch schon viel zu schnell vorbei. Wir genießen noch einen letzten Abend am Lagerfeuer, bei fantastischem Essen, toller Gesellschaft und mit dem Schnauben der Pferde im Ohr, dann geht es am nächsten Morgen mit dem Auto zurück nach Udaipur.

 

Mein Fazit

Wer den Text bis hierher gelesen hat (High Five für Dich!) wird es sich denken können: ich fand die Aravalli Safari mit Princess Trails große Klasse und würde sie jederzeit wieder machen. Tatsächlich steht schon die vorsichtige Planung für eine Wiederholung in zwei bis drei Jahren mit ein paar Freundinnen.

Die Pferde sind in einem guten Zustand und super ausgebildet. Sie reagieren fein auf die Hilfen, sind intelligent, trittsicher, zuverlässig und unerschrocken. Auch nach einem langen Reittag sind sie spritzig und gehfreudig, dabei aber immer gut zu handeln.

Die Route der Safari hat mir bis auf den Nachmittag des dritten Reittages außerordentlich gut gefallen. Man muss sich bewusst sein, dass man gerade in den Bergen nicht viel galoppiert oder trabt, die ersten beiden Tage sind also sehr schrittlastig. Mir persönlich macht das nichts aus, das gehört für mich zum Wanderreiten dazu. Wenn Du aber viel Gas geben willst, ist eine andere Tour vielleicht die bessere Option (Princess Trails bietet ja verschiedene Safaris an).

Die Mischung zwischen Natur und Kultur fand ich perfekt. Man bekommt einen tollen Einblick ins Land außerhalb der ausgetretenen Touristenpfade und lernt ein ganz anderes Indien kennen als beispielsweise bei einer normalen Gruppenreise (die ich im Anschluss noch gemacht habe). Ich hatte vor der Reise etwas Bedenken, weil ich wusste, dass die Strecke auch mal durch Dörfer und kleine Städte geht und ich eigentlich eher ein Naturliebhaber bin, aber gerade diese Ritte durch die Dörfer und der Einblick in das Leben der Menschen waren ein Punkt, der mir besonders gut gefallen hat. Die Einheimischen begegneten uns ausnahmslos mit großer Gastfreundschaft und ich habe mich kein einziges Mal unwohl gefühlt.

Also eine klare Empfehlung von mir!

 

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4 KOMMENTARE

  1. es hat mich total verzaubert wie du alles aufgeschrieben hast und ich hatte das Gefühl auf einem dieser bezaubernden mawaris neben dir zu reiten. du solltest darüber nachdenken Bücher zu schreiben :-D

  2. Hallo! Ich war vor einigen Jahren bei Ute und habe einen Trail gemacht – auf Radha. Es war ein Traum und Indien ist einfach faszinierend! Die Ohren der Marwaris sind so bezaubernd! Inzwischen reite ich auch Isi, also haben wir viel gemeinsam :-) Vielleicht schaust du ja mal bei mir vorbei auf meinem Blog oder bei Instagram (travel_texte).

    • Hallo liebe Uta,

      jaaa, ich fand es auch traumhaft! So ein spannendes Land und tolle Pferde! <3
      Ich glaube bei Instagram bist du mir sogar schon über den Weg gelaufen, der Name kommt mir jedenfalls bekannt vor ;-)

      Liebe Grüße,
      Christina

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