apassionata cinema of dreams
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Vor einigen Wochen kam eine Anfrage in mein Postfach geflattert, bei der ich erst mal gemischte Gefühle hatte: APASSIONATA lud mich zur neuen Show “Cinema of Dreams” ein.

Gemischte Gefühle hatte ich deshalb, weil ich vor einigen Jahren in der Show war und teilweise grobe und unfaire Reiterei gesehen habe. Damals hatte ich entschieden, nicht noch einmal hinzugehen.

Ich habe also erst mal abgesagt. Aber nach ein bisschen Bedenkzeit war ich dann doch neugierig, wie sich die Show in den letzten Jahren weiterentwickelt hat. Nach einem netten Telefonat mit der zuständigen Mitarbeiterin, die meinen Bedenken gegenüber sehr offen war, haben wir eine Lösung gefunden: ich schaue mir die Show an, bilde mir meine Meinung und entscheide dann, ob ich darüber schreibe. Dass ich, wenn ich denn schreibe, auch kritisch darüber schreiben darf, ist Grundvoraussetzung (wie in allen meinen Meinungsbeiträgen für Unternehmen). Und weil die Show ja nur ein Teil des Ganzen ist, durfte ich noch einen Blick hinter die Kulissen, in die Stallzelte und auf die Abreitplätze werfen.

Was ich gesehen habe, wie ich die Show fand, die Reiterei, die Unterbringung und den Umgang mit den Pferden und ob man guten Gewissens zu APASSIONATA gehen kann, erfährst Du in diesem Artikel.

 

APASSIONATA hinter den Kulissen – die Stallzelte

Unser erster Weg an diesem Abend führt mich und APASSIONATA-Mitarbeiterin Stephanie durch strömenden Regen zu den Stallzelten – wo wir sofort von einem Security-Mitarbeiter angehalten und nach unseren Pässen gefragt werden. Die Pferde sind wertvoll und rund um die Uhr gut geschützt.

Im Zelt selbst fällt mir zuerst die ruhige und entspannte Atmosphäre auf – dabei ist es schon kurz vor knapp, in 30 Minuten soll die Show starten. Aber alle sind ein eingespieltes Team, jeder Reiter kümmert sich selbst um sein Pferd und man merkt, dass hier eine große Vertrautheit herrscht. Auch die Pferde kennen sich: Stephanie erzählt mir, dass immer die gleichen Pferde Boxennachbarn sind und so auch “on Tour” ihre Sozialkontakte pflegen können. Keines der Pferde wirkt nervös oder gestresst. Einige dösen vor sich hin, während der letzte Feinschliff angelegt wird. Der hübsche, gepunktete Noriker Thomas bringt uns und seine Besitzerin zum lachen, weil er ihr beim Einflechten der Mähne ständig den Kamm stibitzt und wegwirft.

Die Pferde stehen in Boxen, klar, aber die sind groß genug zum Bewegen (und größer als in so manchem Stall, den ich schon gesehen habe) und bieten den Pferden die Möglichkeit Kontakt zu ihren Nachbarn aufzunehmen. Die Shettys (die ich später in der Freiheitsdressur wiedersehe) stehen zusammen in einer extragroßen Box, weil sie sonst keine anderen Pferde sehen könnten – sie sind zu klein um über die Boxentür zu schauen.

apassionata cinema of dreams shettys

Nach der Show schauen wir im zweiten Stallzelt vorbei. Und wieder bin ich verblüfft, wie entspannt hier alles abläuft. Die Pferde werden von ihren Reitern abgesattelt und versorgt. Die Pferde gehören nicht APASSIONATA, sondern es werden für jede Show mehrere Equipen engagiert. Das sind Reiterteams, die ihre Pferde mitbringen und sie auch selbst versorgen. Sie wissen also genau, was ihre Pferde brauchen. Auch das Futter wird von den Reitern mitgebracht, so müssen sich die Pferde nicht umstellen.

Viele der Pferde stehen unangebunden auf der Stallgasse, blubbern ihren Reitern und dem Futter entgegen und machen keinen anderen Eindruck, als meine Reitbeteiligung im heimischen Stall. Ich sehe keine übermäßig schwitzenden, pumpenden Pferde, keine Pferde mit offensichtlichen Verhaltensstörungen oder sonstwie auffälligem Verhalten.

Pferde und Reiter sind Profis und dieses Leben gewöhnt – das merkt man.

Die Shows sind übrigens nur am Wochenende. Während der Woche leben alle Pferde in einem von drei zentralen Ställen in Deutschland. Dort werden sie so gehalten, wie ihre Reiter das wünschen (und wie sie es von zu Hause kennen). Bei den Meisten gehört dazu auch regelmäßiger Koppelgang. APASSIONATA selbst nimmt keinen Einfluss auf Haltung, Training und Fütterung, das liegt allein im Ermessen des jeweiligen Reiters und Besitzers. Hier findest Du einen ausführlicheren Artikel über die Haltung der Pferde.

 

APASSIONATA hinter den Kulissen – Backstage

Nach unserem Besuch in den Stallzelten geht es weiter hinter die Bühne. In Saarbrücken ist das eine besondere Herausforderung, denn die Saarlandhalle hat im Backstagebereich relativ niedrige Decken – sitzt man auf einem großen Pferd muss man gefühlt etwas den Kopf einziehen. Glücklicherweise sind auch die Pferde, die ich hier sehe, entspannt und zucken zwischen all dem Gewusel, Kostümständern, einem Auto und uns nicht mit der Wimper.

Wir stehen auf einem kleinen Abreiteplatz und schauen einem der Reiter beim letzten Üben zu. So ganz harmonisch sieht das nicht aus. Kein Wunder, erzählt mir Stephanie, der eigentliche Reiter des Pferdes liegt krank im Hotel und nun ist einer der Voltigierer für ihn eingesprungen. Dafür sieht es dann doch ganz gut aus – Pferde sind nunmal keine Maschinen und Reiter und Pferd müssen sich aneinander gewöhnen.

Vor uns verdeckt ein großer, schwarzer Vorhang den Blick. Dahinter ist die Halle, in der die Show stattfindet und das Publikum sitzt. Da wo wir nun stehen, stehen in ein paar Minuten die Reiter und Pferde, die auf ihren Auftritt warten. Über einen Bildschirm sieht man, was in der Halle geschieht und wann die Tür im Vorhang geöffnet werden muss. Zur Sicherheit wird diese Tür nur von Menschen bedient und kann auch geöffnet werden, wenn etwas schief laufen sollte.

Stephanie erzählt, dass rund 90 Leute im Einsatz sind um die Show zu ermöglichen. Hier, hinter den Kulissen, wird mir erst bewusst, wie enorm der Organisationsaufwand wirklich ist. Und dann ist die Saarlandhalle auch noch kleiner als alle anderen Auftrittsorte und manche Elemente der Show müssen dem geringeren Platz angepasst werden. Das Organisationsteam beneide ich wirklich nicht.

Viel zu schnell leutet die Glocke, die uns auf unsere Plätze ruft. Ich hätte gerne noch mehr des Backstagebereichs erkundet, aber die Show beginnt.

 

APASSIONATA – Cinema of Dreams

Der Hintergrund der aktuellen Show “Cinema of Dreams” ist schnell beschrieben: es wird die Geschichte von Eve und Tom erzählt, die sich bei einem Besuch im ersten Kino der Stadt kennenlernen und gemeinsam in eine wundersame Welt der Bilder und Geschichten eintauchen. Jede dieser Geschichten wird von den verschiedenen APASSIONATA-Equipen mit ihren Pferden umgesetzt, begleitet von Tänzern und Musik. Dazwischen folgen wir der Liebesgeschichte von Eve und Tom und ihrem Kampf darum, das Kino zu retten.

apassionata cinema of dreams eröffnungsdressur

Das Spektrum der Vorführungen reicht von wunderschönen Freiheitsdressuren – hier hat mich vor allem Bartolo Messina beeindruckt – über spektakuläre Stuntreiter bis hin zu ungarischer Post mit sechs Pferden. Das Programm ist unheimlich abwechslungsreich und sehr unterhaltsam. In Kombination mit Tänzern und Kostümen fühlt man sich tatsächlich wie in eine fremde Welt versetzt.

Aber wie ist denn nun der Umgang mit den Pferden?

In einem Satz zusammengefasst: Ich habe keine offensichtlich grobe, unfaire Reiterei gesehen. Es hat sich tatsächlich einiges geändert, seit ich das letzte Mal bei APASSIONATA war.

Sieht man perfekte Reiterei? Nein, das nicht (wo sieht man die schon?). Die Reiter machen Fehler, die Pferde laufen nicht immer im Takt, die Piaffen sind nicht immer sauber. Alles normal, weder Mensch noch Pferd sind Maschinen, so etwas passiert. Für mich ist viel wichtiger, wie damit umgegangen wird. Und hier haben sich alle Reiter entspannt und flexibel gezeigt: das Pferd will sich nicht hinlegen? Dann wird’s eben nur eine Verbeugung. Die Wechsel sind nicht perfekt? Es wird trotzdem lobend über den Hals gestrichen und nicht mit Gewalt etwas erzwungen. Ich fand die Reiter bei Cinema of Dreams fairer als viele, die man auf den Turnierplätzen sieht. Ich fand sie auch fairer als viele der Reiter, die ich dieses Jahr in der Gala-Show der Eurocheval oder letztes Jahr in den Equitana-Shows gesehen habe.

In der Freiheitsdressur von Bartolo Messina laufen aufmerksame, entspannte Pferde, deren Persönlichkeit in jeder Bewegung erkennbar ist. Man sieht keine resignierten Roboter, die ihr Programm abspulen, wie das bei manch Anderen der Fall ist. So galoppiert dann auch mal ein Pferd vor Übermut wild buckelnd und quietschend durch die Halle. Kein Problem: völlig entspannt wird das Programm angepasst.

apassionata cinema of dreams freiheitsdressur

Auch die Stuntreiter – die oft keinen guten Ruf genießen – geben ein ordentliches Bild ab. Die Pferde sehen trotz des hohen Tempos und der sicherlich hohen Belastung nicht gestresst aus. Sie können jederzeit in völlige Ruhe durchpariert werden. Im Stallzelt nach der Show sieht man, mit wie viel Hingabe die Reiter sich um ihre Pferde kümmern. Jedes trägt einen maßangefertigten Spezialsattel.

apassionata cinema of dreams stuntreiter

Besonders beeindruckt bin ich auch vom Ungarische Post Reiter Laury Tisseur, der am Ende – auf zwei Pferden stehend – weitere vier Pferde vor sich an den Leinen über verschiedene, versetzt stehende Sprünge und durch komplizierte Manöver führt.

apassionata cinema of dreams ungarische post

Wie die Reiter ihre Pferde zu Hause trainieren kann ich natürlich nicht beurteilen. Aber in der Show, die ich gesehen habe, und hinter den Kulissen, lief für mich alles in einem völlig guten Rahmen ab. Und was mich auch gefreut hat: ich glaube ich habe nur einen einzigen Sperriemen gesehen.

 

APASSIONATA – Cinema of Dreams – Mein Fazit

Es ist natürlich eine Grundsatzfrage (über die durchaus viel gestritten wird) ob man sich Shows mit Tieren anschauen mag und ob diese ethisch vertretbar sind. Diese Frage muss aber jeder für sich selbst beantworten.

Ich kann für mich sagen, dass ich die APASSIONATA-Reiter nach meinem Besuch und dem Blick hinter die Kulissen guten Gewissens anschauen kann. Ich hatte nicht den Eindruck, dass man damit Leute unterstützt, die ihre Pferde für Profit ausbeuten. Sicher gibt es eine für Pferde idealere Art zu leben – es gibt aber auch viele deutlich schlechtere Arten, über die oft nicht so kontrovers diskutiert wird. Ich denke da an die paar Pferde in meinem Nachbarort, die auf einer kleinen Koppel vor sich hinvegetieren, ohne dass sich jemand jemals mit ihnen beschäftigt. Oder an manche Sportpferde, die deutlich weniger raus kommen oder kaum Sozialkontakte zu anderen Pferden haben – und in der Turniersaison auch jedes Wochenende auf Tour sind.

Um die Pferde wird sich von ihren Equipen – meines Eindrucks nach – gut und professionell gekümmert. Es wird viel getan um ihnen das Leben möglichst stressfrei und angenehm zu gestalten und die Reiter haben ganz offensichtlich eine Bindung zu ihren Pferden.

Gibt es bessere Haltungsbedingungen? Ganz sicher. Ist es deshalb Tierquälerei? Für mich nicht. Ich finde man muss kein schlechtes Gewissen haben oder sich davor fürchten, grobe Reiterei zu sehen, wenn man sich mit der Familie oder der Reiterfreundin Cinema of Dreams anschaut.

Wenn Du noch mehr sehen willst, findest Du hier einige Videos zur Show und auch ein paar Blicke hinter die Kulissen.

 

*Herzlichen Dank an APASSIONATA für die Einladung und die Unterstützung des Artikels. Alle Meinungen sind wie immer allein meine*

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7 KOMMENTARE

  1. In Saarbrücken!! :D Da hab ich direkt gestutzt, normalerweise taucht meine Stadt selten auf.
    Bist du von der Nähe?

    Sehr schöner Artikel!! Man will ja immer das Gute sehen, und freut sich dann, wenn es bestätigt wird.
    Bisher wollte ich mir die Show auch nicht ansehen, auch aus deinen genannten Gründen. Ich hätte dann keine Freude gehabt. Aber jetzt sieht das Ganze wirklich anders aus! :)

    • Ja, ich bin aus Blieskastel :-D
      Saarland ftw! ;-P

      Ohne einen Blick hinter die Kulissen hätte ich es mir auch nicht angesehen, da hätte ich immer irgendwie ein schlechtes Gefühl. Aber das war wirklich ok =)

      Liebe Grüße,
      Christina

  2. Ich finde es toll, wie du den Umgang mit den Tieren beschrieben hast und eine Entwicklung erkennen konntest. Ich selber habe nie die Show gesehen, habe aber nach dem Lesen deines Blogs Lust mir die Show anzusehen.
    Vielen Dank für den tollen Beitrag !!!

  3. Ich finde es schonmal toll das du dir trotz deiner “Vorurteile” die Show angeschaut hast. Dein Bericht ist wie immer toll!
    Meiner Meinung nach ist es richtig was du gesagt hast, dass es sicher schlechtere Haltungsformen gibt. Auch in meiner Umgebung kann ich das immer wieder sehen, leider. Schön das es auch bei solchen Shows Menschen gibt die auf das Wohlbefinden der Pferde achten.

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